12. August 2005 Die brasilianische Währung konnte in den vergangenen Monaten sowohl gegen den Euro als auch gegen den Dollar deutliche Kursgewinne verbuchen und einen Aufwärtstrend etablieren. Im Moment scheint er noch nicht ernsthaft gefährdet zu sein. Allerdings gibt es gewisse Unsicherheiten.
Denn am Donnerstag erlebte die brasilianische Währung den größten Kursrutsch seit knapp drei Jahren, auch die Aktien- und Anleihekurse sackten ab. Dahinter stand die Besorgnis der Investoren, daß bei den neuen Vorwürfe in einer Kongreßuntersuchung über Bestechungen auch Mitglieder der Regierung genannt werden und Präsident Luiz Inacio Lula da Silva an Unterstützung im Kongreß verliert.
Finanzwerte verbuchen leichte Kursverluste
Der brasilianische Real brach gegenüber dem Dollar 3,8 Prozent ein. An der brasilianischen Börse rutschte der Bovespa- Index 1,8 Prozent auf 26.633,12 Zähler ab. Die umsatzstärkste Staatsanleihe des Landes mit einem Kupon von elf Prozent und Fälligkeit 2040 gab erstmals seit drei Tagen nach. Der Kurs fiel 0,85 Cent je Dollar Nominalwert auf 118,05.
Duda Mendonca, Lulas Wahlkampfleiter im Jahr 2002, erklärte am Donnerstag, er sei für seine Tätigkeit teilweise mit Geld des Bauunternehmer Marcos Valerio Fenandes de Souza bezahlt worden, dessen Unternehmen staatliche Aufträge ausführt. Der Kongreß hatte Untersuchungen gegen Souza eingeleitet, Souza streitet die Vorwürfe ab. Die Aussage von Mendonca heizte Befürchtungen an, daß die seit zwei Monaten andauernden Untersuchungen die Unterstützung für Lula schwächen und er bei Forderungen der Opposition nach höheren Ausgaben einknicken könnte, erklärte Eduardo Favrin, Fondsmanager bei Fator Administracao de Recursos in Sao Paulo.
Nach der Befragung von Mendonca forderten 24 Parlamentarier aus Lulas Arbeiterpartei die Absetzung von Parteimitgliedern, die vor der Wahl 2002 bei der Finanzierung von Kandidaten involviert waren. Senator Alvaro Dias und andere machten dem Kongreß Druck, ein Amtsenthebungsverfahren gegen Lula zu erwägen. Zum ersten Mal erleben wir, daß die Oppositon sich klar zu einem Amtsenthebungsverfahren äußert. Bisher war ihre Strategie, den Präsidenten zu verschonen, berichtete André Valdevez Castro, Fondsmanager bei SulAmerica Investimentos de Sao Paulo.
Amtsenthebungsverfahren im Gespräch
Nach brasilianischem Recht muß ein Antrag auf Amtsenthebung des Präsidenten vom Präsidenten des Unterhauses genehmigt werden und an das Parlament weitergeleitet werden. Das Parlament muß mit einer Zwei-Drittel Mehrheit zustimmen. Der Senat würde dann über die Vorwürfe befinden, wenn er sie berechtigt ansähe, würde der Präsident seines Amtes enthoben.
Das Schlimmste was passieren kann, ist, daß sie Beweise für Verbindungen zu Lula finden. Dann büßt er nicht nur seine Regierungsfähigkeit ein, sondern es würde auch zu einem Amtsenthebungsverfahren kommen, erklärte Boris Segura, Fondsmanager bei Standish Mellon in Boston. Ansonsten sehe ich keine Gefahr, obwohl die Sache etwas näher an Lula heranrückt. Aber er ist offensichtlich noch weit davon weg. Es erscheint mir eine Überreaktion der brasilianischen Investoren zu sein.
Auf diese Weise zeigt sich der allgemeine Optimismus, mit dem Schwellenländer zur Zeit betrachtet werden, vor allem auch Brasilien. Denn das Land profitiert von der zunehmenden Einbindung in das internationale Wirtschaftsgeschehen, vor allem auch vom Rohstoffboom. Es verbucht interessante Wachstumsraten und konnte aufgrund sinkender Zinsen und eines Exportüberschusses seine noch vor kurzem prekäre Finanzlage deutlich verbessern. Gleichzeitig sind die Unternehmen des Landes im internationalen Vergleich noch günstig bewertet. Das führt vor allem auch zu Interesse aus dem Ausland, welches wiederum die Währung des Landes beflügelt hat.
Sollte der Skandal noch näher an Lula heranrücken, könnte es wohl die Nervosität der Anleger verstärken und die Neigung zu Gewinnmitnahmen erhöhen. Sollte sich jedoch die weltwirtschaftliche Entwicklung und die Stimmung an den Weltbörsen nicht deutlicher eintrüben, dürften Kursrückschläge günstige Kaufgelegenheiten darstellen. Die Restrisiken sollten jedoch dabei immer klar sein.
Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: Bloomberg
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.104,50 $ | −1,12% |
| Silber | 17,29 $ | −0,52% |
| Platin | 1.435,00 $ | −0,42% |
| Palladium | 366,00 $ | −1,08% |
| Rohöl Brent Crude | 73,88 $ | +0,90% |
| Gas | 0,32 £ | +2,86% |
| Kaffee | 1,46 $ | −0,44% |
| Zucker | 0,26 $ | −0,35% |
| Orangensaft | 1,30 $ | +0,89% |
| AMEX GOLD BUGS | 429,64 | +2,13% |
| AMEX OIL | 1.043,97 | +0,18% |
| Rogers International | 21,94 | +0,23% |
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| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
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Aktien-Index18.12.2009 13:00 |
1384,62 | 1346,64 | 1292,33 |
Performance-Index18.12.2009 17:35 |
304,19 | 297,54 | 282,83 |
Euro-Aktien-Index18.12.2009 17:35 |
141,85 | 140,95 | 129,84 |
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