03. Juni 2008 Jeder hat einen. Manche auch zwei oder drei. Große für die Wohnstube, kleine für die Krümel auf dem Tisch und robuste für den groben Dreck in finsteren Kellerecken: Staubsauger. Mehr als 600 unterschiedliche Modelle werden derzeit in Europa angeboten. Hier das richtige Modell auszusuchen ist nicht einfach, unterscheiden sich die Apparate doch nicht nur in Größe und Gewicht. Es gibt Selbstläufer, die man wie einen zahmen Elefanten am Rüssel hinter sich her zieht. Alternativ dazu werden Stielsauger verkauft. Bei ihnen stecken Motor und Staubbeutel am unteren Ende einer langen Griffstange, so dass während der Arbeit das gesamte Gewicht des Saugers ständig ausbalanciert werden muss.
Das zweite große Unterscheidungsmerkmal ist die Motorisierung. Hier fand lange eine wenig seriöse Protzerei um die höchsten Leistungszahlen (gemessen in Watt) statt. Doch im Zuge der Klimadebatte und damit des Bemühens um einen möglichst geringen Stromverbrauch bei Hausgeräten hat man dazugelernt: Die Leistungsaufnahme sagt nur, wie viel Strom aus dem Netz gezogen wird - und bezahlt werden muss. Auch die vorn am Staubrohr gemessene und ebenfalls in Watt angegebene Saugleistung lässt keinen direkten Rückschluss auf die Reinigungskraft zu. Dieser Wert verrät vielmehr, wie viel Kraft die Apparate wegen Reibungs- und Strömungsverlusten unnütz verbraten und in Wärme umsetzen. Und das ist nicht gerade wenig, wie die bis zu 50 Grad warmen Auspuffströme einiger Geräte zeigen.
Reine Definitionssache
Dabei ist alles ganz einfach. Damit ein Staubsauger kraftvoll saugt, muss durch die Staubdüse eine möglichst große Luftmenge strömen und zudem ein ausreichender Unterdruck an der Düse herrschen. Was ausreichend bedeutet, ist schwer zu definieren. Klar ist: Der Ansaugdruck darf nicht zu groß sein, denn dann klebt das Gerät am Boden fest.
Wie Staubsauger arbeiten, zeigen Praxistests, wie sie bei Schauvorführungen zu beobachten sind. Da wird Puderzucker auf den Veloursteppich oder Wattebäusche werden auf Schlingenware geworfen. Die dann erzielten Saugergebnisse mögen zwar vordergründig beeindrucken, doch einen Rückschluss auf die Alltagstauglichkeit des Geräts lassen sie kaum zu. Die ist vom Untergrund abhängig, so dass gute Sauger über unterschiedliche Düsen verfügen und sich zudem ihre Saugkraft verstellen lässt. Immer genau so, wie es der Dielenboden oder der zu reinigende Flokati gerade brauchen.
An den Filtern scheiden sich die Geister
Doch das Staubaufnahmevermögen ist nur eines der Kriterien zum Bewerten eines Staubsaugers. Wichtiger ist das Staubrückhaltevermögen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich der einfache Sachverhalt, dass ein Staubsauger den eingeatmeten Dreck möglichst komplett in seinem Inneren zurückhalten soll. Dafür sind zwar in erster Linie die nach unterschiedlichen Prinzipien arbeitenden Filter verantwortlich. Doch nützt der wirksamste Abscheider nichts, wenn das Gerät nicht gut gekapselt ist und verschmutzte Luft auf dem Weg zum Filter an der Seite ausströmen kann.
Wie sind die unterschiedlichen Filtersysteme zu bewerten? Hier scheiden sich die Geister. Die Auseinandersetzung um die richtige Filtertechnik ist eine Art Glaubenskrieg. Doch auch hier gilt: Der Erfolg hängt von der richtigen Handhabe ab. Und da liegt bei den Beutelsaugern einiges im Argen. Wenn man der Statistik glauben will, tauscht der deutsche Durchschnittshaushalt nur alle drei Monate den Staubbeutel aus. Nach der Devise Da passt noch was rein bleiben die Dinger drin, bis sie fast platzen.
Bakterien und Schimmelpilze in der Tüte
Dabei wird übersehen, dass die Tüten nicht nur Behältnis, sondern auch Filter sind. Und je länger sie im Dienst bleiben, desto größer wird die Gefahr, dass sich Bakterien und Schimmelpilze im eingesaugten Unrat vermehren und durch das Tütenmaterial wachsen. Die Voraussetzungen dafür sind dank vorhandener Wärme und Nahrungsangebots äußerst günstig. Bei jedem Start des Geräts werden dann Sporen abgetrennt und machen sich auf den Weg nach draußen.
