Rohstoffe

Der Goldpreis springt über die Marke von 800 Dollar

06. November 2007 Der Goldpreis hat die Marke von 800 Dollar je Feinunze genommen. Damit ist wohl die letzte psychologisch bedeutsame Hürde vor der Attacke auf den im Januar 1980 verzeichneten Rekord von 850 Dollar überwunden. Der laufende Anstieg weist nach Darstellung von Experten eine Dynamik auf, die die verbleibende Distanz zu diesem Ziel gering erscheinen lässt.

Am Dienstag wurde beim Vormittags-Fixing in London ein Preis von 817,55 Dollar ermittelt. Im weiteren Verlauf kostete das Edelmetall in der Spitze deutlich mehr als 820 Dollar. In Euro gerechnet, wird die Hausse bei dem Edelmetall allerdings durch die Dollar-Schwäche relativiert.

Der Goldpreis entwickelt sich wie eine eigene Währung

Das jüngste Geschehen ist Teil einer Aufwärtsbewegung, die Mitte August bei Preisen um 650 Dollar entstanden war. Sie deckt sich, nur unter umgekehrten Vorzeichen, mit der Schwäche des handelsgewichteten Dollar-Index, einem Korb aus Währungen der bedeutenden Handelspartner Amerikas. Damit ist die wohl entscheidende Kraft hinter der Hausse des Goldes benannt. Es verhält sich besonders in Phasen, in denen Spannungen oder Krisen an der monetären und politischen Front herrschen, gegenüber dem Dollar wie eine Währung. Dies bestätigt in den Augen zahlreicher Analysten den noch immer vorhandenen und offenbar neu erwachenden monetären Charakter des Edelmetalls. Er wird gerne mit dem Spruch "Gold ist das bessere Geld" beschrieben. Dahinter steht die Erkenntnis, dass der Wert der Papierwährungen beständig und kaum bemerkt von Inflation und tendenziell wachsender Staatsverschuldung ausgehöhlt wird.

Wie immer bei größeren Preisbewegungen des Edelmetalls ist auch jetzt wieder ein starker Einfluss der Spekulation zu verzeichnen. Die Netto-Kaufpositionen der Termin- und der Hedge-Fonds an der Comex, der New Yorker Terminbörse für Gold, sind im Zuge der laufenden Haussephase stark gestiegen. Ihr Anteil an der Gesamtzahl der offenen Positionen hat sich zuletzt mit 40 Prozent dem Stand genähert, der aus historischer Sicht als kritisch gilt und vermuten lässt, dass der Markt an der Grenze der Aufnahmefähigkeit spekulativer Kaufengagements angelangt sein könnte. Daraus leiten technisch orientierte Analysten ab, dass die Gefahr eines Rückschlags von Tag zu Tag wächst. Sie argwöhnen, dass eine ebenfalls aus technischen Gründen überfällige Zwischenerholung des Dollar den Anstoß zu einer starken Korrektur des Goldpreises geben könnte.

Physische Nachfrage von monetären Überlegungen bestimmt

Letztlich entscheiden die Bedingungen am physischen Markt über das Geschehen an den Terminbörsen in New York und in Tokio. Händler, die im physischen Geschäft verwurzelt sind, halten das Argument, der Ölpreis und die damit zunehmenden Inflationsgefahren trieben den Goldpreis in die Höhe, für drittrangig. Tatsächlich werde die physische Nachfrage von monetären Überlegungen bestimmt, heißt es. Zum bedeutendsten Faktor auf der Nachfrageseite außerhalb der Industrie sind börsengehandelte Goldfonds (ETF) geworden, die physische Ware erwerben. Sie werden von privaten und von institutionellen Anlegern gekauft, um ihren Portefeuilles auf der Währungsseite ein stabilisierendes, werterhaltendes Element beizufügen. Andererseits hat sich während der Goldhausse von 2005/06 gezeigt, dass starke Preissteigerungen die Nachfrage nach Schmuck sinken und das Angebot an goldhaltigen Erzeugnissen zum Zweck des Einschmelzens, das als Gewinnmitnahme bezeichnet werden kann, steil wachsen lassen können.



Text: F.A.Z., 07.11.2007, Nr. 259 / Seite 30
Bildmaterial: FAZ.NET, GFMS/Global Insight/World Gold Council, GFMS/World Gold Council, Global Insight/World Gold Council, IFS, EZB, Bank of Spain, World Gold Council, World Gold Council

 
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