Von Michael Spehr
29. November 2007 Ein GPS-Empfänger, das muss es jetzt vor Weihnachten unbedingt sein. Aber was soll man kaufen?, fragt der Kollege. Ein Nachrüstsystem fürs Auto oder eine Handy-Navigation? Oder ein Kombigerät, das auch beim Wandern und auf der Radtour funktioniert? Was ist für wen empfehlenswert? Apparate für das Global Positioning System empfangen Signale von Satelliten, welche die Erde umkreisen und ihre sich ändernde Position sowie die genaue Uhrzeit senden. Ist der Kontakt zu mindestens vier der insgesamt mehr als 30 Erdtrabanten hergestellt, kann das Gerät auf der Erde aus der Signallaufzeit die eigene Position und Geschwindigkeit berechnen. Voraussetzung für einen guten GPS-Empfang ist also die Sichtverbindung zum Himmel. In Gebäuden funktioniert das System schlecht, meist nur am Fenster. In den vergangenen fünf Jahren wurden GPS-Empfänger immer kompakter und empfindlicher.
Die kleinsten Einheiten befinden sich direkt auf der Leiterbahn elektronischer Geräte und haben nur noch eine Größe von 4 × 4 Millimeter. In Zukunft wird jedes Oberklasse-Handy mit GPS ausgestattet sein. Die meisten Begehrlichkeiten weckt zweifellos die Fahrzeugnavigation. In der fremden Großstadt wird man sicher und präzise zum Ziel geführt. Das lästige Hantieren mit gedruckten Karten entfällt. Aber muss es gleich das teure System in der Werksausstattung des Autoherstellers sein? Hier gilt folgende Faustregel: Wer den elektronischen Kopiloten oft einsetzt, beispielsweise sich jede Woche mehrfach zu neuen Zielen führen lassen will, sollte den Festeinbau nehmen. Für rund 2000 Euro bekommt man in der Regel eine nahtlose Integration in das Bedienkonzept des Fahrzeugs und damit eine einfachere Handhabung, ferner einen großen Bildschirm und besseren GPS-Empfang dank optimaler Anbringung der Antenne.
Im Tunnel ist Schluss
Die Systeme arbeiten zuverlässiger als solche zur Nachrüstung, und die Sprachansagen kommen laut und klar über die HiFi-Anlage des Fahrzeugs. Nicht zuletzt sind die einzelnen Komponenten vom Hersteller geprüft, und es gibt jahrelang Ersatzteile, falls doch mal etwas kaputtgeht. Mit dem Navi-System ab Werk erhält man meist auch eine etwas bessere HiFi-Anlage und kann gegebenenfalls das CD- oder DVD-Laufwerk für die elektronischen Landkarten zusätzlich im Musikbetrieb nutzen. Soll nur gelegentlich auf den Routenführer zurückgegriffen werden, empfehlen wir an zweiter Stelle einen Kombi mit Radio, CD-Spieler und Navigation für den DIN-Schacht, sofern dieser im Fahrzeug vorhanden ist. Auch hier gilt: einfache Bedienung, solide Unterbringung und exzellente Navi-Qualitäten. Sehr gute Produkte von Markenherstellern wie Blaupunkt, Becker und VDO Dayton sind bereits von 500 Euro an zu haben. Ein Nachrüstsystem für die Windschutzscheibe mit Saugnapfhalterung ist noch günstiger. Hier liegt die untere Grenze bei etwa 200 Euro.
Mittlerweile arbeiten fast alle Apparate der etablierten Hersteller sehr ordentlich, was die Führung während der Fahrt betrifft. Empfehlenswert sind auch hier Blaupunkt, Becker, VDO Dayton, aber auch Navigon oder Tom Tom. Einige Nachteile liegen indes klar auf der Hand: Die wackelige Anbringung vor der Scheibe stört ebenso wie der Kabelsalat für die Stromversorgung. Die Geräte werden mit einem Stift oder Finger bedient, was kompliziert sein kann und jedenfalls nichts für den Fahrer während der Fahrt ist. Im Tunnel stellen sie meist ihren Betrieb ein, und es gibt Probleme bei bedampfter Windschutzscheibe. Also eine Lösung für technikaffine Menschen, die gewillt sind, kleine Kompromisse einzugehen. Zusatzausstattung wie ein MP3-Spieler oder eine Bluetooth-Freisprechanlage fürs Handy kann man sich bei dieser Gerätegattung getrost schenken. Das alles ist nur Schnickschnack.
