25. Mai 2008 Dass das westlichste Lenin-Denkmal in Deutschland ausgerechnet in Schwerin steht und dort ausgerechnet in der Hamburger Allee, ist manchem Schweriner peinlich, aber nicht allen. 1985 wurde die Statue im Plattenbaugebiet Großer Dreesch nahe dem Fernsehturm aufgestellt. Geschaffen hatte sie, wie das damals so war, ein Bildhauer aus dem damals noch sowjetisch besetzten Estland, Jaak Soans. Schwerin war gerade 825 Jahre alt geworden.
Das Denkmal war nicht schlechthin nur ein allgemeiner sozialistischer Lobgesang auf Lenin, sondern sozusagen mecklenburgisch-ländlich gedacht. Es sollte an Lenins Dekret über Grund und Boden erinnern und auch an die Enteignung der Großgrundbesitzer in der sowjetischen Zone während der Bodenreform 1945.
Heute wissen auch die Schweriner, was die Bodenreform für ein Unrecht war - wenngleich der Einigungsvertrag dies Unrecht zementiert hat. Aber das ist ein anderes Thema. Es hat jedenfalls nicht an Bemühungen gefehlt, Lenin, wie anderswo auch, endlich zu schleifen. Aber jeder Versuch ist bislang am Widerstand der Stadtvertreter gescheitert. Immerhin konnten sich die 44 Stadträte vor gut zwei Jahren darauf einigen, dem Denkmal eine erklärende Tafel beizufügen, die Lenin ins historisch rechte Licht rücken sollte.
Auf der Tafel steht unter anderem: Er enteignete Kulaken und Bauern und verteilte den Boden an Besitzlose. Lenin zerschlug die demokratischen Parteien und die Kirche in Russland fast vollständig.
Die Tafel wurde vor einigen Tagen beschädigt. Unklar ist, ob es aus purem Vandalismus geschah - Plattenbaugebiete im Osten gelten inzwischen mehr oder weniger als soziale Brennpunkte - oder ob da jemandem das Lenin-Kritische nicht passte.
Schwerin war Bezirkshauptstadt der DDR mit großem Staats-, Partei- und Staatssicherheitsapparat. Einiges ist von dem Klima immer noch zu spüren. Die Linkspartei ist traditionell stark, aber auch die SPD. Dass der Oberbürgermeister seit 2002 ein CDU-Mann war, galt im linken Schwerin als politischer Unfall. Der Mann ist soeben auch abgewählt worden.
Die jüngste Nachricht vom Lenin-Denkmal lautet nun: Die Tafel ist abmontiert. Aus der Stadtverwaltung hieß es, es werde eine neue, unzerstörbare Tafel in den nächsten Tagen geben, auf einer dreißig mal siebzig Zentimeter großen Edelstahlplatte, die fest im Sockel verankert werden soll. Für die Stadt indes ist das ein Anlass, mal wieder über den Sinn des Denkmals nachzudenken. Aber eine Mehrheit für seine Entfernung wird sich auch jetzt nicht finden.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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