Devisenmarkt

Osteuropäische Währungen zeigen Stärke

29. Oktober 2007 Die tschechische Krone hat in Euro am Freitag einen neuen Rekordstand erreicht. Händler sehen darin nur den vorläufigen Höhepunkt in der wenig beachteten aufstrebenden Kursentwicklung vieler osteuropäischer Währungen. „Es ist eine seltsame Situation. Fast alle reden nur von den Rekordhochs, die der Euro gegenüber dem Dollar im Moment nahezu täglich markiert. Doch mindestens so spektakulär ist, dass sich viele osteuropäische Währungen vom Dollar noch weiter absetzen als der Euro und damit auch gegenüber dem Euro aufwerten“, sagte ein Devisenhändler am Freitag.

Hans Harwig Wild, Währungsanalyst des Bankhauses Metzler, sagt: „Gerade amerikanische Anleger sind seit Wochenbeginn in höherem Maße bereit gewesen, Risiken einzugehen. Wenn sie aus dem schwachen Dollar herausgehen, investieren sie gar nicht erst in Euro, sondern wählen gleich die höheren Renditen, die Anlagen in osteuropäischen Währungen oft aufweisen.“

Nur der Rubel hat verloren

Tatsächlich ist die tschechische Krone mit ihren Rekordniveaus zum Dollar, aber auch zum Euro kein Einzelfall. So erreichte auch der polnische Zloty nach den Parlamentswahlen in Warschau am vergangenen Wochenende in dieser Woche ein Fünf-Jahres-Hoch zum Euro.

Analysten der Raiffeisenzentralbank in Wien halten den jüngsten Aufschwung des Zloty zwar für eine zu euphorische Reaktion der Anleger auf den Sieg der liberalen Bürgerplattform. Doch die mittelfristige Bilanz seit Jahresbeginn zeigt für die Region Osteuropa einen klaren Trend: Die Währungen der Türkei, Polens und der Slowakei haben mit mehr als fünf Prozent gegenüber dem Euro deutlich aufgewertet.

Sonderfall Ungarn

Kursverluste stehen nur für den russischen Rubel zu Buche. Ungarn, dessen Währung Forint sich gegenüber dem Euro stabil zeigt, ist ein Sonderfall in der Region. Die Volkswirtschaft der Magyaren ist nach Ansicht vieler Volkswirte aus den Fugen geraten. Der Leitzins liegt mit 7,5 Prozent so hoch wie in keinem anderen Land der EU. Das Staatsdefizit und das Leistungsbilanzdefizit verringern sich nur langsam. Deshalb kann die Zentralbank in Budapest auch den Leitzins nur langsam senken. Gleichwohl dürfte das Zinsniveau in Ungarn seinen Höhepunkt erreicht haben. Die Analysten von ABN Amro rechnen schon in der kommenden Woche mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte. Es wäre die zweite Leitzinssenkung in diesem Jahr.

Zinserhöhungen erwartet

Wie in Ungarn hat es auch in der Türkei in diesem Sommer schon eine erste Zinssenkung gegeben. Allerdings ist das Zinsniveau mit 17,5 Prozent für einige Anleger nach wie vor so verführerisch, dass sie sich in Dollar, Euro oder Yen verschulden und ihr Geld in hochverzinslichen Türkei-Anleihen anlegen. Diese Transaktionen sowie die hohen Direktinvestitionen vieler Unternehmen am Bosporus sind wohl die wesentlichen Gründe für die Stärke der türkischen Lira.

In den meisten anderen osteuropäischen Ländern stehen die Zeichen indes nicht auf Zinssenkung, sondern auf Zinserhöhung. So erwarten die Analysten von ABN Amro, dass die rumänische Zentralbank in der kommenden Woche den Leitzins zur Bekämpfung der Inflation, zur Bremsung des Konsums und zur Stützung der Währung Leu um 50 Basispunkte auf 7,5 Prozent erhöhen wird.

In Prag stand die Zentralbank offenbar schon an diesem Freitag kurz davor, den Leitzins in Tschechien vom ohnehin schon höchsten Niveau seit fünf Jahren weiter zu erhöhen. Nur eine knappe Mehrheit des Zentralbankrates stimmte noch dafür, den Leitzins auf 3,25 Prozent zu belassen. Anleger interpretierten die Neigung der tschechischen Notenbank zu Zinserhöhungen umgehend so, dass sie an einer starken Krone interessiert sei, um die Inflation im Land in Schach zu halten. Diese Sichtweise führte nach Ansicht von Händlern maßgeblich dazu, dass am Freitag erstmals weniger als 27 Kronen für einen Euro bezahlt werden mussten.



Text: F.A.Z., 27.10.2007, Nr. 250 / Seite 23
Bildmaterial: FAZ.NET, picture-alliance/ dpa

 

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