Die Sache mit dem Akku
Und was ist mit der Handy-Navigation? Auch hier sind einige Hürden zu nehmen. Die Navi-Software muss auf das Gerät aufgespielt werden, sie muss genau zum jeweiligen Handy-Modell passen, und triviale Dinge wie die Zieleingabe können sehr kompliziert sein. Dazu braucht man einen GPS-Empfänger, der entweder eingebaut ist - wie bei vielen neueren Nokias - oder extern als GPS-Maus via Bluetooth angebunden und unter die Frontscheibe gelegt wird. Anschließend verlangt die Software häufig eine Zwangsregistrierung, und was dann am Ende aus den Mini-Lautsprechern des Mobiltelefons quäkt, ist deutlich zu leise. Handy-Navigation kann sehr gut funktionieren. Sie kann einen aber auch überfordern. Ärgerlich sind meist Details: dass man länger als bei allen anderen Systemen auf den GPS-Empfang warten muss und erst dann das Startkommando geben kann, wenn der Kontakt zu den Satelliten hergestellt ist. Also losfahren und nach fünf Minuten Fahrt noch einmal anhalten, um den Routenführer zu aktivieren. Und spätestens nach drei Stunden ist dann Schluss, wenn der GPS-Empfänger im Handy eingebaut ist und den Akku leergesaugt hat.
In diesem Sinne kann eine externe Einheit mit Bluetooth die bessere Lösung sein. Solche Empfänger (ab etwa 50 Euro) halten bis zu zehn Stunden durch, und der Handy-Akku wird nicht belastet. Auch für Freizeit und Sport sind die Handy-Systeme dienlich. Sie eignen sich ferner als Orientierungshilfe für den Fußgänger in der Großstadt und weisen den Weg zur nächsten Pizzeria. Bei Nokia lässt sich der Sports Tracker kostenlos laden, ein nettes Programm, das beim Joggen die zurückgelegte Route aufzeichnet. Wer in dieser Hinsicht für Wanderungen und andere Outdoor-Aktivitäten mehr will, findet bei Garmin GPS-Empfänger für alle nur denkbaren Einsatzzwecke, sei es für den Segler und Wassersportler oder den Bergsteiger in der Form eines größeren Armbands oder einer Uhr. Der Akku dieser Outdoor-Produkte hält deutlich länger als zehn Stunden, bei einigen sind es sogar mehr als 20 Stunden. Schweißtreibende Tätigkeiten oder Regen bereiten dank robuster, teilweise wasserdichter Gehäuse keine Probleme.
Der Fortschritt ist rasant
Unterschiede bestehen im Kartenmaterial: Besonders einfache Modelle haben keine oder nur eine Basiskarte eingebaut. Hier orientiert man sich an Wegpunkten, die der Empfänger automatisch setzt, und an einem Peilkompass. Das Gerät zeigt Richtung und Entfernung zu einem Wegpunkt als Luftlinie an. Touren lassen sich als Track aufzeichnen, und man findet auf diese Weise zurück zum Ausgangspunkt. Etwas teurere Empfänger sind mit topographischen oder Straßenkarten bestückt oder erlauben das Laden solcher Karten in den Gerätespeicher. So sieht man den aktuellen Standort und die Umgebung, hat aber noch keine Straßennavigation mit Abzweigungen und Fahrhinweisen. Diese Funktion ist den Top-Produkten vorbehalten, sie lassen sich dann sowohl für die Radtour wie auch im Auto einsetzen.
Wer GPS will, sollte sich also an erster Stelle Gedanken über den künftigen Einsatz der Technik machen. Wichtig ist die Güte des GPS-Empfangs. Mit einem Sirf-III-Chipsatz macht man nichts verkehrt. Ältere Produkte benötigen mehr Zeit, bis sie den Kontakt zu den Erdtrabanten hergestellt haben, und sie verlieren ihn auch unversehens, wenn man in engen Straßenschluchten der Großstadt oder im Wald unterwegs ist. In diesem Sinne sollte es ein aktuelles Modell sein, denn der Fortschritt in diesem Bereich ist rasant.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.11.2007, Nr. 47 / Seite V12
Bildmaterial: Hersteller, Spehr
