06. August 2005 Mit einer feierlichen Zeremonie hat Hiroshima der Opfer des Atombomben-Abwurfs auf die Stadt vor 60 Jahren gedacht. Ein Kind aus der Stadt und ein Überlebender der Katastrophe schlugen eine Glocke an genau um jene Uhrzeit, als die Bombe am 6. August 1945 einschlug und 140.000 Menschen den Tod brachte. Die rund 55.000 Menschen am zentralen Mahnmal der Stadt hielten in einer Schweigeminute inne. UN-Generalsekretär Kofi Annan warnte vor der raschen Verbreitung von Atomwaffen. Japans Ministerpräsident Koizumi betonte das Engagement seines Landes für Frieden und gegen Atomwaffen. Hiroshimas Bürgermeister griff die Atommächte der Welt in scharfen Worten an.
Die Glockenschläge hallten um 8.15 Uhr Ortszeit (1.15 Uhr MESZ) über den großen Platz vor dem Mahnmal im Friedenspark von Hiroshima. Zuvor hatten bereits zahlreiche Menschen Blumen am Denkmal niedergelegt und stille Gebete für die Toten gesprochen. Auch Ministerpräsident Junichiro Koizumi legte einen Kranz vor dem Monument nieder. Der Friedenspark von Hiroshima wurde nahe des Einschlagsortes der Bombe errichtet. Dort steht auch der sogenannte Atombomben-Dom, das Skelett eines Kuppelbaus, der als eines der wenigen Gebäude in der Stadt der Druckwelle und der folgenden Feuersbrunst standhielt.
Sprunghafte Verbreitung von Kernwaffen
UN-Generalsekretär Annan forderte, die Tragödie von vor 60 Jahren dürfe sich niemals wiederholen, zeigte sich aber in seiner Rede skeptisch. Traurigerweise hat die Welt wenig Fortschritte gemacht, erklärte er. Die internationale Gemeinschaft sehe das anhaltende Streben, Atomwaffenarsenale zu verbessern und zu modernisieren. Außerdem drohe die sprunghafte Verbreitung von Kernwaffen. Zurzeit sind die Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm in Peking in einer Krise. Der Streit um das iranische Atomprogramm droht zu eskalieren, nachdem die iranische Regierung einen Kompromißvorschlag der EU abgelehnt hat (siehe: Atomstreit: Niemand denkt zur Zeit an eine militärische Auseinandersetzung).
Koizumi sagte, Japan werde beim Thema nukleare Abrüstung die führende Rolle in der internationalen Gemeinschaft übernehmen. Japan behalte seine in der Verfassung verankerten pazifistischen Traditionen bei. Auch die 1967 beschworenen drei Prinzipien, wonach das Land Atomwaffen weder produzieren, noch besitzen noch im Land stationieren wird, bleibe gültig. Der Bürgermeister von Hiroshima forderte ein spezielles UN-Komitee, das auf eine atomwaffenfreie Welt hinarbeiten müsse. Dieses sei notwendig, weil die jüngsten Konferenzen zur Abrüstung erfolglos blieben. Er forderte die Atommächte auf, sich bis 2020 aller Kernwaffen zu entledigen. Das Festhalten daran sei selbstsüchtig.
140.000 Menschen starben sofort
Bei dem weltweit ersten Atombombenangriff am 6. August 1945 kamen rund 140.000 Menschen sofort oder in den folgenden Monaten ums Leben, fast die Hälfte der damaligen Einwohnerzahl Hiroshimas. Drei Tage später warf die amerikanische Armee eine zweite Atombombe über der japanischen Stadt Nagasaki ab, die weitere 70.000 Menschen tötete. Am 15. August verkündete Kaiser Hirohito im Rundfunk die Kapitulation Japans und damit das Ende des Zweiten Weltkriegs im Pazifik-Raum.
Text: FAZ.NET mit Material von AFP
Bildmaterial: AP, dpa/dpaweb, REUTERS