Prerow

Hafen in Not

Von Frank Pergande

27. Juni 2008 Vor der Westküste der Halbinsel Darß und Zingst erstreckt sich in der Ostsee die Kadettrinne. Sie gilt auch unter erfahrenen Seeleuten als schwer zu befahren. Manches Unglück hat sich dort schon ereignet. Da trifft es sich gut, dass es ganz in der Nähe einen Nothafen gibt.

Der Hafen gehört zur Gemeinde Prerow und liegt östlich von der Spitze des Darß, dem Darßer Ort. Über diesen Nothafen wird seit Jahren gestritten. Das hat mit den natürlichen Bedingungen zu tun. Die See holt sich von der Westküste den Sand und lagert ihn an der Darß-Spitze ab. Jahr für Jahr versandet dabei auch die Einfahrt zum Nothafen. Da der Hafen zudem in der Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft liegt, soll er nicht mehr genutzt werden. Stattdessen gibt es seit Jahren die Idee, an der langgestreckten Darß-Nordküste einen neuen Hafen zu bauen.

Die Gemeinde Born begann mit den Planungen. In der Gemeinde Prerow jedoch konnten sich die Bürger nicht entscheiden. Zwar wurde bei einem Bürgerentscheid die Frage bejaht, ob Prerow einen Hafen wolle. Aber das Quorum wurde verfehlt. Als es um einen Standort ging, wählten die Bürger eine Variante - einen Durchstich von der See in den Prerowstrom -, von der klar war, dass sie nie genehmigt werden und nicht die Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern bekommen würde.

Mancher Prerower frohlockte: Nun sei der Hafen ganz verhindert. In dieser Woche aber haben sich die Bürgermeister von Prerow und Born mit Hilfe von Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) geeinigt. Born verfolgt seine Pläne nicht länger. Und Prerow hat einen Standort ausgewählt, der zwar im Landschaftsschutzgebiet liegt, nicht aber im Nationalpark.

Entstehen soll ein sogenannter Buchtenhafen, also eine hinter die Küstenlinie gebaute Marina - nicht nur für Segler, sondern auch für die Seenotrettung und für Ausflugsschiffe. Die Vereinbarung zwischen Prerow und Born ist unterschrieben. Durchsetzen müssen das die beiden Bürgermeister freilich noch in ihren Gemeinden. Und da gibt es noch immer Gegner. Und nicht nur dort: Die FDP, Oppositionspartei im Landtag, wird nicht müde, für den Ausbau des alten Nothafens einzutreten.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bernd Helfert

 
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