13. März 2007 Nach einer Preissteigerung von knapp 240 Prozent vom Mai des Jahres 2003 bis in den August des vergangenen Jahres auf bis zu 78,30 Dollar je Barrel Brent legte der Ölpreis in der zweiten Jahreshälfte eine Korrektur an den Tag und fiel im Januar des laufenden Jahres nach einer Zwischenkonsolidierung bei rund 60 Dollar sogar bis auf 51,70 Dollar zurück.
Auf diesem Niveau verharrte er jedoch nur kurze Zeit und erholte sich in den vergangenen Wochen wieder bis auf 61,64 Dollar am Dienstag. Dieser kurzfristige Aufwärtstrend scheint inzwischen allerdings gebrochen worden zu sein. Allerdings versuchen die Marktteilenehmer offensichtlich, den jüngsten von der International Energy Agency (IEA) vorgelegten Marktbericht für weitere Preisavancen nach oben zu nutzen. Immerhin liegt das Tagesplus bei 1,38 Prozent.
Abwärtstrend der OECD-Lagerbestände ...
Die zunehmend spürbare Produktionsdrosselung der OPEC und kaltes Wetter im Februar in den Vereinigten Staaten hätten dazu geführt, dass sich die Abwärtstrend der OECD-Lagerbestände trotz des relativ warmen Wetters in anderen Regionen fortsetzte, hieß es von Seiten der IEA. Das könnte zur stärksten Lagerbestandsreduzierung seit mehr als zehn Jahren im ersten Quartal eines Jahres führen.
Das Opec-Angebot sei im Februar um 125.000 Barrel pro Tag gefallen, während die Produktion im Irak und in Angola gleichzeitig zugenommen hätten. Für den März deute der Terminmarkt auf eine leichte Zunahme des Angebots hin. Allerdings könne dieser Effekt durch Probleme in Nigeria und die anhaltenden Schwierigkeiten im Irak wieder ausgeglichen werden. In Nigeria könnte die Unsicherheit vor den im April anstehenden Präsidentschaftswahlen noch zunehmen, heißt es weiter. Gleichzeitig dürfte das Angebot von Nicht-Opec-Produzenten um 1,1 Millionen Barrel pro Tag zunehmen. Es käme vor allem aus Russland und aus dem asiatisch-pazifischen Raum.
Auf der Nachfrageseite führte der Kälteeinbruch in Verbindung mit einer robusten Nachfrage aus dem Transportsektor zu einem Nachfrageschub in den Vereinigten Staaten, während sich in Europa, Japan und Korea milde Temperaturen moderierend bemerkbar machten.
Im zweiten Quartal eines Jahres falle die Nachfrage nach Öl traditionell, da in Asien weniger Heizöl benötigt werde. Normalerweise stockten die Raffinerien in dieser Zeit ihre Lagerbestände auf. In anderen Regionen sei dieser Effekt weniger stark ausgeprägt und nehme sogar ab, da die Sommer immer früher begännen und da gleichzeitig Klimaanlagen sich immer weiter verbreiteten. In diesem Zusammenhang könne das mildere Wetter im vergangenen Winter in Form eines heißen Sommers zu einem Gegeneffekt führen.
... bei gleichzeitiger Drosselung der Förderung durch die Opec
Insgesamt sei es nicht einfach, von Januar und den bisher vorliegenden Daten für Februar auf das erste Quartal zu schließen. Allerdings gäben sie einen gewissen Grund zur Sorge. Die Lagerbestände an Benzin und Destillaten befänden sich zwar auf Vorjahresniveau. Allerdings waren diese im vergangenen Jahr die Basis für höhere und deutlich steigende Preise im Sommer. Gleichzeitig sei die Geschwindigkeit, mit der die Rohöl-Lagerbestände entgegen der üblichen Saison abnähmen, bedenklich.
Die bisherigen Signale der Opec deuteten nach Interpretation der IEA auf unveränderte Produktionsziele hin. Das sei wenig überraschend, deuteten sie doch gleichzeitig auf eine Verknappung der Versorgungslage hin als auch auf die Flexibilität, die Produktion notfalls um eine weitere Million Barrel je Tag reduzieren zu können. Faktisch führten sowohl die Trends bei der Lagerbestands- als auch bei der Preisentwicklung dazu, dass in den kommenden Monaten höhere Opec-Exporte notwendig wären.
Auf dieser Basis scheint der Ölpreis bis auf weiteres gut fundiert zu sein. Darauf deuten auch saisonale Komponenten hin. Das würde sich wohl nur ändern, wenn sich das Wirtschaftswachstum in den Verbrauchsländern - vor allem auch in den Vereinigten Staaten - deutlicher abschwächen sollte. Ganz ausgeschlossen scheint das nicht zu sein. Allerdings würde sich das erst verzögert bemerkbar machen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Daten: IEA, FAZ.NET, FAZ.NET, International Energy Agency
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