Währungen

Devisen handeln - so schnell wie die Profis

Von Thomas Schmitt

Auch der Devisenhandel läßt sich mit Spielgeld üben

Auch der Devisenhandel läßt sich mit Spielgeld üben

24. Oktober 2006 Etwa 2.000 Milliarden Dollar jagen Händler am Devisenmarkt um die Welt - jeden Tag. Auf die Sekunde umgerechnet, sind das mehr als 20 Millionen. Kein Finanzmarkt ist so transparent, und nirgendwo sonst können Spekulanten so viel Geld in kurzer Zeit verdienen - wenn sie richtig liegen. Bis vor kurzem war dieser Marktplatz den Profis vorbehalten. Doch nun öffnen Banken und Broker ihn auch für private Anleger.

Die moderne Technik - Computer und Internet - ermöglicht die für Privatanleger neue Form des Devisenhandels. Kleinere Brokerhäuser bieten erfahrenen Anlegern schon ein paar Jahre lang an, Devisen wie ein Profi zu handeln. Neu ist, daß nun auch große Banken wie die Deutsche oder ABN Amro in dieses Geschäft einsteigen. Die großen Häuser wollen so gute Kunden an sich binden.

Oanda setzt viele Trends

Und neu ist auch: Es war noch nie so leicht wie heute, den Handel mit Devisen zu üben und dann mit wenig Geld mal ein bißchen auszuprobieren. Dafür müssen Spekulanten noch nicht einmal zu Hause sitzen und eine eigene Software besitzen. Meistens geht das ganz einfach auch in einem Internetcafé. Wenn die Plattform gut ist, bietet sie alle Informationen, die ein Privatzocker braucht.

Viele Trends in dem Bereich setzt derzeit Oanda (www.oanda.com). Das ist eine Plattform, die von dem Schweizer Richard Olsen maßgeblich mitentwickelt worden ist. Olsen gilt als ausgewiesener Kenner der Devisenmärkte, seit etwa zwei Jahrzehnten erforscht er die Märkte und verblüfft immer wieder mit interessanten Ideen. Erfahrene Händler wie der Hedge-Fonds-Manager Michael Zeller halten Oanda derzeit für das Instrument, das für Neueinsteiger am besten geeignet ist. Aus zwei Gründen: Schon mit einem Euro darf gehandelt werden - und das bei extrem niedrigen Kosten. In der Fachsprache sind damit die Spreads gemeint. Das ist der Unterschied zwischen An- und Verkaufskursen, die ein Plattformbetreiber für eine Währung stellt. An der Differenz verdient er selbst. Je größer sie ist, um so besser für ihn, um so schlechter allerdings für den Kunden.

Immer neue Anlegergenerationen suchen ihr Glück

Oanda bietet oft eine An- und Verkaufsspanne von nur 1,5 Basispunkten (0,015 Prozent). Anderswo bezahlten Devisenzocker dagegen zwei bis sechs Basispunkte, also teilweise das Vierfache, hat Zeller festgestellt. Der Unterschied kann schnell ins Geld gehen, besonders wenn viel gehandelt wird. Wer zum Beispiel im Jahr 250 Mal den Dollar handelt, kommt bei einem Spread von 0,015 Prozent auf Kosten von 3,75 Prozent. Auch dies muß an den Devisenmärkten erst einmal verdient werden. Wer zehn Prozent im Jahr schafft, gilt schon als gut. Denn genauso wie jeder andere Finanzmarkt gibt es bei Dollar & Co. keine Erfolgsgarantie. Im Gegenteil: Viele, die es versuchen, geben nach einer Weile wieder entmutigt auf. Ihr Einsatz ist aufgezehrt, verdient hat am Ende nur der Betreiber der Plattform.

Daß dennoch immer wieder neue Anlegergenerationen ihr Glück in fremden Währungen suchen, liegt an den enormen Gewinnchancen und den immer einfacheren Möglichkeiten, den eigenen Einsatz in die Höhe zu hieven. Damit ist gemeint: Wer 20 Euro setzt, kann damit bei Oanda zum Beispiel ein Kapital von 500 Euro bewegen. Ein Hebel von 25 also. Entsprechend steigen auch die Gewinne überdurchschnittlich. Andere Anbieter offerieren sogar das 100fache oder mehr. Damit steigt aber auch das Verlustrisiko.

