Nahrungsmittel

Der Milchpreis tendiert nach oben

15. Mai 2007 Die Preisentwicklung im Rohstoffbereich sorgte in den vergangenen Monaten nicht nur für Furore, sondern die Folgewirkungen sind in letzter Konsequenz noch gar nicht absehbar. Denn deutlich gestiegene Preise für Bodenschätze und Energie ziehen direkt und indirekt immer weitere Kreise.

Zusammen mit anderen Faktoren wie deutlichen Unterinvestitionen, dem durch administrative Maßnahmen erreichten Lagerabbau und nicht zuletzt auch mit einer weltweit zunehmenden Nachfrage zeigen sich die Folgen auch am internationalen Milchmarkt. So sind in den vergangenen Monaten vor allem die Preise von Milchpulver deutlich nach oben gegangen. Die westeuropäischen Exportpreise haben sich seit Beginn des vergangenen Jahres mehr als verdoppelt, jener für Butter hat immerhin um 25 Prozent zugelegt.

Unterschiedliche Preisentwicklung in verschiedenen Märkten

Analog dazu hat auch der Terminkontrakt auf Milch an der Chicago Mercantile Exchange seit Mai des vergangenen Jahres in einem kurzfristigen Trend knapp 80 Prozent zugelegt. Dagegen zeigen die Erzeuger- und Molkereiabgabepreise in Europa bisher kaum Dynamik nach oben und bleiben bisher im mittelfristigen Trend nach unten, während sich die entsprechenden Verbraucherpreise zumindest in Deutschland bisher stabil auf einem relativ hohen Niveau hielten.

Allerdings spricht einiges dafür, dass auch hier die Preise bald anziehen werden. Denn erstens befinden sich die Lagerbestände auf historisch tiefen Niveaus. Zweitens hat der zunehmende Abbau von Subventionen in Europa und den Vereinigten Staaten dazu geführt, dass die Produktionsmenge weltweit nicht mit der jährlich um drei Prozent wachsenden Nachfrage mitgewachsen ist. Nach Schätzungen des United States Department of Agriculture (USDA ) legte die Milchproduktion im vergangenen Jahr in den 20 größten Produktionsstaaten um 1,9 Prozent zu und sollte im laufenden Jahr um 2,1 Prozent steigen.

Drittens ist eine schnelle Produktionssteigerung alleine schon wegen der notwendigen Vorlaufzeit unwahrscheinlich. Abgesehen davon sehen sich die Milchproduzenten mit deutlich gestiegenen Inputkosten - Energie, Dünge- und Pflanzenschutzmittel, sowie Futter - und der zunehmenden Flächenkonkurrenz von Seiten hoch subventionierter Energiepflanzern konfrontiert und dürften aus diesem Grund nur zögerlich expandieren wollen. Auf dieser Basis dürften weiter steigende und vor allem auch hoch bleibende Produzentenpreise nötig sein, um mittelfristig zu einer höheren Produktion zu führen. Experten rechnen damit, dass der Milchpreis frühestens in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres ein vorläufiges Hoch erreicht haben wird.

Anlegern bieten sich zumindest selektive Chancen

Ob diese Entwicklung auch den vielfach bedrängten europäischen Milchbauern etwas Erleichterung verschaffen wird, dürfte davon abhängen, ob die noch stark fragmentierten Milchverarbeiter in der Lage und willens sein werden, höhere Milchpreise am Markt durchzusetzen und diese auch weiterzugeben. Ersteres ist nicht einfach, da der stark konzentrierte Handel gegen hält. Das zweite ist nicht sicher, da genossenschaftlich organisierte Unternehmen oft klein sturkturiert sind, schlecht geführt werden und ineffizient arbeiten, während die privatwirtschaftlichen Pendants eher dazu neigen, ihre Gewinne als die Auszahlungspreise bei steigenden Kosten zu halten oder gar zu erhöhen.

In diesem Sinne dürfte es interessanter sein, über den Future an der amerikanischen Terminbörse auf die Entwicklung des Milchpreises oder auf die Zulieferer für die Landwirtschaft zu setzen als auf die Unternehmen im Milchmarkt direkt. Allerdings gibt es Ausnahmen, dazu dürften etwa das französische Unternehmen Bongrain oder auch die in der Mongolei ansässige China Mengniu Dairy Co. zählen. Bongrain profitiert von Sondereffekten, China Mengniu Dairy produziert direkt in einem Markt mit stark wachsender Nachfrage.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET, USDA, ZMP/LEL Schwäbisch Gmünd

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