25. April 2006 Anleger können angesichts der Kursgewinne der vergangenen Monate nicht klagen. Denn abgesehen von Einzelausnahmen tendierten die meisten Finanzmärkte nach oben. Das gilt sowohl für die Börsen, für Immobilien, Kunstwerke, Rohstoffe und nicht zuletzt auch die Edelmetalle.
Allerdings ließen und lassen sich in den vergangenen Monaten unterschiedliche Preisentwicklungen beobachten. Während beispielsweise Platin schon seit mehreren Jahren im Trend nach oben läuft, konnte Palladium erst in jüngster Zeit wieder steigende Preise verbuchen. Hintergrund dürfte einerseits die robuste und relativ preisunelastische Nachfrage nach Platin von Seiten der Automobilindustrie sein, während Palladium als Substitut nur nach hohen Umstellungskosten denkbar zu sein scheint.
Deutlicher Nachfragerückgang nach Platin aus der Schmuckindustrie
Die Nachfrage aus der Automobilindustrie hat nach einer Analyse von GFMS im vergangenen Jahr um neun Prozent auf 3,85 Millionen Unzen oder umgerechnet knapp 120 Tonnen zugenommen und macht rund die Hälfte der Weltnachfrage aus. Indes ist sie aus dem Schmuckbereich deutlich zurückgegangen. Vor allem in China scheint sich der hohe Preis auf diese Weise bemerkbar zu machen. Konfrontiert mit einer zögerlichen Konsumentennachfrage, sinkenden Margen und intensivem Wettbewerb mit Gold- und Palladiumprodukten ist die chinesische Platinschmuckproduktion im vergangenen Jahr um satte 24 Prozent zurückgegangen. Im Gesamteffekt hat die Gesamtnachfrage nach Platin im vergangenen Jahr auf 7,53 Millionen Unzen nachgegeben.
Ganz anders sieht es dagegen sieht es mit Palladium aus. In diesem Bereich ist die Schmuckproduktion in China im vergangenen Jahr um 23 Prozent gewachsen und dürfte zu entsprechenden Preiseffekten geführt haben. Gleichzeitig hat sich auch die Palladiumnachfrage von Autokatalysatorherstellern stabilisiert und hat gemeinsam mit einer stärkeren Nachfrage nach Münzen die Palladiumnachfrage um etwa sechs Prozent auf 7,83 Millionen Unzen zunehmen lassen.
Überschußnachfrage nach Platin weitgehend abgebaut
Auf der Produktionsseite hat die Platinproduktion im vergangenen Jahr um etwa vier Prozent auf 7,48 Millionen Unzen zugenommen, während die Palladiumproduktion um etwa sechs Prozent auf 7,56 Millionen Unzen zulegte.
Im Endeffekt scheint sich die Überschußnachfrage nach Platin in den vergangenen Jahren im Jahr 2005 weitgehend abgebaut zu haben, da sich Angebot und Nachfrage weitgehend ausglichen. Bei Palladium lag die produzierte Menge im vergangenen Jahr unter der nachgefragten Menge. Allerdings wurde die Lücke durch den Abbau von Lagebeständen, die zu einem Überangebot führten, mehr als ausgefüllt. Dieses scheint im vergangenen Jahr sogar deutlich zugenommen zu haben.
Insgesamt rechnen die Analysten von GFMS im laufenden Jahr sowohl bei Platin als auch bei Palladium im laufenden Jahr auf fundamentaler Basis mit einer Seitwärtsbewegung bei Platin zwischen 980 und 1.250 Dollar je Unze und bei Palladium zwischen 250 und 400 Dollar je Unze. Alles andere dürfte auf spekulative Bewegungen zurückzuführen sein.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: AP, GFMS, GFMS Limited, Quelle: GFMS Limited, The Chart Store, Thechartstore, thechartstore.com