Devisenmarkt

Zinssenkung: „Kiwi-Dollar“ verliert weiter an Flair

24. Juli 2008 Sie hat sich schon einige Zeit abgezeichnet, nun ist sie da: Die erste Leitzinssenkung in Neuseeland seit fünf Jahren um einen Viertelprozentpunkt auf acht Prozent sowie die Aussicht auf weitere Zinssenkungen in den kommenden Monaten.

Der Neuseeland-Dollar reagiert darauf mit weiteren Kursverlusten, nachdem er sich schon seit Monaten in der Defensive befindet. Gegen den amerikanischen Dollar verliert er am Donnerstag 1,33 Prozent auf 74,18 amerikanische Cents je Kiwi-Dollar. Gegen den Euro geht der Kurs um 1,1 Prozent nach oben auf 2,1121 Kiwi-Dollar je Einheit der europäischen Währung. Auf diese Weise setzt sich gegen beide Währungen der Abwertungstrend der vergangenen Monate fort.

Selbst gegen den Yen arbeitet die Währung am Bruch Aufwertungstrends

Selbst gegen den notorisch schwachen Yen arbeitet die Währung Neuseelands am Bruch des langfristigen Aufwertungstrends. Und das will etwas heißen. Immerhin war Neuseeland in den vergangenen Jahren aufgrund des Zinsvorsprungs und vor allem auch aufgrund der in den vergangenen Jahren gar steigenden Leitzinsen eine der Lieblingsdestinationen japanischer Carry-Trader, die aufgrund der chronisch tiefen und real sogar negativen Zinsen in Japan immer auf der Suche nach attraktiveren Anlagemöglichkeiten sind.

Nun wird allerdings immer klarer, dass sich das Wirtschaftwachstum in Neuseeland abkühlen wird. Das werde den Preisauftriebe im Lande dämpfen, erklärte Notenbankgouverneur Alan Bollard. Er machte zudem klar, dass dieser Zinssenkung weitere folgen könnte, da sie Konjunktur in den kommenden Monaten voraussichtlich schwach bleiben werde.

In den vergangenen Monaten hat die Inflationsrate in Neuseeland deutlich angezogen auf zuletzt vier Prozent im Juni. Immerhin liegt die erwartete Inflationsrate jedoch nur bei 3,5 Prozent. Das dürfte der Zentralbank Spielraum für Zinsmanöver geben. Nicht nur das. Denn das Wirtschaftswachstum des Landes tendiert nach unten. Es lag im ersten Quartal gerade noch bei 1,9 Prozent auf Jahresbasis. Das Wirtschaftsvertrauen ist relativ schwach.

Dafür ist unter anderem der schwache Häusermarkt verantwortlich: Die Hauspreise fallen und die Anzahl der Baugenehmigungen sind im Mai um satte 42,3 Prozent gefallen. Das war der schwächste Wert seit langer Zeit. Die Hausverkäufe gingen im Juni um 42,4 Prozent zurück. Der Einzelhandel entwickelt sich schwach. Im Mai war der Umsatz um 1,2 Prozent gefallen - stärker als erwartet. Dafür ist der Immobilienmarkt ebenso verantwortlich, wie restriktiver gewordene Kreditkonditionen.

Weitere Zinssenkungen sind wahrscheinlich

Bollard geht nun davon aus, dass die Inflationsrate im laufenden Jahr mit fünf Prozent einen Spitzenwert erreichen und danach unter den Zielwert von drei Prozent fallen werde bis im Jahr 2010. Auf dieser Basis und mit Blick auf das schwache Vertrauen der Wirtschaftsteilnehmer rechnen Marktteilnehmer mit weiteren Zinssenkungen, um eben dieses „aufzuproppen“ Immerhin ist die Psychologie entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung.

Während der Neuseeland-Dollar mit deutlichen Kursverlusten auf die Zinssenkung reagierte, legte die Börse ebenso deutlich zu. Der All Share Index verbuchte ein Plus von 2,47 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe des Landes war schon in den vergangenen Wochen von 6,6 auf bis zu sechs Prozent gefallen. In den vergangenen Tagen reagierte sie vor allem auf die Turbulenzen an den Börsen. Der Neuseeland-Dollar dürfte in den kommenden Wochen aufgrund der bestehenden Trends und der Zinserwartungen eher ab- denn aufwerten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 

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