Die Nahrungsmitelkrise als Produkt der gnadenlosen kapitalistischen Globalisierung zu bezeichnen, finde ich etwas unglücklich. Der Agrarmarkt ist wohl der einzige Markt, der in den entwickelten Ländern völlig abgeschottet und daher gerade nicht globalisiert ist. Was hat es bitte mit der Globalisierung zu tun, daß Chinesen für Chinesen nun Kühe statt Getreide produzieren? Außerdem bitte ich zwischen, den einzelnen Ländern zu differenzieren. Wer mal mit Afrika als Markt zu tun hatte, weiß, daß es dort himmelweite Unterschiede gibt. Botswana zum Beispiel ist - trotz der schrecklichen AIDS-Krise - ein wirtschaftsliberales Land mit florierender Wirtschaft. In anderen Ländern merken Sie, daß, je stärker der Markt abgeschottet ist, desto schlechter die Wirtschafts- und Versorgungslage ist.
P.S. Der europäische Agrarmarkt ist dazu übrigens ein planwirtschaftliches System. Wie man 1989 eigentlich hätte sehen müssen, kann das nicht funktionieren.
Vieleicht sollte Herr von Petersdorff ersteinmal Afrika und Haiti bereisen, ohne einen Cent in der Tasche und dann versuchen, sich etwas zu essen zu besorgen !!!
Nicht (nur) die Globalisierung frißt ihre schwächsten Kinder, sondern es ist festzustellen (Finanzkrise und die aus ihr resultierenden Folgen - Dominoeffekt), daß der Kapitalismus als solcher bzw. insgesamt seine Kinder frißt.
Es sei angemerkt, daß es ein Deutscher war (Karl Marx), der diese Entwicklung bereits vor rund 150 Jahren in seinen Werken voraussah.
Gratulation zu diesem sehr informativen Artikel! Der einfache Wirtschaftskreislauf funktioniert - auch der Wechsel mit den Nahrungsmitteln.
laut Wikipedia (Stichwort "Welthunger") hat die Zahl der Hungernden zwischen 1990 und 2006 zugenommen. Also in etwa der Periode, die man als "Globalisierung" bezeichnet. Und nun werden es weitere Millionen mehr. Der Rückgang des Hungers in der Welt, von dem im Artikel die Rede ist, fällt also (prozentual) hauptsächlich in die Zeit zwischen 1960 und 1990. Also gerade in die Zeit, wo die "Entwicklungsländer" auf so Sachen wie Importsubstitution und Ähnliches setzten.
Auch die sonstigen Erfolgsmeldungen der Globalisierung sind so eine Sache. Da wo die Globalisierung, verstanden als Öffnung der Märkte, incl. Privatisierung staatlicher Monopole und Abschaffung staatlicher Subventionen, häufig vom IWF erzwungen, durchgesetzt wurde, waren die Folgen oft katastrophal - Lateinamerika, Afrika. In Indien führt diese Politik zwar zu einem höheren BIP, aber Mittelschicht heisst hier drei Mahlzeiten am Tag und die Lage der Kleinbauern hat sich verschlechtert. China hat einen Teufel getan und sich in der genannten Art und Weise geöffnet. Devisenbewirtschaftung, staatliches Finanzwesen, staatliche Planung, Beschränkung der Investitionsfreiheit in hohem Masse. Und nicht die Rede ist auch hier von den "Kosten" (verarmte Landbevölkerung etc.).
Ein Buch wie "Eine Billion Dollar", dessen Realitätsgrad wohl am ehesten noch mit dem eines Fantasy Romans vergleichbar ist, hier als Beispiel für die ungerechte Ausbeutung der Ärmsten durch die Reichen anzuführen halte ich für etwas unglücklich.
Reichtum ist meiner Meinung nach kein Kuchen, der weltweit ungerecht verteilt ist, viel mehr steht Reichtum für die Leistungskraft einer Gesellschaft!
