Zum Tod Karl Maldens

Die ewige Nummer zwei

Von Michael Althen

Man kaufte ihm alles ab: Karl Malden in “Die Straßen von San Francisco“

Man kaufte ihm alles ab: Karl Malden in "Die Straßen von San Francisco"

02. Juli 2009 Er war einer jener Typen, denen man ohne Bedenken einen Gebrauchtwagen abkaufen würde. Und deshalb war er in den siebziger Jahren in Amerika das Gesicht für Reiseschecks, dessen Slogan „Don’t leave home without them“ eine geflügelte Redensart wurde. Damals spielte er an der Seite von Michael Douglas den Lieutenant Mike Stone in der Fernsehserie „Die Straßen von San Francisco“, 120 Folgen lang den knautschgesichtigen Alten mit Hut und Trenchcoat, der skeptisch, aber milde die Eskapaden seines jungen Kollegen begleitet. Karl Malden hatte beim Theater unten angefangen und sich hochgekämpft. Im Film war es genauso, und obwohl er beim Fernsehen dasselbe befürchtete, war die Serie sofort ein Erfolg und beförderte seinen Ruhm vermutlich mehr als sein Oscar für „Endstation Sehnsucht“.

Karl Malden wurde als Mladen Sekulovich 1912 in Chicago geboren, Sohn eines Serben und einer Böhmin, und folgte seinem Vater erst einmal als Milchmann. Mit 22 Jahren studierte er in seiner Gebrutsstadt Schauspiel, arbeitete auf dem Bau, lernte seine Frau Mona kennen – und landete wieder als Milchmann in seiner Heimat. Der Autor Robert Ardrey lud ihn nach New York ein zu Proben für ein Stück, das nie zustandekam, aber Malden sprach für Elia Kazans Inszenierung von „Golden Boy“ vor. Es waren zwar nur vier Zeilen im dritten Akt, wie er behauptete, aber so begann die Freundschaft zu Kazan, die ein halbes Jahrhundert währte und 1999 in einem Ehrenoscar für Kazan gipfelte, den Malden als Präsident der Academy eingefädelt hatte.

Ehe-Rekord in Hollywood

Malden hatte nach dem Krieg in Kazans Inszenierungen von Arthur Millers „All My Sons“ und Tennessee Williams’ „A Streetcar Named Desire“ gespielt, von denen letztere aus Marlon Brando einen Star machte und in der Verfilmung Malden einen Oscar einbrachte. Auch in „On the Waterfront“ (Faust im Nacken, 1954) stand Malden als kämpferischer Priester im Schatten von Brando. Aber sein Motto war ohnehin, „die Nummer eins in den zweiten Rollen“ zu werden, die ihm zugedacht waren. Und das gelang ihm in den Fünfzigern auch: als Jennifer Jones’ reicher Mann in „Ruby Gentry“, als Polizist in Hitchcocks „Ich beichte“, als minderbemittelter Ehemann in „Baby Doll“ und als Anthony Perkins Übervater in „Fear Strikes Out“.

In den Sechzigern spielte er hauptsächlich in Western und Kriegsfilmen, und gerade als er nach Italien ausweichen musste und in Dario Argentos „Neunschwänziger Katze“ mitspielte, kam 1972 das Angebot für die „Straßen von San Francisco“. Am stolzesten aber war er auf eine ganz andere Leistung: Seine siebzigjährige Ehe mit Mona ist ein Rekord, der in Hollywood so schnell wahrscheinlich nicht übertroffen werden wird. Am Mittwoch ist Karl Malden im Alter von 97 Jahren in Los Angeles gestorben.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, CINETEXT, Cinetext Bildarchiv, dpa, REUTERS

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Oscar für “Endstation Sehnsucht“: Malden, 1951, mit Claire TrevorDer Erfolg kam ohne Kampf: Malden mit Michael Douglas in “Die Straßen von San Francisco“Mit Carroll Baker als minderbemittelter Ehemann in „Baby Doll” (1956)Karl Malden mit Bette Davis in “Der schwarze Kreis“ (1963)Trotz filmischer Versuchungen, wie hier in “Cincinati Kid“ (1965): Seine Ehe hielt siebzig JahreKarl Malden bei der Bambi-Verleihung 1979 mit Horst Tappert Eine seiner Paraderollen: Karl Malden in “Zwei ausgekochte Gauner“Malden neben Marlon Brando und Eva Marie Saint in “Die Faust im Nacken“ (1954)Mit Marlon Brando in “Der Besessene“ (1959)Unter John Ford in “Cheyenne“ (1963)Entgegennahme des Oscar 1971, stellvertretend für den “Patton“-RegisseurBei der Verleihung des “Screen Actors Guild Life Achievement Award“ 2004