14. August 2007 Lange Zeit sah es so aus, als ob die durch die so genannten Carry Trades induzierten Trends abgesehen von kurzfristigen Korrekturen nicht aufzuhalten wären: Euro-Yen lief im Trend immer weiter nach oben und Währungen wie der Neuseeland-, der Kanada- und auch der australische Dollar werteten ebenso stetig auf wie viele Schwellenländerwährungen.
In den vergangenen Tagen jedoch kam es im Rahmen der allgemeinen Kreditkrise zu einer deutlichen Gegenbewegung. Einiges deutet darauf hin, dass sie diesmal nachhaltiger sein wird als die vergangener Korrekturen. Denn aufgrund der Verluste bei einigen Kreditfonds und wegen der gestiegenen Volatilitäten in den Märkten wird Liquidität geschöpft und werden Risiken reduziert. Aus diesem Grund kommt es zu Wertpapierverkäufen, die in dem Sinne irrational sein können, dass sie in erster Linie die gut handelbare Papiere betreffen und nur bedingt jene, die eigentlich riskant sind.
Isländische Krone kam in den vergangenen Tagen kräftig unter die Räder
Auf diese Weise mag sich gegenwärtig die relativ starke Resistenz von Schwellenländerbörsen gegen deutlichere Kursverluste daraus erklären lassen, und weniger weil viele dieser Länder fundamental deutlich besser dastehen als noch Ende der neunziger Jahre. Auf der anderen Seite war offensichtlich das allgemeine Risikoniveau in den vergangenen Monaten deutlich über das hinausgestiegen, was man zuvor in weltweitem Maßstab registrieren konnte.
Unabhängige und kritische Beobachter sprachen von der ersten wirklich globalen Vermögenspreisblase. Sollten sie mit ihrer Einschätzung recht haben und sollten Marktteilnehmer ihren Risikoappetit weiter zurückschrauben, so dürften die Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten noch nicht abgeschlossen sein. Das gilt vor allem für den Währungsbereich. Immerhin sind Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken gemessen an theoretischen Bewertungsmodellen deutlich unter- und andere wie der Neuseeland-Dollar deutlich überbewertet und dürften noch weiteres Korrekturpotential bieten.
Das Risiko der einzelnen Währungen zeigt sich eindrücklich an den Kursbewegungen in den vergangenen Tagen. So hat der Neuseeland-Dollar gegen den amerikanischen Dollar in vier Wochen 6,5 Prozent seines Wertes verloren, gegen den Euro gab er immerhin 5,11 Prozent nach. Noch ausgeprägter waren mit Verlusten von sieben Prozent gegen den Euro und satten 8,42 Prozent gegen den amerikanischen Dollar nur die Kursverluste der isländischen Krone. An ihrem Beispiel zeigt sich am deutlichsten, wie attraktiv die hoch verzinsliche Währung eines kleinen Staates mit der Bevölkerung einer mittleren Großstadt in einem Umfeld mit generell hohem Risikoappetit sein mag, wie schnell jedoch adverse Kursbewegungen den nominalen Zinsvorteil überkompensieren können.
Wann werden japanische Privatanleger zum Risikoabbau gezwungen?
Genau diese Erfahrung dürften inzwischen auch viele japanische Privatanleger gemacht haben, die in den vergangenen Monaten zunehmend dazu übergegangen waren, das tiefe Rendite- und Zinsniveau im Inland zu vermeiden und ihre Gelder im Ausland arbeiten zu lassen. Selbst Rentner und Hausfrauen hatten begonnen, so genannte Margin-Accounts zu öffnen und auf Kredit auf die anhaltende Abwertung des Yen gegen den Euro und andere Währungen zu setzen. Das hat die so genannten Carry Trades erst richtig in Schwung gebracht, nachdem sie zuvor schon von den institutionellen Anlegern umgesetzt worden waren. Nicht selten ist es jedoch so, dass die Party gerade dann vorbei ist, wenn Hausfrauen beginnen, auf diese Weise ihre Haushaltskasse aufzubessern.
Sollten sie von ihren Banken dazu gezwungen werden, ihre Positionen aufzulösen, dürfte der Yen zumindest kurz- und mittelfristig weiter aufwerten. Die Analysten sehen die kritische Marke für einen entsprechenden Auslöser bei einem Wechselkurs von 114 bis 115 Yen je Dollar. Grundsätzlich dürfte jedoch die Neigung der Anleger aufgrund der massiven Liquiditätsinfusionen der Zentralbanken in den vergangenen Tagen groß sein, immer wieder auf die Carry Trades zu setzen. In längerfristiger Sicht sind sie jedoch korrekturbedürftig.
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Text: @cri
Bildmaterial: Calyon/Bloomberg, FAZ.NET