Schifffahrtsmuseum eröffnet

Peter Tamms Torpedoboot in Rechlin

Von Frank Pergande, Rechlin

Gewaltig: Modell der “Wappen von Hamburg III“ vor  “Schwere See im Atlantik“

Gewaltig: Modell der "Wappen von Hamburg III" vor "Schwere See im Atlantik"

25. Juni 2008 In der Hamburger Hafen-City wird an diesem Mittwoch im restaurierten ehemaligen Kaispeicher B das Internationale Maritime Museum eröffnet. Der Bundespräsident kommt und natürlich der Hamburger Bürgermeister. Das neue Museum geht auf die Sammlung von Peter Tamm zurück, dem früheren Vorstandsvorsitzenden des Axel-Springer-Verlages. Die Sammlung ist inzwischen in eine Stiftung übergeführt, der wiederum die Stadt Hamburg für 99 Jahre den für 30 Millionen Euro umgebauten Speicher überlassen hat.

In Jahrzehnten hat Tamm die größte private Sammlung der Welt zur Schifffahrts- und Marinegeschichte zusammengetragen. Bislang war sie an vornehmer Adresse in der Elbchaussee untergebracht. Jetzt wird sie auf zehn Böden in dem Speicher gezeigt. Eines der größten Stücke aus der Sammlung, das auf dem Hof in der Elbchaussee stand, fand jedoch keinen Platz mehr im oder am Kaispeicher: ein knapp zwanzig Meter langes und knapp fünf Meter breites Torpedoschnellboot der DDR-Volksmarine, ein sogenanntes Klein-Torpedo-Schnellboot (KTS). Zur Mitte der siebziger Jahre erhielt die DDR-Armee dreißig solcher Schiffe, die - streng geheim - auf der Schiffswerft in Rechlin an der Müritz und der Peene-Werft in Wolgast gebaut wurden. In Rechlin entstand der Rumpf, in Wolgast kam die Ausrüstung hinzu.

So ein Schiff hätte er gern für seine Sammlung

Vier von den Schnellbooten gibt es heute noch. Sie sind allerdings weder als Schiff noch als Waffe zu gebrauchen. Tamm erwarb eines davon. Nach dem Ende der DDR fuhr er nach Rügen und besuchte den ehemaligen Marinestützpunkt in Dranske-Bug, dem nordwestlichsten Zipfel der Insel. Dort zeigte man ihm auch die KTS. So ein Schiff hätte er gern für seine Sammlung, sagte er damals. „Und prompt kriegte ich eines“, erzählt er heute.

Die Rechliner Werft gibt es nicht mehr, sie ist heute eine Marina. Aber der letzte Werftdirektor Jürgen Krämer wohnt noch im Ort und fuhr zu Tamm, um über das Torpedoschnellboot zu verhandeln. Tamm kam dann selbst nach Rechlin, wo es seit dem Ende der DDR ein Luftfahrttechnisches Museum gibt.

Rechlin war jahrzehntelang militärisches Gelände. Bis in die Zeit der Nationalsozialsten war hier die Erprobungsstelle der Luftwaffe. Später saßen hier DDR- und Sowjetarmee. Die Werft wurde gegründet, vorwiegend um Rettungsboote, überhaupt Rettungsausrüstungen zu bauen. Hin und wieder gab es militärische Aufträge. Die Grenzboote etwa kamen auch von der Müritz. All das ist in dem Museum dokumentiert, das jedes Jahr 15.000 Menschen besuchen. Im Museumsbistro entschied Tamm bei einem Essen: Die Rechliner sollten sein Boot der Volksmarine als Leihgabe bekommen, weil es schließlich hier auch gebaut wurde.

Das größte Rechliner Ausstellungsstück

Das Torpedoschnellboot ist nun das größte Rechliner Ausstellungsstück. Am Montag wurde es mit Hilfe eines Krans vom Hafen auf seinen neuen Standort im Hof des Museums gesetzt, nachdem in den vergangenen Tagen jenes Podest aufgebaut worden war, das auch schon in der Sammlung Tamm das Schiff auf dem Land gehalten hatte. Von Hamburg nach Rechlin war das KTS auf einem Tieflader gebracht worden. In der Marina lag es nur zeitweilig noch einmal im Wasser. Der Transport auf dem Wasserweg wäre zu teuer geworden. Schließlich dürfen solche Schiffe nicht mehr fahren. Sie unterliegen dem Kriegswaffenkontrollgesetz, müssen also kriegsuntüchtig gemacht sein.

Auch ein Torpedo wird in Rechlin gezeigt und ein KTS-Modell, das ein Rechliner gebaut hat. Zudem ist Filmmaterial gefunden worden, das die Produktion des KTS in Rechlin zeigt. Auch das soll demnächst im Museum zu sehen sein. Die drei anderen KTS aus dem Bestand der Volksmarine stehen im Marinemuseum in Wilhelmshaven, im Technischen Museum Dresden und im Marinemuseum auf dem Dänholm in Stralsund.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, Elisabeth Stimming, Internationales Maritimes Museum, picture-alliance/ dpa

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