
„Nachhaltig”, dieser dehnbare Begriff, der höchst schwammig etwas von Verantwortung für die Zukunft, Respekt für das Gewachsene und ein daraus resultierendes gutes Gewissen transportiert, hing über der 15. „Outdoor” in Friedrichshafen wie der dunkle Himmel am Eröffnungstag. Taschen aus dem Plastikmaterial von Getränkeflaschen, Mitarbeiter, die zur Teilnahme an sozialen Initiativen angehalten werden, Spenden an Gesundheitsprojekte, die ohne weiteres Zutun mit dem Kauf von sportlichen Socken verbunden sind, auf dem Rucksack produzierter Solarstrom für die Kleinelektronik, ohne die eine Alpenwanderung nicht mehr möglich erscheint - wohin man auch schaute: Gutmenschen, beseelt von dem Drang, sich nicht nur verantwortlich und respektvoll zu verhalten, sondern auch darüber zu reden.
Dort, wo es eher um Zahlen als um Gesinnung als Werbung für Lifestyle-Produkte ging, wurde klar: Die Messe ist weiterhin ein internationaler Erfolg; die Aussteller wollen trotz anderer lockender Angebote für die kommenden fünf Jahre am Bodensee bleiben. Doch das nur schwer genau zu umreißende Produktfeld Outdoor ist durch die steigenden Ölpreise doppelt getroffen: Von denen hängen die Kosten vieler Kunststoffmaterialien genauso unmittelbar ab wie die Fracht für die in Asien produzierten Waren. Übers Ganze gesehen etwa um fünf bis sieben Prozent steigende Verbraucherpreise werden erwartet.
Überall leuchten weiße LEDs
Manche Entwicklung aus den Vorjahren setzt sich bruchlos auf immer breiterer Linie fort: Frauen als eine lohnende Zielgruppe bekommen im Schlafsack nun auch bei Coleman mehr Bewegungsfreiheit um die Hüften herum; auf die Hülle werden florale Muster gedruckt oder gestickt wie bei Lestra mit gleichfarbigem, schmuseweichen Fleece in der Kapuze und Durchgriffen, die man als im Bett lesender Mann auch gern hätte. Und Salewa heizt einen Fußsack mit der gleichen elektrischen Technik zeitgesteuert auf, die sich beim Trocknen von Skischuhen bewährt hat.
Überall leuchten weiße LEDs, nicht nur in Taschen- und Stirnlampen, sondern zunehmend auch in Campinglaternen, wobei Spiegel und kegelförmige Diffusoren für weiches Rundumlicht sorgen. Ein Lämpchen am Stirnband, das wirklich in die Hemdentasche passt, bringt Sigma Sport. Und Black Diamond kassierte mit der auf kleinstes Format zusammenschiebbaren Laterne Orbit einen Industrie-Preis.
Neuheiten, auf die man längst hätte kommen können
Doch die Teelicht-Lämpchen bleiben uns genauso erhalten wie die großen Leuchten oder der konkurrenzlos schlichte Esbit-Kocher neben dem amerikanischen Jetboil-System: In seinem Zweilitertopf mit dem angearbeiteten Zackenkranz des Wärmetauschers hat alles unter hitzeunempfindlichen Abdeckungen zusammen Platz vom Windschutz und Brenner bis zur Kartusche. Apropos, Kartusche: Coleman lanciert das Emea-System mit reinem Propangas für alle, die auch bei niedrigeren Temperaturen heizen, Licht machen oder kochen wollen.
Bei nicht wenigen Neuheiten fragt man sich, warum erst jetzt jemand darauf gekommen zu sein scheint: Schirmhersteller Göbel integriert eine herausnehmbare Taschenlampe in den Handgriff eines Schirms. Der kleine, aber für seine Qualität gelobte Zeltanbieter Rejka geht gegen das Kondenswasser in Tunnelzelten an: Reiner Kanzewitsch in Kronach hat einfach einen aufstellbaren Schlitz in die Außenhaut mit einer vom Innenzelt her passenden Grifföffnung kombiniert.
Eine Digitalkamera aus Mittelhessen
Im riesigen Outdoor-Angebot fallen nicht immer so große Dinge auf wie der Divider aus Holland: ein Windschild aus drei unterschiedlich großen Dreiecken, die von einer Zentralstange aus abgespannt werden. Bei Sea to Summit ist es etwa eine kleine, zusammenschiebbare Schippe in Lawinenschaufelqualität, die beim Vergraben auch in härteren Böden nicht versagt. Dass Entsorgung bei uns - im Gegensatz zu anderen Outdoor-Ländern - erst langsam zum Thema wird, belegt ein anderes Accessoire der Australier: ein Trockensack, in den ein Müllbeutel eingeklemmt werden kann, um Abfälle wieder mit nach Hause zu nehmen.
Aus Mittelhessen kommt von Minox - endlich möchte man sagen - eine Digitalkamera, die mechanisch sauber mit jeweils passendem Anschluss an Spektive verschiedener Hersteller passen soll. Damit sollen die eher wackligen Adapter abgelöst werden, mit denen Kompaktkameras hinter die langen Brennweiten vor allem von Vogelbeobachtern bislang geklemmt wurden. Fokussiert wird am Spektiv, das Kameramodul (rund 300 Euro) zeichnet fünf Megapixel große Bilder auf.
F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey