Protest gegen Waldschlösschenbrücke

Mein Freund der Baum ist tot

15. Januar 2008 Der umstrittenen Waldschlösschenbrücke im Unesco-Welterbe Dresdner Elbtal steht kein Baum mehr im Wege: Nach sechs Stunden Sägearbeit fiel der Stamm der 200 Jahre alten Rotbuche um. Das Ende der Buche, die Aktivisten der Naturschutzorganisation Robin Wood seit vier Wochen besetzt hatten, wurde von Pfiffen der Demonstranten begleitet. Polizei hatte den Baum und seine Umgebung in der Nacht mit einem Großaufgebot geräumt. Die vorher nicht angekündigte Aktion dauerte damit insgesamt knapp zwölf Stunden. Zwei frühere Versuche waren am Widerstand der Baumbesetzer und Protesten gescheitert.

Die Beseitigung der Rotbuche hat Wut und Empörung ausgelöst. Noch während der Baum am Dienstag abgesägt wurde, kritisierten Vertreter von Bürgerinitiativen und Parteien die Verantwortlichen von Stadt und Freistaat. „Die Buche wird lange Zeit ein Symbol des Widerstandes gegen Unvernunft und die Arroganz der Macht sein“, sagte der Linke-Fraktionschef André Schollbach.

„Wir werten das als politisches Versagen“

Die Bürgerinitiative Welterbe Dresdner Elbtal warf dem amtierenden Oberbürgermeister Lutz Vogel (parteilos) Unfähigkeit vor. Die Stadt als Bauherr sei nicht in der Lage, den Bauablauf zu beeinflussen. „Wir werten das als politisches Versagen.“ Angesichts des neuen Bürgerbegehrens für eine welterbeverträgliche Lösung in Form eines Tunnels riefen sie die Verantwortlichen auf, weitere Zerstörungen unverzüglich zu stoppen. „Die Integrität der Elblandschaft und der Welterbestatus sind mit jedem gefällten Baum und jedem weiteren Baggerhub dem Verlust preisgegeben“, warnten sie.

Der BUND Sachsen sieht die Verantwortung bei Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU). „Auch wenn die Buche jetzt tot ist, bleibt die Hoffnung, dass die Menschen erwachen und sich gegen diese Arroganz der Macht zur Wehr setzen.“

Unterdessen gehen die seit dem 19. November laufenden Bauarbeiten für die umstrittene Waldschlösschenbrücke weiter. Laut Stadtverwaltung stehen die Rammarbeiten für die Brückenfundamente auf einer Uferseite vor dem Abschluss. Zudem werden Leitungen umverlegt und im Bereich der Fundamente nach Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht. Am Mittwoch soll ein Schacht eingebaut werden, dessen größtes Teil schwerer als neun Tonnen wiegt.



Text: FAZ.NET mit Material von AP, dpa
Bildmaterial: AP, ddp, dpa