26. März 2008 Die Turbulenzen der internationalen Finanzmärkte erreichten in den vergangenen Wochen auch China. So liegt der Shanghai Stock Exchange Composite Index inzwischen mit einem Stand von 3.606,86 Zählern knapp 41 Prozent unter dem noch vor einem halben Jahr erreichten Rekordhoch von 6.092 Zählern.
Der kurzfristige Trend zeigt weiterhin nach unten. Die Kursverluste dürften kritische Beobachter kaum überraschen. Denn die chinesischen Aktien waren massiv und sind immer noch überbewertet. Sie profitierten im Rahmen der allgemeinen Euphorie nicht nur von überzogenen Wachstumserwartungen. Vielmehr wurden die Erträge der Unternehmen häufig auch noch durch Kursgewinne geschönt, da diese an den Börsen mitzockten und bei steigenden Kursen zumindest auf dem Papier schöne Gewinne ausweisen konnten.
China hat Inflationsprobleme ...
Damit ist es vorbei. Jedoch nicht nur damit. Denn alleine schon die Unruhen in Tibet und die Proteste in anderen Regionen zeigen, dass das Land im Inneren keineswegs so stabil ist, wie es sich im Vorfeld der Olympischen Spiele nach außen darstellen möchte. Nicht nur politische Faktoren spielen bei solchen Vorkommnissen eine Rolle, sondern auch wirtschaftliche.
Das Land hat es in den vergangenen Jahren versäumt, das bisher vor allem vom Export getriebene Wachstum zu dämpfen. So entstanden nicht nur industrielle Überkapazitäten, sondern riesige Währungsreserven und Kapitalzuflüsse, die ein ausgeprägtes Inflationsproblem hervorriefen. Besonders deutlich fielen in den vergangenen Wochen die Preissteigerungen von Nahrungsmitteln aus. Das ist besonders wichtig, da sie sich dies bei der Bevölkerungsmehrheit bemerkbar macht, die nur wenig verdient und die aufgrund des Überangebots an billigen Arbeitskräften zumindest in ländlichen Bereichen kaum Lohnerhöhungen durchsetzen kann. Auf diese Weise schwindet ihre sowieso schon geringe Kaufkraft. Das kann für soziale Spannungen sorgen.
Sollten die Löhne jedoch angehoben werden - wie in urbanen Regionen -, so droht eine Lohn-Preis-Spirale. Aus diesem Grund dürfte es kaum verwundern, dass Chinas Zentralbank inzwischen versucht, mit einer starken Währung die Inflation einzudämmen und das Wachstum bei den Exporten zu drosseln. Auslöser des bislang größten Kursanstiegs des Yuan innerhalb einer Woche war die Entscheidung der städtischen Verwaltung in Schanghai, die Mindestlöhne der städtischen Bediensteten auf 960 Yuan im Monat anzuheben.
... gegen die die Aufwertung der Währung helfen kann
Die chinesische Währung ist am Mittwoch auf ein neues Rekordhoch bei 7,0252 Yuan je Dollar gestiegen. Das ist der höchste Stand seit dem Ende der festen Anbindung der chinesischen Währung an den Dollar vor drei Jahren. Seit Jahresanfang hat der Yuan bereits 3,8 Prozent gegenüber dem Dollar zugelegt, im vierten Quartal 2007 waren es 2,7 Prozent. Kontrakte am Terminmarkt zeigen, dass Händler binnen zwölf Monaten von einem Anstieg um elf Prozent auf 6,3295 Yuan je Dollar ausgehen.
Wenn der Inflationsdruck weiter anhält, wird er zunehmend von steigenden Lohnkosten ausgelöst werden, erklärte Lu Zhengwei, Volkswirt bei der Industrial and Commercial Bank of China in Schanghai der Nachrichtenagentur Bloomberg. Für März erwartet Lu einen Anstieg der Verbraucherpreise um 8,1 Prozent auf Jahresbasis. Vor allem bei Fleisch und Speiseöl sei das Angebot knapp. Im Februar war die Inflationsrate in China auf 8,7 Prozent geklettert. Das ist der höchste Wert in elf Jahren.
Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte in der Vorwoche verkündet, das für 2008 angestrebte Inflationsziel der Regierung von 4,8 Prozent werde schwierig einzuhalten sein. Wen sprach sich für angemessene und energische Maßnahmen aus, die Preise einzudämmen. In den vergangenen Monaten hat die chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz für Banken zwar verdoppelt. Allerdings scheint dies bislang nicht zu wirken. Die kurzfristigen Zinsen sind im Vergleich zu tief. Der Drei-Monatszins liegt mit 4,5 Prozent nominal deutlich unter der Inflationsrate.
In den vergangenen Tagen hatte die chinesische Zentralbank erklärt, die Wechselkurspolitik werde beim Ausgleich externer Ungleichgewichte und beim Ziel, ein ausgeglichenes Wachstum zu erreichen künftig eine stärkere Rolle spielen. Auf dieser Basis dürfte der Yuan weiter aufwerten. Immerhin erklärte die Regierung gleichzeitig, die chinesischen Exporteure hätten gegenüber früheren Zeiten sowohl ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert als auch ihre Kundenbasis breiter diversifiziert. So verkauften die Unternehmen immer mehr Güter in Südost-Asien, Austral-Asien und Afrika sowie dem Binnenmarkt, auf dem die Einzelhandelsumsätze in den vergangenen Monaten im Trend zulegten.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Lombard Street Research, National Bureau of Statistics of China