Schlafphasenwecker

Aufstehen ohne Murren

Von Gerd Gregor Feth

Wachwächter: Schlafphasenwecker aXbo

Wachwächter: Schlafphasenwecker aXbo

30. Januar 2007 Wem passiert das nicht? Der Wecker läutet zwar immer zur gleichen Zeit, aber einmal fühlt man sich nach dem Aufstehen ganz gut, ein anderes Mal eher schlecht. Damit man jeden Tag gutgelaunt beginnen kann, haben kürzlich die beiden österreichischen Entwickler Boris Eis und Axel Ferro einen Wecker namens „aXbo“ vorgestellt, der stets erkennt, wann der Schlafende am besten aufwachen sollte.

Dazu braucht man nur vor dem Einschlafen an seinem inaktiveren Arm (meist ist das der linke) eine in ein Frottee-Schweißband eingepackte Sonde anzulegen, die Bewegungen ermittelt und über Funk an den Wecker überträgt. Um dann zum besten Zeitpunkt geweckt zu werden, muss man allerdings akzeptieren, dass das im ungünstigsten Fall eine halbe Stunde zu früh sein kann. Denn 30 Minuten vor der programmierten Zeit ist der Wecker wirklich scharf und weckt einen, sobald er aus den Bewegungen auf einen Leichtschlaf schließen kann.

Verschiedene Schlafphasen

Das Entwicklerteam legte seinem Wecker zugrunde, dass der gesunde Mensch im Schlaf verschiedene Phasen mit unterschiedlichen Bewegungsmustern durchlebt: Nach einer Einschlafphase folgt nach etwa einer halben Stunde der Tiefschlaf, der aber in Rhythmen von gut einer Stunde immer wieder verlassen und vom sogenannten „oberflächlichen Schlaf“, wie sie es nennen, abgelöst wird. Je länger man schläft, umso weniger tief schläft man und umso häufiger und länger werden diese Leichtschlafperioden, bis man schließlich von allein aufwacht. Wer aber zu einer bestimmten Zeit wach werden will, sollte für den Weckruf am besten eine dieser immer wiederkehrenden Halbschlafphasen abpassen.

Dass ihre ursprüngliche Vermutung wissenschaftlich belegt ist, erfuhren die beiden Tüftler in der Zusammenarbeit mit Professor Georg Dorffner, Geschäftsführer der The Siesta Group Schlafanalyse GmbH, die über die wohl größte Normdatenbank mit Schlafprofilen gesunder Probanden verfügen soll. „In einer Studie haben wir nachweisen können, dass ein Zusammenhang zwischen dem Schlafstadium einer Person und ihrer Bewegungstätigkeit im Schlaf besteht“, erklärt Dorffner. Und er ergänzt, dass sich das Stadium, aus dem jemand erwacht, auf das subjektive Befinden auswirken kann.

Sechs verschiedene Melodien zum Aufwachen

Das Geheimnis der beiden Österreicher ist allerdings, aus den vom Handgelenk übertragenen Aktigrafen auf eine bestimmte Schlafphase schließen zu können. Um die Bewegungsstärke zu messen, ist nicht einmal die aufwendige Apparatur eines Schlaflabors nötig, es genügt offenbar ein stromloser Transponder am Handgelenk. Dass es zu funktionieren scheint, hat uns ein gut zweimonatiger Test gezeigt. Immer wenn der Wecker seine durchaus wohlklingenden Laute - sechs verschiedene Melodien sind einstellbar - von sich gab, sprangen wir zwar nicht gleich frohgemut aus dem Bett, hatten aber auch nicht das Bedürfnis, sich jetzt noch einmal umdrehen zu wollen.

Der beliebte Gedanke, jetzt vielleicht noch ein Viertelstündchen träumen zu dürfen, kam uns nicht. Das lag wohl daran, dass wir nicht aus einer Traumphase gerissen worden sind. Selbst der achtjährige Markus, der spätestens gegen 6.30 Uhr aufstehen muss, um seinen Schulbus um sieben zu erreichen, verlässt nach dem neuzeitlichen Weckruf jetzt ohne Murren sein Bett. Dieser elektronische Wecker, den man problemlos auf Reisen mitnehmen kann, ist in ansprechendes Design gekleidet. Seine Stromversorgung übernimmt ein eingebauter Akku; ein Ladegerät wird mitgeliefert.

Ein Quarzwerk ist für die groß angezeigte Digitalzeit verantwortlich; darunter kann die Weckzeit abgelesen werden. Wer sie allerdings bei Dunkelheit wissen will, muss dazu eigens einen Knopf drücken, damit die LCD-Anzeige blau schimmert. Der aXbo ist für 199 Euro in Apotheken zu haben oder übers Internet (www.axbo.com) zu bestellen. Er kann sogar zwei Personen zu unterschiedlichen Zeiten wecken, was auf den ersten Blick durchaus praktisch erscheint. Nur ist ein Weckruf stets für beide zu hören, so dass der andere, der womöglich später wach werden sollte, ebenfalls geweckt wird - und dann gerade in einer dafür vielleicht ungünstigen Traumphase. In diesem Fall wird immer nur einer den Tag glücklich beginnen.

Text: F.A.Z., 30.01.2007, Nr. 25 / Seite T2
Bildmaterial: Hersteller

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