Edelmetalle

Vorsicht bei Münzen und Medaillen

Goldmünze mit “Mehrwert“

Goldmünze mit "Mehrwert"

17. Februar 2006 Der Rohstoff- und Edelmetallboom der vergangenen Monate hat nicht nur die Anleger zunehmend sensibilisiert, sondern auch die Anbieter. Das gilt sowohl für Aktien, Zertifikate, Fonds - und auch für Münzen und Medaillen.

Denn gerade Edelmetalle lassen sich auch in Münzform käuflich erwerben. Zu den bekanntesten Anlagemünzen zählen der südafrikanische Krügerrand, der American Eagle, der chinesische Panda, die australischen Nuggets und das Kangaroo, das kanadische Maple Leaf, der Wiener Philharmoniker, die britische Britannia und nicht zuletzt auch das Schweizer Vreneli.

Umlaufende Münzen haben nur geringen „inneren“ Wert

Dieser “Quarter Eagle“ hat Sammlerwert

Dieser "Quarter Eagle" hat Sammlerwert

Jahrhunderte lang wurden Gold- und Silbermünzen als Zahlungsmittel verwendet, wobei der Materialwert in etwa dem aufgeprägten Nennwert entsprach. In der Vergangenheit stellten Münzen aus diesem Grund für Otto-Normalbürger oftmals eine Möglichkeit dar, das hart erarbeitete und gesparte Geldvermögen vor einer Papiergeldentwertung, die in zyklischer Regelmäßigkeit die Geld- und Kapitalmärkte erschütterte, zu schützen.

Heute ist das natürlich immer noch denkbar, allerdings nicht mit den sich im Umlauf befindenden und täglich benutzten Münzen. Denn ihr Materialwert liegt deutlich unter dem Nominalwert. Sondern heute muß sich der Blick auf jene Münzen richten, deren materieller Wert Substanz hat. Das heißt, sie müssen aus wertvollen Metallen wie Gold, Silber, Platin oder anderen gefertigt sein.

Das ist jedoch nicht alles. Sondern der Preis für so ein „Goldstück“ muß sich - abgesehen von raren Sammlerstücken - am Marktwert des Fertigungsmetalls richten. Das heißt, der Wert einer Goldmünze richtet sich nicht danach, welche Zahl oder welches Wappen darauf abgebildet ist. Er richtet sich alleine danach, wie rein das Metall ist, aus dem die Münze gefertigt ist und wie schwer sie ist. Setzt man diese Größen ins Verhältnis zum Preis, den eine Unze Gold an den internationalen Märkten im Moment kostet, so kann man herausfinden, ob eine Münze den verlangten Preis wert ist oder nicht.

Die Anlagemünzen werden größtenteils in verschiedenen Größen, beispielsweise als 1, 1/2, 1/4, 1/10 Unzen angeboten. Eine Unze (oz) entspricht 31,1035 Gramm. Die Preise der Münzen schwanken täglich und sind vom jeweiligen Edelmetall-Tagespreis, der Handelsspanne des Verkäufers und der jeweiligen landestypischen Mehrwertsteuer abhängig. Theoretisch können Edelmetallmünzen und Barren bei fast jeder Bank ge- und verkauft werden. Ob sie sie gerade vorrätig haben ist eine andere Frage. Preisvergleiche sollten im Vorfeld unbedingt vorgenommen werden, da größere Schwankungen keine Seltenheit darstellen.

Im Zweifel immer am Materialwert orientieren

Angebote, die als„offizielle Gedenkprägungen“, „streng limitiert“, „höchste Prägequalität“, „aus reinstem Silber“ und so weiter angepriesen werden, sollten kritisch betrachtet werden. Denn jedermann kann solche Medaillen herstellen. Entscheidend ist bei solchen Stücken alleine der Materialwert, über den man beim Kauf nach sorgfältiger Überprüfung nicht zu weit hinausgehen sollte. In der Regel haben neue Stücke keinerlei Sammlerwert. Ob sich jemals einer einstellen wird, kann niemand verläßlich prognostizieren.

Abgesehen vom Grundsätzlichen dürfe es ratsam sein, den Kauf von physischem Gold kritisch zu überdenken und zu beschränken. So beruhigend der Gedanke sein mag, in Krisenzeiten ein universell fungibles Zahlungsmittel verfügbar zu haben, so gering war bisher die Eintrittswahrscheinlichkeit. Gleichzeitig verursacht der Ankauf von Gold in physischer Form einen Aufschlag zwischen 2,5 Prozent und mehr als zehn Prozent auf den reinen Materialwert. Bei kleineren Einheiten - also etwa kleinen Goldbarren und Goldmünzen - sind die Aufschläge besonders hoch. Neben dem Problem der Lagerung kommt in Deutschland zumindest bei Schmuck und anderen edelmetallhatligen Gütern noch Mehrwertsteuer hinzu.

Aus diesem Grund können physisch unterlegte Goldzertifikate interessanter sein. Denn sie bilden die Preisentwicklung des Goldes relativ günstig ab und sind zumindest theoretisch auch in das gelbe Metall konvertierbar.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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