Von Reiner Burger
28. Januar 2008 Es ist erst vier Monate her, da wandte sich eine Gruppe Dresdner Bürger um den früheren Frauenkirchen-Baudirektor Eberhard Burger mit der Bitte an den sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt, er möge im Streit über die Waldschlösschenbrücke nichts unversucht lassen, um den durch das Projekt gefährdeten Titel Weltkulturerbe“ für das Dresdner Elbtal zu erhalten. Vor knapp drei Monaten dann sicherte der in der Brücken-Frage bisher starrköpfige Milbradt (Der Verlust des Welterbetitels ist verkraftbar“) der Gruppe um Burger tatsächlich zu, man könne den Spielraum ausnutzen, den das Planfeststellungsverfahren lasse.
Gesagt, getan: An Montag hat eine Kommission, der neben Burger auch der Dresdner Baubürgermeister Herbert Feßenmeyr und der Brücken-Architekt Henry Ripke angehören, ihre Vorschläge dazu vorgestellt. Ohne größere Schwierigkeiten kann demnach das Volumen der klobigen Brückenfüße um sechzig Prozent reduziert werden. Im unteren Teil kann auch der Brückenbogen um immerhin mehr als einen Meter schlanker ausfallen. Bei dieser Abmagerungskur, gab Architekt Ripke zu, müsse man freilich schon sehr genau hinsehen, um den Unterschied wahrzunehmen.
Einen Meter schmaler
Die deutlichste Verbesserung betrifft wohl jene Stelle, wo die Brücke auf der Neustädter Seite in einen Tunnel münden soll: Dort könnte nach den Vorstellungen der Kommission darauf verzichtet werden, die Hälfte der bisher verplanten Fläche zu versiegeln. Auch würde die Brücke um immerhin einen Meter schmaler ausfallen, wenn man auf die hässlichen Laternenmasten verzichtete und die Beleuchtung in die Handläufe verlagerte. Ob diese Form von Illumination allerdings verträglich ist für die mittlerweile legendäre Kleine Hufeisennase, müsste erst noch gutachterlich geklärt werden, wie Baubürgermeister Feßenmayr einräumte. Im vergangenen Jahr hatten Umweltverbände in Sorge um die seltene Fledermausart den Baubeginn der Brücke überraschend verzögern können: Schließlich zieht Licht Insekten und damit auch Fledermäuse an, die dann von den Autos erfasst werden könnten.
Die Stadt Dresden hat die neuen Vorschläge der Burger-Kommission sofort nach Paris an die Unesco versandt und hofft, nun Gehör und Gnade zu finden. Baudirektor Burger wünscht sich erklärtermaßen, seine Mission möge in Dresden dazu beitragen, wieder Frieden unter den Bürgern herzustellen. Das ist nicht uneigennützig. Tatsächlich spaltet die Brückenfrage Dresdens Bevölkerung in zwei immer unversöhnlichere Lager. Wie weit die Diskurskultur mittlerweile erodiert ist, musste Burger selbst schon feststellen. Der freundlichste Vorwurf ist dabei noch, der Baudirektor lasse sich vor den Karren der CDU spannen.
Text: F.A.Z.
