15. Oktober 2007 Die Währungen asiatischer Länder werten derzeit rapide gegenüber dem amerikanische Dollar auf - und zeigen damit einen Trend, den die Vereinigte Staaten und auch europäische Politiker seit langem fordern. Grund ist allerdings nicht Rücksichtnahme der asiatischen Staaten gegenüber westlichen Exporteuren, die eine zu niedrige Bewertung asiatischer Währungen als Wettbewerbsnachteil sehen.
Vielmehr ist es ein pragmatischer Strategieumschwung der asiatischen Zentralbanken, der die Kurse von Yuan, Singapur-Dollar und indischer Rupie anziehen lässt. Die Notenbanker der Region stehen derzeit vor der Aufgabe, Preisanstiegen bei importierten Industrierohstoffen und Agrarprodukten entgegenzuwirken.
Indische Rupie, der Singapur-Dollar und nicht zuletzt auch der Yuan legen gegen den Dollar zu
Vor diesem Hintergrund hat die indische Rupie seit Jahresbeginn zwölf Prozent zum Dollar zugelegt, so stark ging es zuvor über drei Jahrzehnte nicht mehr aufwärts. Der Yuan kletterte 3,9 Prozent und verzeichnete damit den stärksten Kursanstieg seit Ende der Dollar-Bindung 2005. Der Singapur-Dollar hat ein Zehnjahreshoch zum Greenback erreicht, nachdem er den stärksten Monatsgewinn seit 2001 verzeichnet hatte.
Steigende Weltmarktpreise für Kohle, Eisenerz und Weizen haben die Inflation in Asien angeheizt. In China stiegen die Verbraucherpreise im August so stark wie seit 1997 nicht mehr. Die Inflationsrate lag bei 6,5 Prozent. In Singapur erreichte die Teuerung ein Zwölfjahres-Hoch. Die Inflation in Indien ist derzeit so hoch wie zuletzt 2005.
Dabei schlagen die asiatischen Zentralbanken unterschiedliche Wege ein, um ihr Ziel zu erreichen: Indien und China haben die Leitzinsen immer weiter erhöht, damit wollen sie die Kreditvergabe in ihren Ländern und das Wachstum der Geldmenge drosseln. Die Zentralbanken von Singapur, Taiwan und Südkorea schränken ihre Dollar-Käufe ein, mit denen sie bislang die Kurse der Landeswährungen niedrig gehalten und die Exportwirtschaft angekurbelt hatten. Vom Jahr 2001 bis zum Jahr 2006 haben die asiatischen Staaten ihre Devisenreserven um 2,1 Billionen Dollar oder umgerechnet 1,5 Billionen Euro aufgestockt, wie die Unternehmensberatung McKinsey & Co. schätzt.
Die asiatischen Zentralbanken müssten ihre Währungen aufwerten lassen, bevor die Inflation zu stark anzieht, sagt Kenneth Rogoff, Professor für Volkswirtschaft an der Harvard Universität. Allerdings stünden die Notenbanker auch unter erheblichem Druck seitens der Exporteure. Zu starke Landeswährungen würden die einheimischen Produkte im Ausland zu sehr verteuern und damit die Wettbewerbsfähigkeit Asiens im Welthandel einschränken.
Aufwertung dämpft die Inflation und senkt Sterilisierungskosten
Die People's Bank of China hat den Leitzins in diesem Jahr fünfmal angehoben. Die indische Zentralbank erhöhte den Benchmark-Satz innerhalb von zwei Jahren siebenmal. In China wuchs die Geldmenge in den vergangenen drei Monaten um mehr als 18 Prozent. Indien verzeichnet das zweite Jahr in Folge die höchsten Lohnanstiege in Gesamtasien und der Personaldienstleister Hewitt Associates Inc. erwartet für 2007 einen durchschnittlichen Zuwachs um 14,5 Prozent.
Die Aufwertung senke nicht nur die Inflation. Sie mindere auch die Kosten der Notenbanken für die Intervention am Devisenmarkt, erklärt Rajeev De Mello, Leiter des Singapur-Büros des amerikanische Vermögensverwalters Western Asset Management Co. Er erwartet, dass die indische Rupie bis Jahresende weitere fünf Prozent zum Dollar zulegen wird. Der Yuan werde bis Ende 2008 zehn Prozent gegenüber der amerikanische Währung an Wert gewinnen. Derzeit kostet ein amerikanische Dollar rund 7,5 Yuan beziehungsweise 39 indische Rupien oder 1,46 Singapur-Dollar.
Die Länder haben mehr Zutrauen zu ihrem Wachstum bekommen, sagt Gabriel de Kock, leitender Devisenökonom bei Citigroup Markets Inc. Das erlaube ihnen, die Kontrolle über die Wechselkurse zu lockern. Da die Aufwertung der Landeswährungen in der Region ein genereller Trend sei, sei dies für die einzelnen Länder auch leichter zu verdauen.
Beim G7-Treffen in Washington in dieser Woche dürften einige der größten Wirtschaftsnationen auf eine gemeinsame Strategie zur Aufwertung der asiatischen Währungen drängen, erwartet Harvard- Professor Rogoff. Neben den Vereinigte Staaten werde sich auch Deutschland in dieser Richtung äußern. Der EU-Währungskommissar Joaquin Almunia erklärte vergangenen Freitag, China sollte den Yuan stärker gegenüber dem Euro aufwerten lassen.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET, FAZ.NET, Daten: Bloomberg, IMF