Nicht alle Goldanlagen glänzen

07. Januar 2008 kpa. FRANKFURT, 7. Januar. Die Rekordjagd des Goldpreises lockt die Privatanleger. Auch mit Zertifikaten und anderen Derivaten können sie an den Bewegungen der Edelmetallnotierungen teilhaben. Und sie tun dies rege, wie die Umsatzdaten der Stuttgarter Börse zeigen. Investoren sollten die direkten Kosten dieser Anlageform beachten. Zudem können Währungseinflüsse die Erträge erheblich mindern, denn Rohstoffe wie Gold werden in Dollar gehandelt. Die wenigsten Wertpapiere bewegen sich dabei im Gleichlauf mit dem Goldpreis selbst. Dabei sollten Anleger vor allem optimistisch sein: Die meisten Derivate sind für weiter steigende Notierungen gedacht.

Die Feinunze Gold kostete am Montag in London knapp 860 Dollar je Feinunze (rund 31 Gramm). Der Preis lag damit nur leicht unter dem am vergangenen Donnerstag erreichten Rekordhoch von 869 Dollar. Ähnlich teuer war Gold vor 29 Jahren. Damit ist das Edelmetall in den vergangenen zwölf Monaten um ein Drittel im Preis gestiegen. Es gilt als klassisches Investment in unsicheren Zeiten und als Schutz gegen Inflation. Eine lange Tradition hat der Kauf von Goldmünzen und -barren. Nachteil solcher Anlagen in physischem Gold sind die hohen Gebühren beim Kauf und, bei größeren Mengen, die Kosten der Aufbewahrung.

Seit einiger Zeit können Anleger auch über Zertifikate vergleichsweise günstiger in das gelbe Edelmetall investieren. Sie bilden den Goldpreis lediglich nach, das Edelmetall ist der "Basiswert". Hier fallen beim Kauf- und Verkauf Gebühren an, die denen von Aktientransaktionen ähnlich sind. Ein Wertpapierdepot müssen Anleger ebenfalls führen. Was es stets zu beachten gilt, ist die Differenz zwischen dem An- und Verkaufskurs der Gebühren (Spread), der sehr unterschiedlich sein kann. Da jedoch inzwischen viele Banken Goldderivate anbieten, ist dieser Kostenfaktor tendenziell niedriger als früher. Für Goldzertifikate liegt der Spread derzeit in einer Spanne von einem halben bis gut einem Prozentpunkt.

Einen Grund für einen großen Spread kann auch der Basiswert liefern. Die Banken agieren im Hintergrund an den Terminmärkten für Gold und andere Basiswerte, um die Rohstoff-Derivate für die Anleger darstellen zu können. Je illiquider der Handel dort ist, desto größer ist der Spread. Dies zeigt sich am im Vergleich zum Goldhandel deutlich illiquideren Platin-Markt. Der Spread bei einem Platin-Zertifikat der Dresdner Bank (ISIN: DE0006846512) mit endloser Laufzeit beträgt derzeit rund 1,5 Prozent.

Ein normales Anlagezertifikat mit endloser Laufzeit beispielsweise von ABN Amro (ISIN: DE0008593419) funktioniert wie folgt: Das Zertifikat kostet rund 58 Euro und zeichnet den Goldpreis in einem Verhältnis von eins zu zehn nach. Das heißt, das Papier bezieht sich auf ein Zehntel einer Feinunze Gold. Dabei ergibt sich der Zertifikatepreis aus dem in Euro umgerechneten Goldpreis, der aktuell bei gut 580 Euro je Feinunze liegt. Der Anleger profitiert hier nur von weiter steigenden Preisen. Da dieses Zertifikat, wie die meisten anderen, nicht währungsgeschützt ist, macht sich die Dollarschwäche gegenüber dem Euro für europäische Anleger ertragsmindernd bemerkbar. In Euro gerechnet hat Gold auf Jahressicht lediglich 20 Prozent an Wert gewonnen.

