02. Juni 2008 An der schlechten Kursentwicklung der britischen Finanzwerte in den vergangenen Wochen und Monaten lässt sich ihre kritische Lage ablesen. Einzelne Papiere wie die von Bradford & Bingley oder auch HBOS mussten auf Sicht eines Jahres Kursverluste von bis zu 77 Prozent verbuchen.
Am Montag führen die Aktien von Alliance & Leicester, HBOS, Lloyds TSB, Barclays, der London Stock Exchange und nicht zuletzt auch der Royal Bank of Scotland die Verlierer im FTSE 100 an.
Die Ratingagentur Moody's veröffentlichte zum Wochenende einen negativen Ausblick für den britischen Bankensektor. Eine sich abschwächende Konjunktur in Kombination mit einem höheren Niveau der privaten Verschuldung, werde zu einem Anstieg der faulen Kredite sowie niedrigeren Kreditvergabevolumen und einer sinkender Rentabilität der Kreditgeber führen. Wegen der anhaltenden Kreditkrise sei zudem bei einigen großen britischen Instituten mit hohen Abschreibungen und bei den kleineren Banken mit Finanzierungsproblemen zu rechnen.
Schwache Konjunkturdaten und neue Sorgen über die Kreditkrise lassen das Pfund wieder schwächeln
Nach einer kurzen Zwischenerholung befindet sich auch das Pfund gegen den Euro wieder in der Defensive. Der Kurs legt um bis zu 1,1 Prozent auf 79,21 Pence zu. In den vergangenen Wochen hatte es zwar so ausgesehen, als ob sich das Pfund nach den massiven Kursverlusten von August des vergangenen Jahres bis zum April des laufenden Jahres würde stabilisieren können.
Nun lassen jedoch schwache Konjunkturdaten und Neuigkeiten vom britischen Hypothekenfinanzierer Bradford & Bingley die Sorgen über die Finanzkrise in Großbritannien wieder aufleben und setzen das Pfund erneut unter Druck.
Der Aktienkurs der britischen Hypothekenbank brach um 25,50 Prozent auf 65 Pence ein, nachdem das Institut eine Gewinnwarnung herausgegeben und einen der weltgrößten Finanzinvestoren ins Boot geholt hat. Der amerikanische Fonds Texas Pacific Group werde einen Anteil von 23 Prozent am Unternehmen erwerben, um die Finanzsituation der Bank zu stärken, teilte das Institut am Montag mit. Allerdings würden beim Verkauf von 23 Prozent der Firmenanteile gegen Einnahmen von 179 Millionen Pfund deutlich weniger erlöst, als ursprünglich geplant. Am Wochenende war Steven Crawshaw , der Chef des Instituts, aus Gesundheitsgründen zurückgetreten.
Skeptische Betrachtung der Währung ratsam
Solche Nachrichten zeigen, in welch prekärer Lage sich die britische Wirtschaft befindet. Hatte der Immobilienboom der vergangenen Jahre für eine positive wirtschaftliche Dynamik gesorgt, so droht nun aufgrund der fallenden Immobilienpreise eine negative Eigendynamik. Die Stimmung ist schlecht. Im April wurden gerade einmal 58.000 neue Hypotheken von den Banken genehmigt. Das ist die geringste Anzahl seit dem Jahr 1993, als begonnen wurde, diese Art von Daten zu erheben.
Die Zentralbanken versuchen zwar, gegen die kritische Entwicklung anzugehen. Allerdings stellt sich die Frage, inwieweit sie sich das angesichts der inflationären Tendenzen in weiten Teilen der Wirtschaft überhaupt leisten können. Grundsätzlich geht der Markt jedoch davon aus, dass sich die Bank of England eher wie die amerikanische Zentralbank verhalten und das Wachstum über die inflationären Gefahren stellen wird. Das hat zu Zinssenkungserwartungen geführt, die wiederum das Pfund in den vergangenen Monaten deutlich geschwächt haben.
Das Pfund mag inzwischen zwar aus technischer Sicht überverkauft aussehen und zu Wetten auf eine Gegenbewegung reizen. Allerdings lässt die fundamentale Entwicklung Großbritanniens eine skeptische Betrachtung der Währung ratsam erscheinen.
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Text: @cri
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