15. November 2007 Zeigte sich die anhaltende Dollarschwäche in den vergangenen Monaten sowohl gegen den Euro als auch gegen das britische Pfund, so ist in den vergangenen Tag auch die britische Währung gegen ihr europäisches Pendant in die Defensive geraten.
Alleine in den vergangenen beiden Tagen verlor sie in einer raschen, deutlichen Kursbewegung inzwischen mehr als zwei Prozent. Der im Mai des Jahres 2003 erreichte Rekordwert von 72,38 Pence ist am Donnerstag mit einem Kurs von 71,64 Pence je Euro wieder in greifbare Nähe gelangt.
Sinkende Wachstumserwartungen und fallende Einzelhandelsumsätze
Der Grund darin liegt nicht in der weiter schwelenden Kreditkrise. Vielmehr dürften die jüngsten Konjunkturzahlen in Großbritannien eine tragen Rolle für die relative Schwäche des Pfunds gegen den Euro spielen. So lagen nicht nur die am Mittwoch veröffentlichen Inflationszahlen und -perspektiven im Rahmen der Markterwartungen. Auch die von Notenbankgouverneur Mervyn King formulierte Wachstumsskepsis konnte zu denken geben. Er geht davon aus, dass sich das Wachstum in Großbritannien deutlich abschwächen wird.
Dies wird am Donnerstag prompt durch die Oktoberzahlen für den britischen Einzelhandel bestätigt. Die Umsätze gingen nach Angaben des Office for National Statistics im Vergleich zum Vormonat um 0,1 Prozent zurück. Der deutlichste Rückgang war mit einem Minus von 0,5 Prozent im Monatsvergleich bei Textilien, Kleidung und Schuhen zu verzeichnen, gefolgt von einem Minus von 0,4 Prozent in Nahrungsmittelgeschäften.
Obwohl das Wachstum im Vergleich zum Quartal des Vorjahres noch deutlich positiv ist, leiten Ökonomen und Devisenstrategen aus den Zahlen insgesamt eine zunehmende Wahrscheinlichkeit ab, dass die britische Zentralbank im Frühjahr des kommenden Jahres beginnen werde, den Leitzins nach unten zu nehmen. Stuart Bennett von Calyon geht davon aus, dass das britische Pfund unter Druck kommen wird. Solche Prognosen werden zumindest kurzfristig durch entsprechende Kursbewegungen untermalt. Nicht nur gegen den Euro notiert das Pfund niedriger. Auch gegen den Dollar ist inzwischen unter die Marke von 2,05 Dollar gefallen.
Hohe Schulden, fallende Immobilienpreise - fallende Zinserwartungen
Ähnlich wie die Vereinigten Staaten hat Großbritannien in den vergangenen Jahren einen Boom erlebt, der unter anderem von steigenden Immobilienpreisen mitgetragen wurde. Allerdings dürfte es auch hier zu ähnlichen Exzessen im Finanzierungsbereich gekommen sein. Immerhin hat die Verschuldung der Konsumenten in Großbritannien deutlich zugenommen. Nun scheint sich das Pendel allerdings in die andere Richtung zu bewegen und das bisher stark vom Konsum getriebene Wachstum abzubremsen.
Fallende Hauspreise und hohe Energie- und Rohstoffkosten führen zusammen mit einer hohen Belastung für den Schuldendienst und einer restriktiveren Kreditvergabe dazu, dass die Konsumenten künftig mehr als bisher sparen müssen. Aus diesem Grund rechnet die britische Zentralbank damit, dass das Wirtschaftswachstum von gegenwärtig drei auf rund zwei Prozent fallen wird.
Sollte das Wachstum in Kontinentaleuropa dagegen robust bleiben - Stimmungsindikatoren deuten auch hier eine gewisse Abschwächung an, allerdings war hier das Kreditgebaren in weiten Teilen nicht so aggressiv wie in den angelsächsischen Staaten - so könnten die Zinserwartungen dafür sorgen, dass das Pfund gegen den Euro noch weiter in die Defensive geraten könnte. Kurzfristig ist allerdings zu bedenken, dass entsprechende Erwartungen schon weit gediehen sind. Aus diesem Grund scheinen deutliche Gegenbewegungen jederzeit möglich zu sein.
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Text: @cri
Bildmaterial: Bank of England, FAZ.NET
