Devisenmarkt

Australischer Dollar setzt Aufwertungstrend fort

20. Mai 2008 „Den australischen Dollar in seinem Lauf, hält gegenwärtig weder Ochs noch Esel auf“. Der auf diese Weise abgewandelte Spruch eines gewissen Erich Honecker lässt sich gegenwärtig auf die Kursentwicklung der australischen Währung gegen ihr amerikanisches Pendant münzen. Mit Kursen von bis zu 96,17 amerikanischen Cents erreicht sie am Dienstag ein neues Allzeithoch und setzt auf diese Weise den Aufwertungstrend der vergangenen Jahre fort.

Ausgehend von einem Tief bei 48,3 amerikanischen Cents im April des Jahres 2001 hat sich inzwischen der Wert der australischen Währung im Vergleich mit der amerikanischen knapp verdoppelt.

Schwäche der amerikanischen Währung gegen den australischen Boom

Diese Entwicklung lässt sich längerfristig einerseits auf die Schwäche der amerikanischen Währung zurückführen. Andererseits profitierte die australische Währung vom Rohstoffboom der vergangenen Jahre, der die australische Wirtschaft außerordentlich beflügelte. Daneben trugen und tragen jedoch auch spekulative Anleger zur Aufwertung der Währung bei, indem sie niedrig verzinsliche Währungen gegen jene mit hohen Zinsen ausspielen.

Mit einem Drei-Monatszins von 7,79 Prozent und einer Rendite von 6,36 Prozent liegt das nominale Zinsniveau Australiens im internationalen Vergleich weit vorne. Kurzfristig verdichten sich die Hinweise darauf, dass die australische Zentralbank eher zu Zinserhöhungen als zu Zinssenkungen tendiert. Die am Dienstag veröffentlichten “Minutes of May 2008 Monetary Policy Meeting of Reserve Bank Board“ zeigen, dass sich die Mitglieder des Gremiums Anfang längere Zeit mit der Frage beschäftigten, ob sie den Leitzins aufgrund inflationärer Risiken erhöhen sollten.

Seit Mai des Jahres 2006 befindet sich die Zentralbank auf Zinserhöhungskurs, der den Leitzins in sieben Schritten von 5,5 auf zuletzt 7,25 Prozent brachte. Zuletzt waren die Zentralbanker davon ausgegangen, dass sie starke Währung dazu beitragen werde, die wirtschaftliche Entwicklung und damit indirekt den Preisauftrieb im Lande zu dämpfen. In den vergangenen Monaten hat die Inflationsrate in Australien deutlich angezogen. Der Konsumentenpreisindex stieg von 2,4 auf 4,4 Prozent im ersten Quartal des laufenden Jahres.

Wann wirken die Zinserhöhungen und die starke Währung bremsend auf die Wirtschaft?

Der Hauspreisindex war im ersten Quartal auf Jahresbasis um knapp 14 Prozent gestiegen und das Wachstum der Kredite im privaten Sektor lag im März immer noch bei 14,9 Prozent. Der angespannte Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin robust. Das sind hohe Werte. Auf der anderen Seite gehen die Baugenehmigungen zurück und der Australian Construction Index ging im März den zweiten Monate in Folge zurück. Solche Zahlen dürften dazu beigetragen haben, dass die australische Zentralbank den Leitzins zuletzt unverändert ließ.

Sie deuten zumindest in Ansätzen darauf hin, dass die hohen Zinsen und die starke Währung langsam eine dämpfende Wirkung zeigen. Sollten sich diese Anzeichen verdichten, dürfte der australischen Währung die Zinsphantasie ausgehen können. Das gälte vor allem dann, wenn es an den Energie- und Rohstoffmärkten zu einer Korrektur kommen sollte. Noch ist es allerdings nicht so weit. Denn der Aufwertungstrend der australischen Währung ist zumindest gegen den amerikanischen Dollar weiterhin intakt. Gleichzeitig spricht der notorische Optimismus der Anleger dafür, dass sie die so genannten Carry Trades selbst nach Rückschlägen immer wieder neu beleben, zumindest selektiv.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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