Hamburg

Ende des Freihafens?

Von Frank Pergande

29. April 2008 Der Freihafen Hamburg entstand am 15. Oktober 1888, als die Vereinbarung „über die Modalitäten, unter welchen der Anschluss Hamburgs an das deutsche Zollgebiet erfolgen soll“, in Kraft trat. Nur im Hafen blieb eine zollfreie Zone - der Freihafen. Die berühmtesten Bauwerke in der Freihandelszone sind die Häuser der Speicherstadt, die extra dafür entstanden. Mehr als 20 000 Hamburger mussten dafür umgesiedelt werden.

Bis heute ist die Speicherstadt eine der größten zusammenhängenden Lagerhauseinrichtungen der Welt. Nach dem Zollanschluss 1888 erlebte der Außenhandel einen enormen Aufschwung, so dass das Freihafengebiet mehrmals erweitert wurde. Die größte Erweiterung erlebte der Freihafen 1910, als der Waltershofer Teil einbezogen wurde.

Nachdem die Speicherstadt als Keimzelle des Freihafens 2003 aus dem Freihafen entlassen wurde, erstreckt sich der Freihafen heute über knapp fünfzehn Quadratkilometer. Das ist etwa ein Fünftel des gesamten Hamburger Hafengeländes. 17,5 Kilometer lang ist der den Freihafen umgebende Zaun.

Allerdings hat der Freihafen seine Bedeutung so gut wie verloren. Was früher ein Privileg war, gilt heute als nicht mehr zeitgemäß. Zwei Drittel der Handelsgüter werden mittlerweile ohnehin zollfrei innerhalb der Europäischen Union gehandelt, außerdem werden die Waren nur noch selten gelagert, sondern sollen möglichst schnell den Hafen wieder verlassen.

Die eben gebildete schwarz-grüne Koalition in Hamburg will nun den Freihafen ganz auflösen. So steht es im Koalitionsvertrag. Versehen ist der Passus allerdings mit dem Hinweis darauf, dass bei berechtigten Wirtschaftsinteressen ein kleiner Freihafen doch noch bleiben könnte. Für kleinere Handelsfirmen ist der Freihafen noch immer eine kostengünstige Einrichtung, um Waren zu lagern.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert

 
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