Der Profi rät: Zunächst einmal ausgiebig üben

Deshalb raten Profis wie Olsen neuen und unerfahrenen Anlegern strikt davon ab, so riskant zu handeln. Wer es ernst meine, solle zunächst einmal ausgiebig üben, um ein Gefühl für die Märkte zu bekommen. Fast alle Plattformen bieten das an. Sodann sei es wichtig, sich eine eigene Meinung zu bilden und nach dieser zu handeln. Wer nur der Herde folge, werde eher zu den Verlierern zählen. „Nur schlechte Leute geben Tips am Devisenmarkt“, sagt Olsen.

Das größte Problem jedoch sei, daß sich viele neue Trader am Anfang überschätzten. Wichtig sei daher, mit kleinen Einsätzen zu handeln, um nicht pleite zu gehen. „Ein erfolgreicher Devisenhändler braucht sehr viel Disziplin, er darf nicht gierig sein“, sagt Olsen.

Sechs bis sieben Prozent im Jahr sind gut

Diese Aussage bestätigen auch andere Profis. Stefan Bender von der Deutschen Bank hält sechs bis sieben Prozent im Jahr für ein gutes Ergebnis. Das gebe der Markt ohne aktive Strategien her. Sein Institut überlegt, demnächst auch hierzulande privaten Anlegern eine Plattform für eigene Handelsaktivitäten anzubieten. Da können Investoren dann nicht nur Dollar oder Yen, sondern auch Aktien oder Anleihen kaufen und verkaufen. Immer mehr Kunden wünschten sich einen Finanz-Supermarkt, in dem sie je nach Geschmack auswählen könnten.

Diesen Grundgedanken verfolgt seit ein paar Monaten auch ABN Amro. Mit Marketindex sind die Niederländer hierzulande schon weiter als die Deutsche Bank. Die Internetseite www.marketindex.com wird über TV-Spots gerade beworben. Grundlage für Marketindex ist das Handelssystem von Oanda, das weiterentwickelt wurde. Denn ABN Amro will nicht nur Devisengeschäfte über sein System laufen lassen, sondern auch Rohstoffe, Aktienindizes oder Terminkontrakte, erklärt Initiator Robert Lempka.

„Hilfsmittel, die sonst nur Profis haben

„Der Markt für Direkthandel und gehebelte Produkte mit geringen Gebühren wird stark wachsen“, glaubt Lempka. Durch die technische Entwicklung sei nun die Zeit reif dafür - auch wenn es noch ein oder zwei Jahre dauern könnte, bis dieser Trend in Deutschland voll angekommen sei.

In dem neuen Geschäftsfeld rechnen sich die Banken gegenüber kleinen Brokern gute Chancen aus, weil sie bekannter sind. Am Ende würden die Kunden bei vergleichbaren Angeboten auch nach dem Namen gehen. Lempka: „Wir geben privaten Anlegern Hilfsmittel, die sonst nur Profis haben.“

Gewußt wie: Zocken mit dem Dollar

1. Geschäft: Devisen werden von Montag bis Freitag rund um die Uhr gehandelt. Die liquidesten Märkte sind Dollar/Euro und Dollar/Yen. Aber viele andere Kombinationen können ebenfalls gehandelt werden. Achten sollten Anleger auf enge Märkte. Sie haben zwei Nachteile: Sie sind leichter zu bewegen, und der Handel ist teurer.

2. Chance: Mit kleinem Einsatz sind große Gewinne möglich. Innerhalb von Sekunden bewegen sich Währungen mitunter in die eine oder die andere Richtung. Wer dies richtig vorhersagt und rechtzeitig aussteigt, kann sehr schnell viel verdienen.

3. Risiko: Wer seinen Kapitaleinsatz zu stark hebelt, also etwa 1.000 Euro einsetzt, aber damit 100.000 Euro bewegt, kann schnell pleite sein. Denn wenn der Markt in eine andere Richtung läuft als erwartet, muß Eigenkapital nachgeschossen werden.

4. Erfolgsrezept: Lange üben, mit geringem Einsatz beginnen, nicht übermütig werden und Verluste begrenzen.

5. Internetseiten: www.oanda.com, www.marketindex.com, www.fxtrade.com, www.mgforex.com, www.saxobank.com, www.easy-forex.com, www.fxcm.com, www.gftforex.com, www.fxdirekt.de, www.moneytec.com, www.forexforum.net.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.10.2006, Nr. 42 / Seite 57
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa

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