Gillette-Rasierer

Teuer nassgemacht

Von Winand von Petersdorff

Und noch mehr Klingen: fünf statt drei

Und noch mehr Klingen: fünf statt drei

02. Dezember 2008 Schön, wenn man zu einem Erfolg beitragen darf. Der Konzern Procter & Gamble, zu dem inzwischen Gillette gehört, meldet geradezu euphorisch, dass die jüngste Nassrasur-Marke Gillette Fusion mit dem Fünf-Klingen-Kopf einen spektakulären Erfolg verzeichnet.

„Fusion wird mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz in diesem Geschäftsjahr beisteuern. Sie ist damit die 24ste Milliarden-Dollar-Marke für Procter & Gamble und außerdem diejenige, die diese Umsatzgrenze am schnellsten überhaupt erreicht hat.“ Die Politik höherer Preise habe sich bewährt, freut sich das Unternehmen.

Über den Erfolg könnte man sich mitfreuen, wäre man nicht der Betroffene. Gillette schafft es wie kaum ein anderes Unternehmen, mit neuen Produkten couragierte Preissteigerungen durchzusetzen. Mit jedem neuen Modell führt es auch einen neuen Preis ein, der sich gewaschen hat.

Preis-Hüpfer vom Vorgängermodell zu Mach 3

90 Cent kostet der Klingenkopf des alten Modells Contour. 2 Euro bis 2,50 kosten die Mach-3-Klingenköpfe. Für die neuen Fusion-Klingen-Köpfe verlangen die Händler jetzt den stattlichen Preis von 3,50 Euro je Stück. Solche Preissprünge hätte sich Volkswagen für seinen Golf einmal erlauben sollen.

Der Preis-Hüpfer vom Vorgängermodell zu Mach 3 war schon gewaltig, zumal sich Gillette damit endgültig von der Konkurrenz entfernte. Gleichzeitig allerdings empfanden die Kunden und auch die Stiftung Warentest das Rasierergebnis aber so überzeugend, dass sie die Preissteigerungen erst mal hinnahmen.

Nur alle paar Wochen nagte der Ärger am Kunden, wenn er für die Vierer-Packung stattliche 9 Euro bezahlen musste, was ungefähr dem Gegenwert einer guten Pizza Vier Jahreszeiten entspricht. Rasierer anderer Hersteller, die ihre Aufgabe auch erledigten, begnügen sich gelegentlich mit einem Zehntel dieses Entgelts.

Gillette hat die Methode verfeinert

Gillette profitiert von einem Geschäftsmodell, das der Namensgeber und Gründer der Firma, King Gillette, erfunden haben soll oder auch der Ölunternehmer John Rockefeller. Letzterer hatte, so geht die Legende, Chinesen Öllampen geschenkt, um sein Petroleum absetzen zu können. Gillette hat die Methode verfeinert.

Das Unternehmen verschenkt teilweise seine Rasierhalter, um die Klingen verkaufen zu können. Ähnlich läuft es auch mit den elektrischen Zahnbürsten, deren Aufsätze für stattliche Preise nachgekauft werden müssen. Man kauft sich als Kunde in ein System hinein, für das man regelmäßig bezahlen muss.

Die aktuelle Situation für den klassischen Mach-3-nassrasierenden Mann sieht zur Zeit so aus: Er ist zwar mit seiner Rasur zufrieden, nicht aber mit dem hohen Preis der Klingen. Es wundert daher nicht, dass die Mach-3-Rasierer zu den am häufigsten gestohlenen Produkten in Supermärkten gehören. Sie werden jetzt häufig extra eingeschlossen. Doch nun ist die neue Klingengeneration auf dem Markt, Fusion - mit fünf Klingen am Kopf und noch einmal teurer. Sie wird mit gewaltigem Werbedruck in den Markt gepresst und schneidet bei Testergebnissen auch sehr gut ab.

Gutscheine für die neue Klingengeneration

Also findet der Mach-3-Rasierende in seinen Mach-3-Klingen-Packungen Gutscheine für die neue Klingengeneration. All das müsste ihn gar nicht betreffen, wäre da nicht der Eindruck, dass Mach-3-Klingen zugleich mit der Einführung von Fusion verteuert würden. Achter-Packungen über 20 Euro waren früher die Ausnahme. Jetzt sind sie häufiger zu finden. Gillette weist darauf hin, dass der Hersteller dem Handel nur eine unverbindliche Preisempfehlung gebe, die sich nicht verändert habe. Das Einzige, was Gillette verändert hat, ist, dass die Firma jetzt Fünfer-Packungen statt Vierer-Packungen verkauft, was den Preis nach oben bringt.

Eigentlich würde man als Kunde erwarten, dass die alte, technisch überholte Klingengeneration billiger würde. Davon ist allerdings nichts zu spüren. Gillette versichert, das Mach-3-System werde weiter angeboten, wie auch ältere Rasiersysteme. Versuche, die Lebensdauer der Klingen durch Magnetsysteme zu verlängern, funktionieren jedenfalls nicht, hat die Stiftung Warentest ermittelt.

Text: F.A.S.
Bildmaterial: Hersteller

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Seien Sie auch unterwegs bestens informiert mit dem mobilen Nachrichtenservice von FAZ.NET. Weitere Informationen unter www.faz.net/mobil

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche