Devisen

Flexibler Yuan würde Asien aufwerten lassen

12. November 2004 Die jüngste, wenn auch bisher nur für wenige Minuten erreichte Rekordmarke von 1,3005 Dollar je Euro wirft den Schatten einer fortgesetzten Dollarschwäche an die Wand. Im Gegensatz zum bisherigen Verlauf, als sie auf Grund der japanischen Interventionen und der festen Bindung des Yuan an den Dollar ausgeprägt gegen den Euro auftrat, könnte sich der Dollar nur stärker gegen die asiatischen Währungen abwerten.

Das hat nicht nur mit dem zunehmenden Widerstand und der vergleichsweise schwachen Wirtschaft in Europa zu tun. Sondern nach der überraschenden Zinserhöhung in den vergangenen Tagen in China deuten immer mehr Anzeichen darauf hin, daß China die Bindung seiner Währung an den Dollar lockern könnte. Das läßt sich aus verschiedenen Äußerungen ablesen. So sagte der Vizepräsident des Nationalen Volkskongresses Cheng Siwe am Donnerstag, China könnte die Währung „in naher“ Zukunft flexibler werden lassen, bevor sie an einen Währungskorb gebunden werde.

Asiatische Währungen zum Teil deutlich unterbewertet

Auch wenn er das eher als Privatperson denn in offizieller Funktion sagte, reagierten die Terminmärkte entsprechend. Es war nicht die erste Äußerung in diese Richtung in den vergangenen Tagen. Die gehäuften Anzeichen veranlassen immer mehr Währungsstrategen, eine Entkoppelung des Yuan vom Dollar zu prognostizieren. Jim O'Neill von Goldman Sachs rechnete schon seit einiger Zeit damit und empfahl, den Dollar gegen einen Korb asiatischer Währungen zu verkaufen. Andere wie Stephen Jen von Morgan Stanley schwenken immer mehr auf seine Linie ein, nachdem sie noch bis vor kurzem eher dollarpositiv gewesen waren.

Allerdings gesteht auch Jen ein, daß der Dollar gegen die Währungen Asiens noch deutlich überbewertet ist. Und der Aufwertungsdruck kommt gleich von zwei Seiten. Erstens wollen viele internationalen Anleger und auf Unternehmens vom vergleichsweise starken Wachstum der Region profitieren und fragen aus diesem Grund diese Währungen für den Kauf von Wertpapiere oder auch für Direktinvestitionen nach. Gleichzeitig erzielen - im Gegensatz zu Europa - vor allem die Länder dieser Region zum Teil massive Überschüsse im Handel mit Amerika, die in einem entsprechenden Dollarangebot münden.

Währungskorb voraussichtlich Dollar- und Asien-zentriert

Insgesamt rechnen immer mehr Marktteilnehmer und Experten damit, daß der chinesische Währung zunächst gegen den Dollar in ein handelsgewichtetes Währungsband „entlassen“ wird. So äußerte sich vor wenigen Tagen auch Professor Barry Eichengreen in einem Interview mit FAZ.NET. In einem entsprechenden Währungskorb dürften nach Berechnungen von Morgan Stanley der Dollar, der Hongkong-Dollar und der malaysische Ringgit 40 Prozent ausmachen, weitere 43 würden auf den Yen, den koreanischen Won, den Singapur-Dollar und den Taiwan-Dollar entfallen, während der „Rest“ aus Währungen wie dem Euro, dem britischen Pfund und dem australischen und dem kanadischen Dollar bestehen würde.

Bei der Freigabe des Yuan dürfte der Markt versuchen, den massiven Druck auszuspielen und den Dollar fallen zu lassen. Allerdings wird die chinesische Zentralbank dagegen massiv intervenieren, um die Aufwertung zu begrenzen. Nicht nur der Yuan dürfte gegen den Dollar aufwerten, sondern auch der Yen. Die stärksten Bewegungen dürften jedoch im Verhältnis zwischen dem Dollar und dem malaysischen Ringgit, dem philippinischen Peso, dem thailändischen Baht, dem Singapur-Dollar, dem taiwanesischen Dollar und dem koreanischen Won in dieser Reihenfolge auftreten.

Da sich die fundamentale Situation dieser Lände im Vergleich mit den neunziger Jahren deutlich verändert hat - Wachstum, Leistungsbilanzüberschüsse, zum Teil stattliche Devisenreserven - dürfte es sich teilweise um eine Umkehrung der damaligen Abwertungen handeln. Diese Entwicklung könnte tendentiell dazu beitragen, den Aufwertungsdruck vom Euro und damit von der europäischen Wirtschaft zu nehmen. Denn mit den überfälligen Währungsanpassungen in Asien werden auch die internationalen Wettbewerbsverhältnisse verändert. Das könnte dazu beitragen, die makroökonomischen Ungleichgewichte im Welthandel zumindest zu dämpfen.

Text: @cri
Bildmaterial: Morgan Stanley

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