Für die Armut anderer uns zum Hauptverantwortlichen zu erklären halte ich für falsch.
Die Probleme liegen wohl eher innerhalb der Gesellschaft, die so große Armut zulässt.
Wie im Artikel erwähnt hat sich durch das bestehende System der Anteil der Hungernden auf der Welt sogar halbiert!
Ziel sollte es sein diesen Gesellschaften durch Freiheit die Möglichkeit zu geben ihren eigenen Wohlstand zu erreichen. Und das wird langfristig wohl eher durch good governance, als durch FairTrade Produkte der Fall sein.
Unmöglich ist es vor allem, wenn "Unglaublich-Kommentatoren" glauben, sie könnten das Verhalten der weit überwiegenden Mehrheit der Menschen verändern. Wir haben ja wohl überhaupt kein Recht, von Menschen in anderen Erdteilen zu fordern, sie sollten weniger Fleisch essen oder weniger Milch trinken. Und schon gar nicht uns in deren Sexualverhalten einzumischen.
Der einzige Weg aus den steigenden Nahrungsmittelpreisen besteht in einer Erhöhung der Produktion, wie von Petersdorff richtig festgestellt hat. Die Wege dahin hat er auch aufgezeigt.
Wir lesen hier oft die Meinung: Gesund, biologisch, umweltbewusst erzeugt kostet doch nicht viel mehr. Das ist aber nur für uns Mitteleuropäer (und da auch noch nicht einmal für alle) zutreffend. Weltweit gesehen geben die Menschen den grötßten Teil ihres Einkommens für die Ernährung aus. Diese Leute haben gar nicht die Option, für Bio-Lebensmittel auf den neuen Fernseher zu verzichten.
Wie eine Vorkommentatorin schon richtig festgestellt hat: Der einzige Weg in die Zukunft besteht in Forschen, Forschen, Forschen. Leider hat unsere Bundesregierung die Kapazitäten in den vergangenen Jahren drastisch reduziert. Jetzt versucht sie, diesen Fehler mit Geld auszugleichen. Zu spät?
Noch unglaublicher ist dass wir erlauben dass sich die Menschheit wie die Heuschrecken vermehrt. Darin liegt nämlich die Wurzel des Übels.
Solange in Deutschland Agrar- Gartenbau- und Forstwissenschaften als Banalwissenschaften betrachtet werden, die so schnell wie moeglich abgeschafft werden muessen, wird das nichts mit neuer Technologie und neuen Sorten!
Die Preise für Nahrungsmittel steigen, weil die Menschen über mehr Geld verfügen. So einfach ist das und so lapidar kann man es sich "erklären". Dass damit gesagt ist, dass nicht das Bedürfnis zählt, sei es noch so elementar, sondern eben die Zahlungsfähigkeit und damit all jene in die Röhre gucken, die darüber nicht verfügen, ist für einen Marktwirtschaftler kein Problem. Obwohl er ja ansonsten der Auffassung ist, dass Geld dafür sorgt, den Austausch der Güter zu ermöglichen. Dass sich wegen Geld nichts schiebt im Austausch - mögen die Güter auch vorhanden sein bzw. produzierbar - ist nicht Widerlegung sondern selbstverständliche Grundlage dieser Vorstellung.
Nett auch, wie mit der Berichterstattung der FAZ in den letzten Jahren aufgeräumt wird. Auch die FAZ berichtete, dass nicht fehlende Nahrungsmittel das Problem seien, sondern fehlende Einkommen. Natürlich um deshalb die Öffnung der Märkte zu fordern wegen Investitionen. Nachdem dies geschehen ist (dank IWF und WTO) und darüber die lokalen Bauern über, teilweise sogar subventionierte, Importe runiert wurden (kein Wort darüber in den Artikeln) brauchts wieder eine Agrarrevolution. Ob die Hungernden dann auch die hohen Preise genmanipulierter usw. Produkte leisten können?
