Rohstoffmarkt

Ende der Hausse?

Von Bettina Schulz und Claus Tigges

Von der Euphorie zur Panik?

Von der Euphorie zur Panik?

06. August 2008 Die Korrektur des Ölpreises hat sich am Dienstag weiter beschleunigt. Während des Handels an der Londoner Terminbörse ICE gab der Preis für Rohöl der europäischen Sorte Brent mit Lieferung im September auf 116,91 Dollar je Barrel (159 Liter) nach. Seit dem Rekordpreis von 147,50 Dollar, der am 11. Juli erzielt wurde, ist der Ölpreis nun um 30 Dollar gefallen.

Wichtiger Grund für die Korrektur um fast 20 Prozent im Vergleich zum Rekordhoch ist die sich abschwächende amerikanische Konjunktur. Dies lässt die Marktteilnehmer mit sinkender Ölnachfrage rechnen und dämpft die Inflationserwartungen. Dadurch nimmt der Anreiz ab, sich auf den Rohstoff- und Edelmetallmärkten gegen die Gefahr der Geldentwertung abzusichern. Die veränderte Aussicht auf die Teuerung spiegelte sich am Dienstag auch in rückläufigen Preisen für die Edelmetalle Gold, Silber und Platin.

Vordergründige Faktoren

Vordergründig dämpften den Ölpreis auch Nachrichten, dass geringere Sturmschäden durch den Orkan Edouard im Golf von Mexiko erwartet werden. Auch verzeichnet der Ölmarkt die von Saudi- Arabien vorgenommene Steigerung seiner täglichen Ölproduktion auf 9,7 Millionen Barrel, wie dies im Juni angekündigt worden war. Gleichzeitig kündigte der amerikanische Präsidentschaftskandidat Barack Obama an, im Falle seines Wahlsieges Leichtöl in der amerikanischen strategischen Reserve durch Schweröl ersetzen zu wollen. Raffinerien können Leichtöl kostengünstiger in Benzin umwandeln als Schweröl.

Obama plädierte während seines Wahlkampfes in Michigan für die Freigabe von rund 70 Millionen Barrel Öl, um den Benzinpreis zu drücken und somit Familien finanziell beizustehen. Die amerikanische Reserve umfasst derzeit rund 707 Millionen Barrel Öl. Obama hat damit innerhalb weniger Tage zum zweiten Mal eine wichtige Position in der Energiepolitik geändert. Zuvor hatte der Kandidat der Demokraten die Erschließung von Ölvorkommen vor der amerikanischen Küste befürwortet, was er früher abgelehnt hatte. Auf dem Ölmarkt werden die Äußerungen von Obama jedoch nicht als ausschlaggebend für den Preisverfall angesehen.

Auch der trotz der schwächeren amerikanischen Konjunkturdaten stabile Wechselkurs des Dollar bei 1,55 Dollar je Euro gab dem Ölpreis keinen erneuten Auftrieb. So ist der Ölpreis vorläufig auf dem Rückzug, was durch Gewinnmitnahmen der Finanzinvestoren beschleunigt wird.

Hausse am Ende?

Wie sehr sich der Fokus des Marktes von den Angebotsengpässen in der Produktion auf die sich abschwächende Weltkonjunktur gerichtet hat, zeigte sich Anfang dieser Woche auch deutlich an den anderen Rohstoffmärkten: Nahezu alle Notierungen für Industriemetalle wie Kupfer, Nickel, Aluminium und Zink gaben kräftig nach. Auch die Preise an den Märkten für Grundnahrungsmittel haben sich deutlich reduziert.

Sogar die Aktienkurse von Unternehmen wie Kali & Salz, die besonders von Rohstoffen abhängig sind, gaben in dieser Woche deutlich nach. Die Rohstoffpreise sind derzeit so stark auf dem Rückzug wie seit 28 Jahren nicht mehr, warnt die Commerzbank. „Die Anzeichen verdichten sich, dass die Hausse an den Rohstoffmärkten zu Ende ist“, schrieben am Dienstag Analysten der Bank. Viele Finanzinvestoren ziehen Geld von den Rohstoffmärkten ab, legen es auf den Aktienmärkten an, um von der derzeitigen Bärenralley zu profitieren.

Kollaps nicht in Sicht

Allerdings hat es in dem seit dem Jahr 2002 dauernden Preisaufschwung auf dem Ölmarkt immer wieder Korrekturen gegeben. So betrug die Preiskorrektur im Jahr 2003 angesichts des Irak-Krieges 33,5 Prozent, die Korrektur im Herbst 2004 belief sich auf 29,7 Prozent, Hurrikan Katrina löste eine Korrektur um 20,9 Prozent aus, und Israels Militärschlag gegen den Libanon im Jahr 2006 versetzte dem Ölpreis einen Dämpfer von 28,7 Prozent.

Demgegenüber ist die derzeitige Korrektur also moderat und kurz, denn sie dauert erst seit 25 Tagen an. Die früheren Preiskorrekturen haben 50 bis 80 Tage in Anspruch genommen. Die jetzige Korrektur könnte sich also noch etwas fortsetzen. Da die Nachfrage der OECD-Länder aber nur 56 Prozent der globalen Ölnachfrage ausmacht, müsste das Nachfragewachstum der Schwellenländer praktisch kollabieren, um die Nachfrage deutlich und damit den Ölpreis nachhaltig zu dämpfen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, F.A.Z.

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