Von Michael Spehr und Walter Wille
07. Mai 2008 Noch vor fünf Jahren war es unvorstellbar, dass in einem mit Elektronik bestens ausgestatteten Haushalt gleich drei GPS-Empfänger für das erdumspannende Satellitennetzwerk vorhanden sind. Der erste im Auto, der zweite im Handy und Nummer drei fürs Boot, für Radtouren oder Wanderungen als Orientierungshilfe abseits der Straße. Und nun kommt das Gerät, das alles bietet: Das Geonav G 3 lässt sich in verschiedenen Ausbaustufen für die Routenführung auf der Straße, im Gelände, auf See und sogar in Skigebieten nutzen. Als Topmodell G3 S, das wir ausprobiert haben, hat es zusätzliche Sensoren für Kompass und Barometer und erweitert somit die Möglichkeiten noch. Es ist das Chamäleon unter den Navi-Instrumenten.
Fein verpackt im Handy-Format mit Farbdisplay (240 320 Pixel), bietet der Handapparat eigentlich alles, was man heutzutage braucht oder meint haben zu müssen. Bei den Navionics-Karten stehen zur Wahl: allgemeine Weltkarte oder detaillierte Karte für Straßennavigation, Seegebiete oder – ein Novum – Skifahren, unterschiedliche Kombinationen daraus sowie das Komplettprogramm mit allem auf einem einzigen Chip. 37 Megabyte eingebauter Speicher lassen sich mit einer Secure-Digital-Karte aufstocken, jederzeit lässt sich zwischen einem Fahrzeug- oder Fußgängermodus mit Straßennavigation und dem Outdoor-Betrieb umschalten.
Lediglich vier Tasten und die mittige Vierwegewippe
Erfahrene Segler, denen wir das Geonav zeigten, hielten es erst für ein Mobiltelefon und waren dann fasziniert – wegen des schönen, auch im Sonnenlicht kristallklar anzeigenden Displays, des geringen Gewichts, der intuitiven Handhabung und vor allem der Funktionen, die es im Zusammenspiel mit guten elektronischen Seekarten zu einem feinen, präzisen Helfer beim Navigieren machen. Das kompakte Instrument bietet nicht den Überblick eines großen, teuren, festmontierten Kartenplotters, aber, an einem Bügel montiert, in der Hosentasche, auf dem Cockpittisch, in der Schutzhülle um den Hals gehängt, macht es sich nützlich als mobiles Zweitgerät auf dem Boot oder als Grundausstattung für Charterer und Ergänzung zur Papierseekarte.
Die Liste der Funktionen ist lang – ein Ausschnitt: Ankeralarm, Kartenrotation, Autozoom, Overzoom, Runway“-Fenster, Luftaufnahmen, Satellitenbilder. Der 3-D-Modus wusste uns auf See nicht zu überzeugen, vieles andere schon. Eine gummierte Rückseite des Gehäuses wäre eine sinnvolle Ergänzung, sie könnte ein Herumrutschen im Seegang verhindern. Die Bedienelemente sind nicht beleuchtet, was nicht schlimm ist, denn auch im Dunkeln ist die Handhabung der lediglich vier Tasten und der mittigen Vierwegewippe simpel. Allerdings sind die für eine Bedienung mit Handschuhen zu zierlich geraten.
Penetrant, aber wortkarg
Letzteres gilt natürlich auch im Schnee. Die Skinavigation ist eine echte Besonderheit des Geonav 3. Rund 500 Skigebiete der Alpen sind nach Angaben des Herstellers enthalten: 20.000 Kilometer Skipisten, Lifte und Bergbahnen, 1000 Panoramafotos, Tausende Points of interest“. Man weiß immer, wo man ist, und schaut beim Après-Ski nach, was man tagsüber geleistet hat in Form von Geschwindigkeiten, Höhenprofilen, Entfernungen – eine wunderbare, herrlich überflüssige Spielerei. Schaltet man auf die Routenführung fürs Auto um, präsentiert sich ein neues Menü zur Eingabe von Land, Straße und Ort. Auf unserem Gerät war das Straßennetz von Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz gespeichert, die Zieleingabe mit dem Joystick gelingt flink. Wer bei einem Navigator im Handy-Format daran denkt, ihn unterwegs in der Hemdentasche zu verstauen oder auf den Beifahrersitz zu legen, kommt hier nicht weiter.
Das Geonav hat keine eigene Audioausgabe, hier springt vielmehr die optionale Fahrzeughalterung ein. Ein Knubbel mit Lautsprecher landet im Zigarettenanzünder, und zur Stromversorgung unterwegs muss das Gerät in die Windschutzscheibenhalterung eingesetzt sein. Also ein wenig Kabelgestrüpp im Fahrzeug. Fürs Fahrrad gibt es eine eigene Halterung mit Ohrhörer-Anschluss. Dann geht es endlich los. Aus dem Lautsprecher schnarrt eine Frauenstimme in einer Tonlage, die wir uns gut für ein Navigationssystem im Lada Niva 4 4 auf dem Weg nach Sibirien vorstellen können. Die Dame ist zwar penetrant, aber wortkarg und beschränkt sich auf Links halten“ oder Fahr nach rechts“, selbst bei komplizierteren Manövern.
Noch Potential für Verbesserungen
Die Stimme irritierte mitunter in der Stadt mit nicht eindeutigen Ansagen, während die Anzeige den richtigen Weg wies. Straßennamen und Autobahn-Auffahrten werden nicht angesagt, ebenso spärlich ist die Anzeige auf dem Display: Straßen sind als hauchdünne Linien gezeichnet, ihre Namen sowie Sonderziele nur in größeren Zoom-Stufen abzulesen. Hier gibt es also noch Potential für Verbesserungen. Das Geonav bietet nicht den Komfort der Nachrüstsysteme für die Windschutzscheibe, aber es führt einen meist zuverlässig zum Ziel.
Fazit: Das G3 ist ungemein kompakt, vielseitig und benutzerfreundlich. Nicht so perfekt wie die jeweiligen Spezialgeräte auf ihrem Gebiet, kann es aber vieles ausreichend gut und bringt die Extravaganz der Skinavigation mit. Überdies soll es demnächst durch Software für Wander- und Radfahrnavigation ergänzt werden.
Preise von 475 Euro (mit allgemeiner Weltkarte) bis 987 Euro (je nach Umfang des Kartenmaterials und des Zubehörs). Standardausstattung: Ladegerät, Stromkabel mit Zigarettenanzünderstecker, Tragetasche, Handbuch. Sonderzubehör: Ohrhörer, Fahrradadapter, Saugfußhalterung fürs Auto, Lautsprecher mit Zigarettenanzünderstecker.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Hersteller