Hans Redeker, Währungsstratege der BNP Paribas

Interview

„Der Euro kann bis auf 1,50 Dollar überschießen“

Sieht es an den Börsen aufgrund einer überraschend starken Leitzinssenkungen in Amerika nach einer Beruhigung aus, so gilt das nicht für den Devisenmarkt. Währungsstratege Hans Redeker von BNP Paribas wagt im Interview einen Ausblick.

Lesermeinungen zum Beitrag

20. September 2007 18:40

Wohl zutreffende Analyse

Werner Schmidt (banker-schmidt)

Die in den vergangenen Jahren vielgerühmte US-amerikanische Volkswirtschaft hat nach meiner Ansicht inzwischen zu viele Baustellen. Dabei ist wohl nur noch in den Segmenten Rüstung, Raumfahrt und EDV-Anwendungen eine Weltmarktführerschaft der USA zu erkennen. Daneben kann man noch eine "Weltmarktführerschaft" im Verhältnis persönliche Einkommen / persönliche Konsumausgaben feststellen. Alles das ist zuwenig bzw. bezüglich Konsumverhalten fatal, um zumindest auf mittlere Sicht eine Trendwende zu Gunsten des US-Dollars anzunehmen. Es kommt als weiteres negatives Merkmal eine Blase am Immobilienmarkt hinzu. Wenn man deutsche Usancen dagegen stellt, so wurden in den USA viel zu hohe Beleihungswerte von den Immobilienfinanzierern akzeptiert. Und nun zeichnen sich fallende Immobilienpreise ab.
Auch das ist ein starkes Argument gegen eine Aufwertung des US-Dollars, wohl aber eine Basis für eine Depression.

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20. September 2007 15:14

Euro-Stärke

Rüdiger Noll (krn)

Die Stärke des Euro ist derzeit hauptsächlich zinsinduziert, da viele noch an weitere Zinserhöhungen des Euro glauben. Tatsächlich blockiert aber die Zinssenkung der Fed weitere Zinserhöhungen im Euroraum. Zudem zeigen sich auch in Europa in der Konjunkturentwicklung schon deutliche Schwächetendenzen. Der Euro sollte daher in der Spitze nicht wesentlich über die 1,4100 hinauskommen und sich im Laufe der nächsten Wochen wieder auf einer Basis zwischen 1,35 bis 1,37 einpendeln. Eine Zinserhöhung im Euroraum dürfte somit ausgeschlossen sein, eher ist sogar eine leichte Zinssenkung angesagt, um die positive Konjunkturentwicklung nicht zu stark absacken zu lassen.

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20. September 2007 14:20

Redekers kryptische Argumente

Sophia Orti (rum)

"Das mag so sein. Wenn man sich jedoch im Detail betrachtet, wie die Reserven in Amerika investiert werden, so werden seit Februar praktisch keine langfristigen, sondern nur noch kurzfristige Anlageformen in den Vereinigten Staaten gesucht. Das stellt einen gewissen Vertrauensverlust dar."

Das heißt, lieber weniger Kredit in Dollar geben, bzw nicht mehr geben, lieber nehmen, und zwar kurzfristig. In beiden Fällen verkaufen Ausländer Dollar. Das macht die Wirkung von Bernankes Zinssenkung auf den Dollarkurs kräftiger. Früher hätte sie sofortiger Goldabfluß bedeutet.

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