Devisenmarkt

Putsch in Thailand: Baht fällt

Dienstag: Panzer in Bangkok

Dienstag: Panzer in Bangkok

19. September 2006 Mit deutlichen Kursverlusten reagiert der thailändische Baht auf Nachrichten über einen Putsch in Thailand. Innerhalb weniger Minuten stieg der Wechselkurs von 37,20 Baht im Tagestief auf 37,45 Baht je Dollar, nachdem Premierminister Thaksin Shinawatra von New York aus den Ausnahmezustand erklärt hatte. Gegen den Euro stieg der Baht von 47,04 auf bis zu 48,11 Baht, bevor er sich wieder etwas erholen konnte.

Die Maßnahme gelte mit sofortiger Wirkung für die Hauptstadt Bangkok, erklärte der Regierungschef im staatlichen Fernsehen Kanal 9. Der Armeesender setzte sein normales Programm aus und spielte statt dessen patriotische Lieder. Außerdem gibt es Berichte, nach denen Panzer in die Hauptstadt Bangkok eingefahren seien.

„Thai Reform Council“ will Kontrolle übernommen haben

Inzwischen strahlen nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg die thailändischen Fernsehsender eine schriftliche Verlautbarung aus, nach der ein „Thai Reform Council“ unter Beteiligung der Militär- und Polizeiführer ohne Widerstand die Kontrolle über das Land übernommen haben. Erst vor wenigen Tagen hatte der bisherige Armeechef Sonthi Boonyaratkalin Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch gegen die Regierung zurückgewiesen. Diese Berichte würden gestreut, um das Land zu spalten, hatte er erklärt. Inzwischen ist er von Thaksin entlassen worden.

In den vergangenen Wochen hatte eine Serie von Bombenanschlägen das Land erschüttert. Seit Anfang des Jahres 2004 verzeichnet der Süden Thailands nach Angaben des Auswärtigen Amtes eine Welle von Anschlägen radikaler Angehöriger der muslimischen Bevölkerungsminderheit. Für Thailand müsse daher von einer erhöhten Gefahr terroristischer Attentate ausgegangen werden, heißt es.

Ziel dieser Attentate dürften in erster Linie Einrichtungen der thailändischen Sicherheitskräfte oder allgemein des thailändischen Staates sein. Aber auch beliebte Touristenziele und Urlaubszentren, die Verkehrsinfrastruktur sowie Einkaufszentren können laut der Bundesbehörde davon nicht ausgeschlossen werden.

Weitere Volatilität an den Finanzmärkten des Landes wahrscheinlich

Für Mittwoch waren Massen-Demonstrationen geplant, die den Rücktritt des Premiers zum Ziel hatten. Hintergrund sind die anhaltenden politischen Turbulenzen im Land, die unter anderem dadurch ausgelöst wurden, das Thaksin nach einer vorgezogenen Parlamentswahl mit offensichtlich nicht genehmem Resultat im Februar das Parlament aufgelöst hatte. Seither hatte es immer wieder Proteste gegen ihn gegeben. Sie leiten sich unter anderem auch aus seiner umstrittenen Stellung ab, die er auch aufgrund seiner Aktivitäten in der Privatwirtschaft eingenommen hat. So wird ihm vorgeworfen, eigens für einen beabsichtigtes millionenschweres Aktiengeschäft die Gesetze geändert zu haben.

Aufgrund der unsicheren Lage rechnen Experten in den kommenden Tagen mit weiteren Kursverlusten des Bahts. Egal, wie die Lage sich entwickeln werde, die Währung werde vorerst zur Schwäche neigen, heißt es. Dabei hatte die Währung in den vergangenen Wochen vor allem gegen den Dollar, aber auch gegen den Euro aufwerten können.

Hintergrund dürften unter anderem Überlegungen gewesen sein, nach denen der Aktienmarkt des Landes reizvoll bewertet sei. Berücksichtig man allerdings das nun offensichtlich gewordene politische Risiko, so dürfte sich auch hier die Bewertung relativieren. Das zeigt sich auch am Beispiel der so genannten Credit Default Swaps: Sie sind auf den höchsten Stand seit zwei Jahren gestiegen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bank of New York, Bloomberg, FAZ.NET, picture-alliance/ dpa

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