Devisenmarkt

Ökonomen fordern Wechselkursanpassung

04. April 2007 Nur mit einer umfassenden Neubewertung der wichtigsten internationalen Währungen können die sich immer gefährlicher auftürmenden Ungleichgewichte in den globalen Leistungsbilanzen schrittweise abgebaut und schwerwiegende handelspolitische Auseinandersetzungen sowie eine tiefe Rezession der Weltwirtschaft vermieden werden.

Mit dieser Warnung wenden sich das Brüsseler Bruegel-Institut, das Washingtoner Peterson Institute for International Economics und das Korea Institute for International Economic Policy an die verantwortlichen Wirtschaftspolitiker Asiens, der EU, der Vereinigten Staaten, Russlands und der Opec-Staaten.

Zeichen für die wachsende Unruhe der Investoren

Die Wissenschaftler werten die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten als Zeichen für die wachsende Unruhe der Investoren und deren wachsende Zweifel an der Nachhaltigkeit der globalen Finanzsituation. Wenn nicht bald gehandelt werde, könnten die Märkte kippen und die Weltwirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen, sagt Jean Pisani-Ferry vom Bruegel-Institut. Er greift damit die Warnung des ehemaligen amerikanischen Notenbankchefs Alan Greenspan auf, ausländische Investoren seien es bald müde, weiter niedrigverzinsliche Dollar-Anleihen anzuhäufen. Schon beim bevorstehenden Frühjahrstreffen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington sollten die Weichen für eine multilaterale Wechselkursanpassung gestellt werden, fordern die Institute. Ein entsprechendes Abkommen könnte dann beim G-8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm durch die Regierungschefs wichtiger internationaler Volkswirtschaften besiegelt werden.

Die Hauptlast der notwendigen Wechselkursanpassung müssten nach Ansicht der Institute China und Japan tragen. Japan als die wichtigste Wirtschaftsmacht in Asien müsse die Führung übernehmen und mit gutem Beispiel vorangehen. Für China wird eine real effektive Aufwertung des Renminbi zwischen 15 und 25 Prozent gefordert; Japan müsste eine real effektive Aufwertung des Yen zwischen 10 und 15 Prozent zulassen. Im bilateralen Verhältnis zum Dollar würde dies für China eine Aufwertung um bis zu 40 Prozent, für Japan um bis zu 25 Prozent beinhalten. Für den Euro sehen die Wissenschaftler dagegen nur Anpassungsbedarf gegenüber dem Dollar. "Die Politiker des Euro-Raums sollten sich einer Aufwertung gegenüber dem Dollar bis zum Wert von 1,45 bis 1,50 Euro/Dollar nicht widersetzen", rät Pisani-Ferry.

China und Japan sollten Maßnahmen zur Erhöhung des heimischen Konsums ergreifen

Der gewichtete durchschnittliche Euro-Kurs bleibe durch die multilaterale Anpassung weitgehend unverändert, da der Euro gegenüber den asiatischen Währungen an Wert verliere. Zusätzlich zur Wechselkursanpassung müssten sich die Vereinigten Staaten allerdings zu einer Reduzierung des Staatsdefizits verpflichten und die volkswirtschaftliche Sparrate deutlich erhöhen. China und Japan sollten ihrerseits Maßnahmen zur Erhöhung des heimischen Konsums ergreifen. Die notwendigen Anpassungen und Umschichtungen in den Volkswirtschaften seien zwar teilweise mit Opfern verbunden. Die Kosten einer unkontrollierten Anpassung, die über die Märkte erzwungen werde, seien aber weit größer.

Die Forderung der Institute erinnert an das Plaza-Abkommen vom 22. September 1985. Auch damals litt das internationale Finanzsystem unter dem amerikanischen Doppeldefizit von Haushalt und Leistungsbilanz und einem hohen Dollarkurs. Immer mehr Kongressabgeordnete forderten protektionistische Maßnahmen. Allerdings waren sie damals nicht gegen China, sondern gegen Europa und Japan gerichtet. Die durch das Plaza-Abkommen ausgelösten Veränderungen waren so erheblich, dass die fünf führenden Wirtschaftsnationen (G 5) zwei Jahre später im "Louvre-Abkommen" vereinbarten, eine weitere Abwertung des Dollar durch die Stützung ihrer Währungen zu verhindern.

Text: F.A.Z., 04.04.2007, Nr. 80 / Seite 20
Bildmaterial: Bruegel

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