Tasten oder Schiebeschalter? An dieser Frage scheiden sich die Geister, wenn es um professionelle Diktiergeräte geht. Hersteller Olympus hat nun beides im Programm. Nach dem DS-4000 mit Schiebeschalter (580 Euro, F.A.Z. vom 13. Juli 2004) ist nun das DS-3300 mit Tastatursteuerung im Handel (465 Euro). Der kleine Bruder ist zwar günstiger, bietet aber nahezu dieselbe Ausstattung, hochwertige Anmutung mit Metalleinfassung und ein großes, beleuchtetes Monochromdisplay.
Mit Maßen von 11x5x1,5 Zentimeter und einem Gewicht von 100 Gramm liegt das Gerät prima in der Hand. Der Digitalapparat speichert alles auf einer xD-Picture-Karte, 32 Megabyte passen auf das mitgelieferte Medium, das seitlich in einem Schacht verstaut wird. Das reicht für maximal elf Stunden Aufnahme im standardisierten DSS-Format. An der Oberseite sind die Anschlüsse für ein zweites, externes Mikrofon und Ohrenstöpsel untergebracht, unten steckt man zwei AAA-Batterien ein. Das ist ein erster Unterschied zum DS-4000, das mit einem Akku geliefert wird. Die Docking-Station zum Übertragen der Dateien auf den PC und zum Laden eines Akkus gehört indes auch beim kleinen Modell zur Serienausstattung.
Als Sprachaufzeichner ist das Olympus wunderbar einfach in der Handhabung. Es ist nahezu perfekt auf die Bedürfnisse des Profis zugeschnitten, der keinen Schnickschnack, sondern robuste und präzise Technik für den Dauereinsatz erwartet. Die Ergonomie stimmt, und das große, hintergrundbeleuchtete Display zeigt im Klartext alle Aktionen und Menüs unmißverständlich an. Eine Taste rechts der Anzeige läßt sich vom Olympus-Händler nach den individuellen Anforderungen des Nutzers programmieren. Wie beim DS-4000 kann man die Diktate auf bis zu sieben individuell benennbare Ordner verteilen und mit Etiketten (Autoren- oder Themenkennung) versehen. Neu bei diesem Modell: Es gibt eine eigene Indextaste, um wichtige Passagen schnell zu markieren. Im praktischen Einsatz überzeugen vor allem die Details: etwa die Möglichkeit, zwischen einem Konferenz- und dem Diktiermodus mit hoher und geringer Mikrofonempfindlichkeit umzuschalten. Ferner gibt es eine Anzeige des Aufnahmepegels, die besonders hübsch gestaltet ist. Schließlich signalisiert direkt im Sichtbereich eine rote Leuchtdiode, daß man gerade aufnimmt.
Auf den ersten Blick sind die Unterschiede zwischen der Tastensteuerung dieses Geräts und dem Schiebeschalter des DS-4000 nur eine Frage des persönlichen Geschmacks. Es ist aber doch etwas diffiziler. Mit dem Daumen auf dem Schiebeschalter steuert man vier Operationen: Der geübte Diktierer kann in einem Rutsch vom Rücklauf zum Wiedergabemodus übergehen, an der gewünschten Stelle anhalten und mit der Aufnahme beginnen. Der Daumen liegt dabei dauerhaft auf dem Schiebeschalter und bewegt sich nur in der Vertikalen. Wenn man diese Operation mit dem DS-3300 vollziehen will, muß der Daumen von der Rücklauftaste an der rechten Seite des Geräts zu "Play" auf die Vorderseite springen, dann auf die danebenliegende Stop-Taste drücken und schließlich wieder den Weg auf die rechtsseitige Aufnahmetaste finden. Demgegenüber hat es der Nutzer des DS-4000 etwas einfacher, allerdings nur, wenn er sein Gerät wirklich aus dem Effeff beherrscht. Am besten probiert man beim Fachhändler aus, welches Bedienprinzip einem besser gefällt.
Die mitgelieferte Software für Windows und den Mac überzeugt. Der DSS-Player Pro in der Version 4 ist geradezu ein Universaltalent für die Weiterbearbeitung der Sprachdateien. Sie lassen sich automatisch anhand von Etiketten und Benutzerkennungen, die am Diktiergerät eingestellt wurden, per E-Mail oder FTP verschicken: beispielsweise an die Sekretärin im Haus oder ein externes Schreibbüro. Ganze Befehlsketten sind programmierbar: "Was in Ordner B ist, wird automatisch an Schreibplatz 2 verschickt." Man kann auch umgekehrt von der Software die geschriebenen Dokumente einsammeln lassen und mit den Diktatdateien verknüpfen.
Für die Zusammenarbeit mit der automatischen Spracherkennung Dragon Naturally Speaking ist der DSS-Player Pro ebenfalls gerüstet. Mit einem eigenen Menüsymbol wird das Diktat an die Standardsoftware von Scansoft übergeben und dort verarbeitet. Ein interessantes Detail des DSS-Player Pro ist die in vier Stufen zuschaltbare Nebengeräuschunterdrückung bei der Wiedergabe, die für eine höhere Erkennungsrate bei störendem Umgebungslärm sorgt. Alles in allem ist das DS-3300 etwas günstiger als das Spitzenmodell von Olympus, es ist aber nicht von geringerer Qualität. Mit der Tastenbedienung kommt es den Nutzern entgegen, die sich mit dem Schiebeschalter nicht anfreunden können. Wie beim DS-4000 begeistern Material, Anmutung und Funktionalität.
Text: F.A.Z., 02.08.2005, Nr. 177 / Seite T2
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