Nicht nur aus diesem Grund ist das Gros der Sauger heute mit elektrostatisch geladenen Mikrofiltern ausgerüstet. Diese Vliesfilter halten lungengängige Partikel (0,007 Millimeter und kleiner) weitgehend zurück. Eine noch bessere Abtrennleistung erzielen Hepa-Filter (High Efficiency Particulate Air Filter). Hier handelt es sich um Glasfasermaterial, das dank Zickzackfaltung eine große Oberfläche bei geringer Baugröße hat. Sie fangen kleinste Partikel ein - je nach Güteklasse sogar nur 0,0003 Millimeter messende Teilchen.
Zyklon- und Wassersauger haben ihre Tücken
Dass auch Zyklonsauger mit diesen Polizeifiltern ausgerüstet sind, zeigt die Grenzen der Wirbelwind-Trennung auf. Die ist verblüffend und kann bestaunt werden, sind die Auffangbehälter doch in der Regel transparent. Man bekommt vorgeführt, mit welchen Mengen an Haaren, Flusen und Steinchen man die Wohnung teilt. Doch nicht nur dieses Zurschaustellen des Schmutzes ist nicht jedermanns Sache. Auch das Entleeren des beutellosen Saugers hat seine Tücken. Denn wer den Topf in den Mülleimer ausschüttet, läuft Gefahr, von einer Staubwolke eingenebelt zu werden.
Wer weder Filtertüte noch Zyklon liebt, der kann sich einen Wassersauger kaufen. Bei dieser in Amerika schon vor Jahrzehnten eingeführten Technik wird die Staubluft durch ein Wasserbassin geleitet und gewaschen. Doch auch diese von Allergikern favorisierten Geräte können nur dann ihre Vorteile ausspielen, wenn sie richtig gewartet werden. Auch bei ihnen müssen die nachsorgenden mechanischen Partikelabscheider (Hepa-Filter) regelmäßig getauscht werden. Und das sogar noch sorgfältiger, denn es besteht die Gefahr, dass durch mitgerissene Wassertröpfchen hier schneller unliebsame Kleintiere zu wachsen beginnen, als einem lieb sein kann.
Vom Weichklopfen und Abbürsten - die Geschichte des Staubsaugers
Lange wurden Teppiche geklopft. Eine üble Schinderei, die zudem den Nachteil hatte, dass man mitten in einer großen Staubwolke stand und zudem die schweren Bodentextilien in den Garten schleppen musste. So war die Motivation groß, sich Mechanismen einfallen zu lassen, die das Teppichreinigen auch innerhalb der Häuser ermöglichten. Erste Apparate waren Kehrmaschinen mit einer über die Laufachse angetriebenen drehbaren Bürste. Damit wurde der Staub vom Teppich gefegt - oder bei schnelllaufenden Bürsten zum Teil auch geblasen. Das Verdienst, dieses Funktionsprinzip umgekehrt und aus einem Staubbläser einen Staubsauger gemacht zu haben, wird dem britischen Ingenieur Cecil Booth zugesprochen: Er hat 1901 einen Vacuum Cleaner zum Patent angemeldet und wäre bei der Demonstration seines Prinzips - als er Krümel von der Lehne eines Sofas saugte -, fast erstickt. Die ersten im harten Alltagsgeschäft eingesetzten Staubsauger füllten noch die Ladeflächen von Fuhrwerken. Sie arbeiteten nicht mit Gebläsen, sondern bezogen ihre Saugkraft von Pumpen. Das Abtrennen des Schmutzes geschah bei diesen ersten Kommerzsaugern in einem trichterförmigen Behälter, in dem man die seitlich einströmende Luft schnell rotieren ließ. Schwere Teilchen wurden so nach außen gewirbelt und konnten ausgeschleust werden, ein Prinzip (Zyklontechnik), mit dem es James Dyson Jahrzehnte später schaffte, sich als genialer Erfinder hervorzutun. Wenig später wurden tragbare Sauggeräte entwickelt. Den ersten aufrecht stehenden Staubsauger soll 1907 der Amerikaner J. Murray Sprangler gebaut haben: aus einem Besenstiel mit angesetzter Blechdose, einem Mehlsack und einem Motor, der eine Pumpe trieb. Ihm fehlte jedoch das Geld, seine Entwicklung auf den Markt zu bringen. Für eine Monatsrente von 200 Dollar verkaufte er daher sein Patent an den Lederwarenhändler W. H. Hoover, und der machte mit diesem Staubsauger so gute Geschäfte, dass er es zum Multimillionär brachte und sein Name zumindest in Amerika seither als Synonym für Staubsauger steht.
kff.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: Dieter Rüchel