03. November 2004 George W. Bush bleibt Präsident der Vereinigten Staaten. Das Rennen um das Weiße Haus wurde in der ganzen Welt verfolgt. Es geht zu Ende, als Bushs demokratischer Herausforderer John Kerry am Tag nach der Wahl seine Niederlage eingesteht.
Kerry gab damit auch das Rennen in dem bis zuletzt umkämpften Bundesstaat Ohio verloren, dessen Wahlmännerstimmen für den Ausgang der Präsidentenwahl entscheidend waren. Mit den 20 Stimmen aus Ohio kommt Bush nun auf eine Mehrheit von 286 Stimmen in dem Wahlkollegium, das im Dezember den Präsidenten kürt. Kerry konnte insgesamt nur 252 Stimmen erlangen. Damit fehlten ihm exakt 18 Stimmen zum Wahlsieg.
Demokratische Hoffnungen bis zum Schluß
Bis zuletzt hatten Kerrys Demokraten ihre Hoffnungen auf zigtausend sogenannter provisorischer Stimmen in Ohio gesetzt, mit deren Auszählung erst mehrere Tage nach dem eigentlichen Wahltag begonnen werden sollte. Offenbar war Bush aufgrund seines deutlichen Vorsprungs aber nicht mehr einzuholen.
Kerry hat Bush mit den Worten gratuliert: Glückwunsch, Mr. President. Wie es hieß, bezeichnete Bush Kerry als würdigen und ehrenwerten Kontrahenten. Der Demokrat habe im Gespräch mit Bush beklagt, die Vereinigten Staaten seien zu zerrissen, und der Präsident habe dem zugestimmt. Wir müssen wirklich etwas dagegen tun, sagte Kerry.
Weißes Haus kürt Bush schon früh zum Sieger
Das Weiße Haus hatte Bush schon am Mittwoch morgen zum Sieger der Präsidentenwahl ausgerufen.
Präsident Bush gehe davon aus, den Swing State Ohio gewonnen zu haben, sagte der Stabschef im Weißen Haus. Mit einem Vorsprung von 140.000 Stimmen sei Bush nicht mehr einzuholen, auch dann nicht, wenn man die provisorischen Wahlzettel berücksichtigte.
Verwirrung um Provisorische Stimmzettel
Dabei handelt es sich um ein System, das Fehler in den Wahllisten korrigieren sollte. Die provisorischen Stimmzettel wurden von Wählern abgegeben, die ihren Namen nicht auf den Wahllisten wiederfanden. Es hätte also zunächst geprüft werden müssen, ob diese Bürger tatsächlich wahlberechtigt und die Listen fehlerhaft waren. Nur dann hätten die bereits abgegebenen Stimmen auch gewertet werden können.
Zunächst sah es daher so aus, als würde - wie bei der Präsidentenwahl 2000 in Florida - der Sieger am Ende in einem juristischen Tauziehen ermittelt.
Werden um jede Stimme kämpfen
Kerry ließ seinen Vizepräsidentenkandidaten John Edwards zunächst erklären: Wir haben vier Jahre auf diesen Sieg gewartet. Wir können noch eine weitere Nacht warten.
Die von Bushs Beratern angekündigte Erklärung zum Wahlsieger sei nur ein taktisches politisches Manöver, sagte Edwards. Sie ziele darauf, Initiativen zur Anfechtung der Wahl zu entmutigen und ein Gefühl der Unvermeidlichkeit einer zweiten Amtszeit Bushs zu erzeugen. Edwards zitierte in Anspielung darauf den vor vier Jahren Bush knapp unterlegenen Al Gore und kündigte an: Wir werden um jede Stimme kämpfen.
Republikaner siegen im Kongreß
Doch mit seiner Einschätzung lag Edwards falsch: In einer überraschend deutlichen Wahl mit ungewöhlich hoher Beteiligung sprach eine klare Mehrheit dem amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten das Vertrauen aus. Auch die sogenannte popular vote sprach für Bush: Er erreichte 51 Prozent aller abgegebenen Stimmen, während Kerry auf lediglich 48 Prozent kam. Wahlanalysen zeigen, daß letztlich sogar elf Prozent der Anhänger der Demokraten für Bush stimmten, während sich umgekehrt lediglich sechs Prozent der Republikaner für Kerry entschieden.
Nur ein Prozent der Wähler stimmte für den unabhängigen Kandidaten Ralph Nader. Damit wurden Befürchtungen unter Demokraten widerlegt, Naders Kandidatur könnte Kerry letztlich den Sieg kosten.
Noch in der Wahl 2000 war Bush Präsident geworden, ohne daß die Mehrheit der Amerikaner für ihn gestimmt hatte - das komplizierte Wahlsystem nach dem Prinzip The winner takes it all macht das möglich. Danach vereinigt ein Kandidat alle Stimmen eines Staates im Wahlmännergremium auf sich, wenn er die einfache Mehrheit der Bürger in diesem Staat überzeugen konnte.
Zugleich siegte Bushs Partei, die Republikaner, bei den Wahlen zum Kongreß und konnte dort ihren Vorsprung sogar noch ausbauen. In Repräsentantenhaus und Senat konnten die Republikaner Sitze hinzugewinnen. Der Führer der Demokraten, Tom Daschle, wurde abgewählt. Amerika: Republikaner erweitern Mehrheit im Kongreß
Colorado: Wahlrechtsreform scheitert
Auch in Colorado mußten Unterstützer der Demokraten eine Enttäuschung hinnehmen. Dort ist am Wahltag eine mit Spannung verfolgte Reform des Wahlrechts gescheitert.
Die Befürworter der Initiative hatten angestrebt, daß die neun Wahlmännerstimmen des Bundesstaates künftig zwischen den Kandidaten entsprechend des Stimmanteils aufgeteilt werden - eine Neuregelung, von der in diesem Wahlkampf Kerry profitiert hätte. Sie wurde jedoch mit großer Mehrheit abgelehnt. Damit werden nun wie bisher alle neun Wahlmännerstimmen Bush zugeschlagen.
Entscheidung in den Swing States
Vor der Präsidentenwahl hatten sich Bush und Kerry das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert, das offenbar die meisten Wähler seit 40 Jahren an die Urnen trieb. Bush und Kerry lagen in den Wahlumfragen oft gleichauf oder ihr Abstand voneinander war sehr gering. Wahlentscheidend war, wer die Swing States für sich entscheiden konnte, die sogenannten Schlachtfeldstaaten, in denen es keine klare Präferenz für einen Kandidaten gab. Schließlich siegte Kerry im mit 55 Wahlmännern stärksten Staat Kalifornien. Texas mit seinen 34 Wahlmännerstimmen fiel an Bush, der von dort stammt.
Bush verteidigte in einem erbittert geführten Wahlkampf den Irak-Krieg und seine Bilanz im Kampf gegen den Terrorismus vehement. Seinem Rivalen warf er Führungsschwäche vor. Kerry konterte, Bush habe die Vereinigten Staaten durch den Irak-Krieg international isoliert. Die Wähler sollten Bush bei der Wahl die Quittung für seine verfehlte internationale Politik geben. Doch am Wahltag kam alles anders.
Text: FAZ.NET
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