Gegen den Einfluss solcher Wechselkursveränderungen können sich Anleger schützen. Zertifikate ohne Währungsrisiko tragen den Zusatz "Quanto". Diesen Schutz gibt es freilich nicht umsonst: Die Absicherungsgebühr bei dem Quanto-Goldprodukt (ISIN: DE000A0AB842) mit endloser Laufzeit von ABN Amro liegt bei 1,7 Prozent jährlich. Diese Gebühr errechnet sich unter anderem aus den Zinsdifferenzen, die sich aus Anlagen in den verschiedenen Währungsräumen ergeben. "Da die Übernacht-Zinsen im Handel zwischen den Banken im Dollar-Raum etwas höher sind als die in Europa, ergeben sich für den Inhaber eines Goldzertifikates negative Zinserträge", erläutert Funda Tarhan, Derivateexpertin von ABN Amro. Weitere Kostenfaktoren seien die Korrelation zwischen Gold und Dollar und die Liquidität im Handel mit dem Edelmetall.

An der Stuttgarter Börse finden Anleger fast 150 verschiedene Goldzertifikate. Allerdings gibt es nur wenige Produkte, die den Goldpreis lediglich eins zu eins nachzeichnen. Die meisten Zertifikate schützen den Anleger zumindest teilweise vor fallenden Goldnotierungen, gleichwohl sind bei vielen Wertpapieren im Gegenzug die Gewinnmöglichkeiten nach oben begrenzt. Diese Papiere heißen Discount- oder Capped-Bonus-Zertifikate. Liegt der Goldpreis zum Laufzeitende über einer vereinbarten Schwelle, dann entgeht dem Anleger der darüberliegende Aufschlag. "Zusätzlich verzichtet er bei diesen Zertifikaten auf Zinserlöse, die die Banken bei der Anlage seines Geldes am Terminmarkt erzielen; sie werden zur Finanzierung der Optionen verwendet", sagt Tarhan. Diese Wertpapiere bewegen sich erst zum Laufzeitende immer ähnlicher zu ihrem Basiswert. Am wenigsten Rendite erbringen in der Regel Garantiezertifikate, die dem Anleger die Rückzahlung seines Geldes zu einem gewissen Prozentsatz garantieren. Diese Zertifikate bieten zwar Schutz gegen Verluste, Anlageprodukte, die bei einem fallenden Goldpreis im Wert steigen, gibt es kaum.

Anleger können auch spekulativ mit sogenannten Hebelpapieren auf die Veränderungen des Goldpreises setzen. Der Hebel bewirkt, dass mit einem nur kleinen Einsatz überdurchschnittliche Gewinne, aber auch Verluste möglich sind. Die Wertpapiere bewegen sich im Kurs stärker als Gold oder andere Basiswerte, auf die sie sich beziehen. Zu dieser Gruppe zählen Optionsscheine und die hochriskanten Knock-out-Papiere, die, falls der zugrundeliegende Wert eine festgelegte Schwelle berührt, fast wertlos verfallen. Auch hier überwiegen die Derivate für positive Marktmeinungen, sie werden "Calls" genannt. Von den aktuell in Stuttgart börsennotierten rund 1600 Scheinen machen sie einen Anteil von etwa 60 Prozent aus. Noch extremer fällt das Verhältnis bei den dort gelisteten 700 Knock-out-Papieren aus: Dreiviertel dieser Wertpapiere setzen auf steigende Kurse. Scheine für die Spekulation auf fallende Kurse heißen "Puts". Ihr Wert steigt, wenn der Goldpreis sinkt, und umgekehrt.

Da Zertifikate und auch die spekulativen Hebelpapiere Schuldverschreibungen der sie begebenden Bank sind, sollten Anleger auf die Bonität der Bank achten. Im Falle einer Bankinsolvenz sind Zertifikate - anders als Fonds, die Sondervermögen der Gesellschaften sind - nicht geschützt. Zudem bilden Zertifikate den Goldpreis nur ab und bieten kein Recht auf die Lieferung des Edelmetalls selbst. Wer Gold doch lieber in den eigenen Händen hält, dem bleiben noch immer die bewährten Goldbarren oder Schmuck. Die ebenfalls günstigeren börsengehandelten Goldfonds verbriefen zumindest das Recht auf die Lieferung von Gold.



Text: F.A.Z., 08.01.2008, Nr. 6 / Seite 21

 
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