Agrarrohstoffe

Der Weizenpreis läuft von Rekord zu Rekord

26. Februar 2008 Weizen ist derzeit so teuer wie noch nie. An der Rohstoff-Terminbörse von Chicago erreichte der Preis am Dienstag erstmals die Marke von zwölf Dollar je Scheffel. Die Anleger spekulieren darauf, dass die weltweite Produktion des Getreides nicht mit einer steigenden Nachfrage Schritt halten wird.

Es sei damit zu rechnen, dass die weltweiten Lagerbestände an Weizen in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 30 Jahren sinken werden, hieß es in einer Prognose des amerikanische Landwirtschaftministeriums von Anfang des Monats. Auch die Maisvorräte sind demnach auf den niedrigsten Stand seit 1984 gefallen.

Preise von Agrargütern werden von verschiedenen Faktoren getrieben

Die Preise werden von verschiedenen Faktoren getrieben. Auf der einen Seite haben in den vergangenen Jahren verschiedene Staaten begonnen, trotz einer zweifelhaften Energiebilanz (siehe auch: Ethanol-Boom birgt Risiken für Preisstabilität und Umwelt) die Produktion von alternativen Energien aus agrarischen Rohstoffen zu fördern. Gleichzeitig steigert der zunehmende Wohlstand in den Schwellenländern mit einer hohen Bevölkerung die Nachfrage nach höherwertigen Nahrungsmitteln.

Das führte gemeinsam dazu, dass die Nachfrage ausgerechnet zu einem Zeitpunkt zunahm, an dem die Lagerbestände aufgrund der sozialistisch-planwirtschaftlichen Bewirtschaftung der vergangenen Jahrzehnte in Europa und meteorologischen Sonderentwicklungen in manchen Anbauregionen weitgehend aufgezehrt und die Investitionen in die Produktionsstrukturen vernachlässigt worden waren.

Zum Börsenkurs

Werden die Preise alleine schon aufgrund dieser Konstellation nach oben getrieben, so kommt hinzu, dass international agierende Anleger die im Zuge der anhaltenden Kreditkrise durch die lockere Geldpolitik der Zentralbanken geschaffenen Liquiditätsüberschüsse diversifizierter anlegen als in der Vergangenheit. In diesem Rahmen flossen in den vergangenen Jahren und fließen immer mehr Mittel in den Rohstoffbereich und heizen auf diese Weise den ohnehin schon entfachten Preisauftrieb zusätzlich an.

„Derzeit steigen verstärkt Spekulanten in den Markt ein, da die Weizenlieferungen ungewöhnlich gering ausfallen, und zwar ganz besonders bei der Frühjahrsernte“, sagte Analyst Takaki Shigemoto vom Rohstoffhandelshaus Okachi der Nachrichtenagentur Bloomberg. Zusätzlich fache die ungewöhnlich trockene Witterung im Norden Chinas die Preise an, sagte er. Die Investmentbank UBS hatte das Volumen des in landwirtschaftliche Rohstoffe geflossenen Kapitals in der Woche bis zum 19. Februar auf nahezu 1,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Trends zeigen nach oben - Produktionskosten sind deutlich gestiegen

Gegenwärtig lässt sich kaum prognostizieren, wo die Entwicklung kurzfristig noch hinführen kann. Die Trends zeigen weiterhin nach oben. Sicher ist jedoch, dass eine Zwischenkorrektur alleine schon aus technischen Gründen überfällig zu sein scheint. Sicher ist auch, dass die Preise selbst bei einer mittelfristig zunehmenden Produktion künftig relativ hoch bleiben müssen. Denn längst sind die Produktionskosten in Form von Fläche, Maschinen, Saatgut sowie Dünge- und Pflanzenschutzmitteln massiv gestiegen. Auch auf der Verarbeitungsseite zeigen sich die Folgen: Hersteller und Vermarkter von Lebensmitteln geben die steigenden Kosten in Form höherer Produktpreise an die Konsumenten weiter.

Die hohen Dollarpreise, gerade bei den eiweißreichen Weizensorten, scheinen die Aufkäufer bislang noch nicht abzuschrecken: Die Vereinigten Staaten exportierten von Juli bis Dezember des vergangenen Jahres 20,1 Millionen Tollen Weizen. Das sind 74 Prozent mehr als in derselben Periode des Vorjahres. Das dürfte damit zusammen hängen, dass die Weltweizenproduktion im laufenden Jahr 2007/08 mit 603,8 Millionen Tonnen unter der Gesamtnachfrage von 619 Millionen Tonnen bleiben wird. In diesem Rahmen dürften die Lagerbestände nach Schätzungen der USDA auf 109,7 Millionen Tonnen und damit auf den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1977 sinken.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET

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