Edelmetalle

Goldpreis - die Nachfrage der Anleger ist entscheidend

14. September 2006 Im Rahmen der allgemeinen Korrektur an den Energie- und Rohstoffmärkten in den vergangenen Wochen hat auch der Goldpreis deutlich nachgegeben. Er fiel von einem Zwischenhoch bei 730,4 Dollar je Unze knapp 20 Prozent auf zuletzt 585,29 Dollar je Feinunze.

Da der Goldpreis mit den jüngsten Kursverlusten auch die 200-Tagelinie unterschritten hat, sieht die technische Lage zunächst nicht sonderlich konstruktiv aus. Auf der anderen Seite war die Kursentwicklung des Goldpreises in den vergangenen Monaten so bis zum Erreichen des jüngsten Hochs so dynamisch, daß der Preis kurzfristig ohne weiteres noch weiter zurückgehen könnte, ohne den im Jahr 2001 etablierten Aufwärtstrend zu gefährden.

Wachstums- und Dollarrisiken

Und dieser Trend scheint ein gewisses Fundament zu haben. Immerhin hat sich der Internationale Währungsfonds in seiner jüngsten Verlautbarung zwar optimistisch über das Wirtschaftswachstum weltweit geäußert. Gleichzeitig hat er allerdings auch auf die bestehenden Risiken hingewiesen. Sie bestehen in den immer größer werdenden Ungleichgewichten, die sich in den vergangenen Tagen wieder in einem Rekorddefizit der amerikanischen Leistungsbilanz einerseits und in Rekordüberschüssen bei den asiatischen Staaten andererseits manifestierten. Eine ausgeprägte Dollarschwäche scheint jederzeit möglich zu sein.

Gleichzeitig haben viele Zentralbanken zwar mit Zinserhöhungen auf die anziehenden Preise reagiert, gleichzeitig jedoch die Expansion der Kreditaggregate nicht ernsthaft eingeschränkt. Das heißt, sie waren und sind eher optisch denn faktisch restriktiv und die Güter- und Kapitalmärkte schwimmen weltweit weiterhin in der reichlich vorhandenen Liquidität. Auf dieser Basis dürfte die Gefahr steigender Preise noch lange nicht gebannt sein.

Aus solchen Gründen dürfte es kaum verwundern, daß viele Analysten weiterhin einen steigenden Goldpreis prognostizieren. So auch jene von GFMS in London. Sie halten es in einem update des Goldsurveys 2006 für möglich, daß der Goldpreis im Rahmen einer Flucht der Anleger in die „Qualität“ bis Ende des Jahres 2006 die Marke von 700 Dollar je Feinunze Gold wird überwinden können.

Geringe Impulse von fundamentaler Seite

Während diese Erwartung von einer schwachen konjunkturellen Entwicklung in Amerika und China und einer dadurch verstärkten Korrektur im Rohstoffbereich gefährdet werden könnte, komme diese Gefahr sicherlich nicht von der Angebotsseite. Die Verkäufe von offizieller Seite würden in der zweiten Jahreshälfte zurückgehen, denken sie und auf diese Weise das leicht zunehmende Minen- und Schrottangebot kompensieren. Auf der anderen Seite sei die Nachfrage aus dem Schmuckbereich relativ schwach. Man könne allenfalls Käufe zur Auffüllung der Lagerbestände bei Preisschwächen unter 600 Dollar je Unze Gold erwarten. Auch die Nachfrage ist dem Produzenten-De-Hedging werde in der zweiten Jahreshälfte geringer ausfallen als in der ersten.

Insgesamt bleibt der Goldpreis eine Wette auf die Nachfrage von Anlegerseite einerseits und Entwicklung im Rohstoffbereich generell. Sollten die Rohstoffpreise im Rahmen einer konjunkturellen Anschwächung weiter nachgeben, dürfte auch der Goldpreis weiterem Korrekturpotential ausgesetzt sein. Sollten die Anleger dagegen wieder unsicherer werden und sich vor einer inflationären Entwicklung - die Zentralbanken sind nicht wirklich restriktiv - oder geopolitischen Risiken absichern wollen, dürfte der Goldpreis wieder anziehen. Vor allem dann, wenn die Fed wider besserem Wissen wieder zu Zinssenkungen tendierte und damit den Dollar gefährdete.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, GFMS Limited, picture-alliance/ dpa

 
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