Energie

Öl - freie Förderkapazitäten nehmen ab

10. Juli 2007 Nach einer deutlichen Zwischenkorrektur von 78,30 Dollar im August des vergangenen Jahres bis auf 51,70 Dollar je Barrel im Januar des laufenden Jahres hat sich der Ölpreis wieder auf den Weg nach oben gemacht und in der vergangenen Woche mit 75,72 Dollar je Barrel Brent den höchsten Stand seit knapp einem Jahr erreicht. Das Allzeithoch von 78,43 Dollar aus dem August vergangenen Jahres ist damit in Reichweite gerückt.

Der Weitere Anstieg scheint im gegenwärtigen Umfeld des allgemeinen Wirtschaftsoptimismus nur eine Frage der Zeit zu sein. Er wird zumindest kurzfristig unterlegt durch alle nur denkbaren Nachrichten, die auf eine mögliche Verknappung des Angebotszuwachses bei deutlich zunehmender Nachfrage hindeuten lassen können.

Test der historischen Höchststände denkbar

So werden unter anderen neue Übergriffe in Nigeria genannt- Überraschend deutliche Zuwächse der Lagerbestände in den Vereinigten Staaten hatten dagegen höchsten einen bremsenden Einfluss. Auch die Absage des angedrohten Streiks der brasilianischen Ölarbeiter sorgte nicht für Entspannung.

Angesichts dieses Stimmungsumfeldes sei ein Test der historischen Höchststände in den nächsten Tagen durchaus möglich, vermuten Experten. Ein deutlicher Sprung darüber hinaus benötige jedoch eine nochmals erheblich verschärfte Nachrichtenlage, heißt es. Allerdings lassen saisonale Muster zumindest in den Monaten Juli bis September auf deutlich steigende Preise schließen und können spekulative Anleger zu „Wetten“ darauf verleiten.

Auch mittel- und längerfristig dürfte die Lage nach der jüngsten Analyse der Internationalen Energie-Agentur (IEA) zumindest bei anhaltendem weltwirtschaftlichen Wachstum angespannt bleiben. Denn sie hat ihre Prognose für die Entwicklung der freien Förderkapazitäten der Organisation Erdöl exportierender Länder gesenkt. Wie die Unterorganisation der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Montag in ihrem mittelfristigen Ölmarktbericht mitteilte, rechnet sie für das Jahr 2008 mit freien OPEC-Kapazitäten von täglich 3,69 Millionen Barrel. Das sind 2,07 Millionen Barrel weniger als zuletzt geschätzt. Auch die Prognosen für die Jahre 2009 bis 2012 wurden um rund zwei Millionen Barrel reduziert.

Freie OPEC-Kapazitäten gehen im Trend zurück

Die IEA begründete ihren Schritt mit einer verstärkten Berücksichtigung der zuletzt regelmäßig hohen Förderausfälle, Verzögerungen bei der Erschließung neuer Felder, sowie der konjunkturbedingt starken Ölnachfrage. Die globale Nachfrage wird nach den Berechnungen bis ins Jahr 2012 um 11,25 Prozent auf 95,82 von geschätzten 86,13 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2007 zunehmen. Das Nachfragewachstum läge damit im Schnitt bei 2,2 Prozent jährlich. Basis dieser Prognose ist ein Jahreswachstum der Weltwirtschaft von 4,5 Prozent.

Sollte das Wachstum nur 3,2 Prozent betragen würde sich das Nachfragewachstum auf 1,7 Prozentpunkte pro Jahr verringert. In diesem Falle könne zwar die Angebotskrise verzögert werden, allerdings nicht für lange. Der Zeitpunkt, an dem das Nachfragewachstum das Wachstum der Produktionskapazitäten überschreiten werde, könne gerade einmal um ein Jahr nach hinten verschoben werden, heißt es in dem Bericht.

Auf der anderen Seite dürfte es auf der Produktseite zu einer gewissen Entspannung kommen können. Denn im Raffineriebereich werde deutlich investiert. Das dürfte dazu führen, dass die Nachfrage nach Benzin und Diesel leichter als in der Vergangenheit befriedigt werden kann. So würden die Preisunterschiede zwischen leichten und schweren Ölen abnehmen können. Gleichzeitig könne die Volatilität im zumindest im kommenden Jahr im gesamten Markt zurückgehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Daten: Nymex/Bloomberg; Grafik: FAZ.NET, FAZ.NET, IEA, Monthly Oil Data Service/OECD/IEA, 2007

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