Kaffeemaschine

Aus ihr schießt der beste Espresso

Von Nils Schiffhauer

26. Oktober 2004 Lange waren wir auf der Suche nach dem ultimativen Kick, der uns aus diesem täglichen Nachmittagstief herausholen sollte. Zig Espressomaschinen - eine teurer als die andere - gingen in unserer Küche ein und wieder aus. Das Delikateste, was sie boten, war noch der Gesprächsstoff über wahlweise ihre konstruktiven oder unsere bedientechnischen Unzulänglichkeiten. Da katapultierte uns ausgerechnet in der Jugendherberge Celle Herbergsvater Dusko mit seinem Espresso ganz unvermittelt auf den venezianischen Markusplatz.

In das selige Schmecken nach dem feinen und kaffebohneneigenen Hauch von Bittermandel hinein stellten wir die Frage nach dem apparativen Aufwand, denn zweifelsohne nur ihm schien dieser Genuß zu verdanken. Grinsend kehrte Dusko aus der Küche mit einer dieser zehneckigen Aluminiumkannen zurück, allein deren lächerlicher Preis uns bisher als Garantie für Schund und Tand galt (in verschiedenen Größen für eine bis 14 Tassen, von etwa 5 Euro an im Fachhandel). Das Ergebnis aber überzeugte, gleich wurde ein Kännchen von Pezzetti besorgt und untersucht.

Schlichtweg geniale Konstruktion

Beim Auseinanderschrauben zeigte es sich als eine schlichtweg geniale Kombination aus Form, Funktion und Material, wie sie sonst rund um den Herd absolute Rarität ist. Die Kanne besteht fast ganz aus Aluminium mit der vierfachen Wärmeleitfähigkeit unserer Stahltöpfe. Das untere Behältnis wird bis zum unteren Rand mit Wasser befüllt. Da hinein wird der Filtertrichter gegeben und locker mit grob gemahlenem Espressopulver von gewünschter Provenienz und Röstgrad beschickt. Der obere Teil enthält einen Dichtungsring, den Filterdeckel sowie den Behälter für den fertigen Espresso.

Die Kanne mit eineinhalb Umdrehungen fest wärmeschlüssig zusammenschrauben, auf den Herd - eine Induktionsplatte funktioniert da nicht! - gegeben und ihr Feuer unterm plangedrehten Boden gemacht. Im Unterteil entsteht durch den Wasserdampf Druck, der dank der tief hinabragenden Filtertülle direkt das heiße Wasser durch den Kaffee schickt, das so zum Espresso verwandelt sich in das obere Gefäß ergießt.

Als nächstes kommt der Milchaufschäumer

Nach wenigen Sekunden nimmt man die Kanne am wärmeisolierten Kunststoffgriff vom Herd. Am besten trinkt man diesen Espresso zunächst mit verbundenen Augen, denn da das Wasser beim Bereiten nicht zu heiß ist, löst es zwar kaum adstringierende Bitterstoffe aus dem Kaffee, sondern ausschließlich an- wie aufregende Geschmacksnoten, bietet aber wegen der absolut fehlenden Crema den Anblick einer alle Nervenenden zusammenziehenden Plörre.

Es braucht ein paar Tassen, sich von dieser Konditionierung zu befreien. Oder man bedeckt diesen spiegelschwarzen Tassenteich gnädig mit Milchschaum. Dusko benutzt einen dieser Milchaufschäumer, deren federartiger Quirl den Espresso mit einem unglaublich luftig-feinporigen Schaum von bemerkenswertem Stand zum Capuccino veredelt. Den kaufen wir als nächstes. Sechs Euro sind nicht die Welt. Schon gar nicht, um jemanden mit einem perfekten kleinen Nachmittagsschwarzen beschwingt in den Rest des Tages zu verabschieden.



Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Oktober 2004
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