Devisen

Yen-Schwäche - am ausgeprägtesten gegen die Tschechische Krone

22. Juni 2007 Trotzt aller Unkenrufe und trotz allem Gerede über niedrige Risikoprämien erleben die so genannten Carry Trades nach jedem noch so kleinen Korrekturansatz eine Renaissance. Sie werden offensichtlich immer weiter ausgedehnt.

Nirgends wird das deutlicher als an der Tatsache, dass in den vergangenen Wochen immer mehr Banken so genannte „Carry-Trade-Zerftifikate“ auf den Markt gebracht haben oder daran, dass sich im Devisenhandel die Profis inzwischen über „Hausfrauen und Rentner“ beklagen, die mit ihrer Tendenz, aufgrund der tiefen Verzinsung in Japan ihre Ersparnisse auf der Suche nach attraktiveren Anlagemöglichkeiten ins Ausland zu transferieren., den Markt störten.

Yen verliert auf breiter Front an Wert

Da die institutionellen Anleger schon immer genau dazu tendierten und auf diese Weise den Yen unter Abwertungsdruck brachten, wird dieser offensichtlich immer größer. Das zeigt sich daran, dass der Yen in den vergangenen Monaten sogar gegen den systematisch und strukturell geschwächten Dollar und sogar gegen den chinesischen Yuan an Wert verlor. Waren im Januar des Jahres 2001 noch 102,4 Yen nötig gewesen, um einen Dollar zu erwerben, so sind inzwischen dafür 124,12 Yen nötig.

Japan mag sich darüber freuen, verschafft es doch seiner Exportwirtschaft auf diese Weise Wettbewerbsvorteile im internationalen Handel. Die Kehrseite der Medaille zeigt sich jedoch in den so genannten Hochzinsländern wie Neuseeland, Australien oder auch in Brasilien. Denn dort treten gerade die gegenteiligen Effekte auf. Nicht umsonst hat die Zentralbank Neuseelands in den vergangenen Wochen gegen den anhaltenden Aufwertungsdruck interveniert. Denn wie sollen die Unternehmen des Landes sich gegen die internationale Konkurrenz behaupten können, wenn sie von der Währungsseite so starken Gegenwind erhalten?

Ähnliche Phänomene zeigen sich inzwischen auch in Brasilien - auch dort versucht die Zentralbank durch Interventionen und Zinssenkungen gegenzuhalten. Das scheint allerdings wenig zu helfen, so lange die internationalen Anleger ihren hohen Risikoappetit halten und ohne Rücksicht auf Risiken und Verluste überall dort investieren, wo sich zumindest rein optisch interessante Renditen bieten.

Niemand scheint sich daran zu stoßen, dass der Dollar nicht von den angeblich so positiven Daten und von der immer öfter prognostizierten konjunkturellen Erholung zumindest gegen den Euro profitieren kann. Trotz gestiegener und höherer Renditen als in Europa scheint seine Attraktivität nicht groß genug zu sein, um die Anleger von der Diversifikation „weg vom Dollar“ abzuhalten. Und niemand scheint sich zumindest kurzfristig dafür zu interessieren, dass verschiedene Währungen immer stärker von vernünftigen, mit fundamentalen Modellen ableitbaren Wechselkursen abweichen.

Gegen manche Währungen hat er sich in den vergangenen Jahren halbiert

Nirgends wird das deutlicher als an der Tatsache, dass der Neuseeland-Dollar in den vergangenen sieben Jahren vom Tief zum Hoch um 126 Prozent von 42 auf zuletzt 95 Yen gestiegen ist, dass der ungarische Forint von 0,34 auf 0,68 Yen gestiegen ist oder dass der Euro um knapp 90 Prozent von 89 auf zuletzt 166,8 Yen zugelegt hat. Der Yen befindet sich beinahe gegen alles Währungen weltweit in eindeutigen und scheinbar robusten Abwertungstrends, die immer mehr Dynamik zu erhalten scheinen. Beinahe täglich markiert die Währung neue Rekordtiefs.

Gerade angesichts der Trends und vor allem auch angesichts ihrer bisherigen Stabilität dürfte es kaum jemanden verwundern, dass sie immer mehr Anleger anziehen. Je länger sie halten, desto mehr bestätigt sich die Erfahrung, dass solche Trends länger halten können, als erwartet. Ein Effekt, der sich selbst verstärkt. Auf diese Weise werden allerdings die Handels- und Finanzungleichgewichte immer größer. Sie zeigen sich sowohl in den rasant zunehmenden Handelsbilanzüberschüssen in Asien, aber auch in den explodierenden Währungsreserven. Beide sind letztlich darauf zurückzuführen, dass gerade die Währungen in Asien nicht frei handelbar sind oder durch tiefe Zinsen geschwächt werden.

Es fragt sich nur, wann protektionistische Tendenzen diesen Zustand beenden werden. Bis dahin dürfte es sich für den Anleger weiterhin lohnen, wie ein Lemming den Trends zu folgen. Allerdings sollte er die Risiken nicht übersehen und dafür sorgen, dass er am Ende nicht zu jenen gehört, die von der Klippe fallen werden. Wie das genau gehen soll, wird niemand wissen, da alle davon ausgehen, vorher umkehren zu können. Nur eines dürfte sicher sein, vielen wird das nicht gelinden - auch wenn sie fest davon ausgehen mögen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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