Natürlich steigt der Wohlstand in bestimmten Gegenden an. Uns Deutschen geht es doch auch immer besser, obwohl oft streikende Lokführer und Postboten nicht diesen Eindruck erwecken.
Aber auf wessen Kosten passiert dies? Warum vermehrt sich z. B. mein Geld, wenn es einfach bei der Bank liegt? Jeder, der sich diese Frage nicht beantworten kann, sollte mal "Eine Billion Dollar" von Andreas Eschbach lesen. Danach dürfe klar sein, dass unser Wohlstand, und auch der wachsende Wohlstand in anderen Gegenden, doch nur auf Kosten anderer zurückzuführen ist. Natürlich spielt auch die Technologie und Entwicklung eine Große Rolle; ohne Dünger und Pestizide würde es heute sicherlich fast allen auf der Welt schlechter gehen.
Aber ein eigentlicher Faktor der Globalisierung ist, dass die reichen Länder, und auch die Länder, die mittlerweile reicher werden, immer öfter die ärmeren ausbeuten. Da sind Beispiele wie Trawler, die an der Küste Afrikas den Fischern die Existenzgrundlage nehmen, oder auch die Ausbeutung der Kaffeebauern nur kleine Wahrheiten. Woran liegt das? Jeder will alles immer günstiger haben. Wer ist heute noch bereit, für seinen Kaffee mehr auszugeben, wenn er damit den fairen Handel unterstützt? Darüber sollte jeder mal nachden
Zitat:"Doch der Weg zurück zu einer Landwirtschaft ohne Dünger und Technologie ist eine Illusion, die nur bioromantische Träumer sich leisten können. Naturbeherrschung durch Technik und Ökonomie sind in der Geschichte verantwortlich für steigenden Wohlstand. So auch jetzt in Asien. Vielleicht werden bald Genmais und Genweizen die Preise drücken und den Hunger lindern? Vielleicht wird es attraktiv, neue und billigere Düngemittel anzubieten?"
Kein Wort von Verseuchung des Grundwassers durch Pestizide; kein Wort darüber, dass Konzerne wie Monsanto Saatgut verkaufen, welches nicht mehr Keimfähig ist und somit Bauern in Abhängigkeit treibt und die Landwirtschaftskultur katastrophal verändert; kein Wort darüber dass immer mehr Felder durch GenSaatgut kontaminiert werden; Kein Wort darüber dass selbst zahlreiche Wissenschaftler fordern, dass wir weg von der Monokultur und Überdungung müssen, weil die Schäden (insbesondere für die Armen, ganz zu schweigen vom Boden überhaupt und der ) lebensbedrohlich sind; kein Wort der Vernunft wodurch ich davon ausgehen muss, dass dieser Winand von Petersdorf nichts weiter als ein Wirtschaftslobbyist ist.
Ein dreifach Hoch auf Winand von Peersdorff und auf die Globalisierung.
Man auch auch sage: Obwohl im Krieg viele Menschen sterben, überleben doch auch viele.
Was ist mit einer "grünen Revolution" eigentlich gemeint?
Soll dieser Planet vielleicht irgendwann unter der Last von 10, 15 oder noch mehr Milliarden Menschen zusammenbrechen?
Schön, dass dieser Artikel ohne Betroffenheits-Journalismus daherkommt. Unschön, dass er in seiner Wirtschafts-Sichtweise den Hungertod als Randerscheinung einer glücklichen Entwicklung akzeptiert.
Verhungernde sind allerdings nicht "mal kurzfristig in den roten Zahlen".
Zwar muß man gerade den Wirtschafts-Ressorts zugute halten, über Entwicklungen im Rohstoff- und Nahrungsmittelbereich in vorausschauender Weise zu berichten - der Hungertod Hunderttausender jedoch wird erst zum Thema, wenn er beginnt einzutreten.
Hier versagt die Presse regelmäßig. Es reicht nicht, absehbare gesellschaftliche Folgen wirtschaftlichen Handelns (und politischen Nicht-Handelns) als Chronist nachzubereiten.