Rekordhoch

Inflation treibt den Euro auf neue Hochs

16. April 2008 Es mag noch so viel Argumente gegen den Euro geben, gegenwärtig ist und bleibt er jedoch die Währung der Stunde. Am Mittwoch erreicht er gegen den Dollar mit Kursen von bis zu 1,5968 Dollar neue Rekordwerte.

Die Ursache dafür lässt sich leicht erklären: Die Teuerungsrate im Euroraum für März wurde um 0,1 Prozentpunkte nach oben revidiert auf 3,6 Prozent auf Jahresbasis. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Währungsunion.

Hohe Energie- und Rohtoffpreise treiben in Europa die Inflation

Auf diese Weise werden die Aussagen verschiedener europäischer Zentralbanker in den vergangenen Wochen bestätigt, die vor einer anhaltend ausgeprägten Teuerung in Europa gewarnt hatten. Aus diesem Grund gebe es bis auf weiteres keinen Spielraum für Zinssenkungen in Europa, hatten sie immer wieder verlauten lassen.

Euro-Dollar am 16. April des Jahres 2008 Euro-Pfund am 16. April des Jahres 2008

Diese Haltung dürfte kaum verwundern. Denn trotz der starken Währung schlagen die steigenden Preise für Energie und Rohstoffe immer mehr beim Endverbraucher durch. Alleine im März stiegen die Energiepreise um Vergleich mit dem Vormonat um 2,3 Prozent. Auch bei den Nahrungsmitteln ist keine Entspannung in Sicht: Sie verteuerten sich im Vergleich mit dem Februar um 0,5 Prozent.

Auf diese Weise wird die Kaufkraft der Verbraucher, die schon von der Mehrwertsteuererhöhung betroffen wurde, weiter beschnitten. So dürfte es kaum verwundern, dass sie sich in Form hoher Lohnforderungen zu Wort melden. Hohe Lohnabschlüsse in den vergangenen Wochen - insbesondere auch im relativ unproduktiven Öffentlichen Sektor - sprechen für sich. Sie deuten auf so genannte Zweitrundeneffekte hin, die von den Zentralbanken so gefürchtet werden.

Auf der anderen Seite steht die amerikanische Zentralbank (Fed), die den Leitzins senkt, obwohl auch in den Vereinigten Staaten die Preise aufgrund des schwachen Dollars massiv nach oben laufen. Allerdings nimmt die Fed darauf keine Rücksicht, da sie versucht, die Folgen der Kreditkrise zu mildern, die sie nicht verhindert hat. Kritiker erklären sogar, sie hätte sie mit einer zu lockeren Geldpolitik sogar ausgelöst.

Unterschiedliche Zinserwartungen in Europa und anderen Wirtschaftsräumen

So führt die bestehende Zinsdifferenz zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zusammen mit den unterschiedlichen Zinserwartungen dazu, dass der Euro gegen den Dollar immer weiter aufwertet, obwohl die Europäische Einheitswährung gemessen an objektiven Bewertungsmodellen wie der Kaufkraftparität inzwischen deutlich überbewertet ist. Er legt auch gegen die Währungen anderer Staaten zu, in welchen Zinssenkungen erwartet werden. So markiert er unter anderem auch gegen das britische Pfund ein Rekordhoch nach dem anderen. Am Mittwoch sind bis zu 80,7 Pence nötig, um einen Euro erwerben zu können.

Zum Auftrieb des Euro tragen auch die globalen Ungleichgewichte bei. Das große amerikanische Leistungsbilanzdefizit führt bei den Exportüberschussstaaten in Asien und Arabien zu rasch und deutlich zunehmenden Währungsreserven. Wollen diese Staaten ihre Dollarrisiken auch nur im Ansatz diversifizieren, so bleibt aufgrund der Liquiditätskriterien als ernsthafte Alternative nur der Euro. Auch aus diesem Grund mag der Aufwertungstrend des Euro weiter laufen, als vielfach gedacht. Von spekulativen Trendfolgesystem erst gar nicht zu reden.

Allerdings findet jeder Trend einmal sein Ende. Der Aufwertungstrend des Euro dürfte spätestens dann gefährdet werden, sobald sich das europäische Wachstum deutlicher abschwächen wird, als bisher erwartet wird. Das sollte zusammen mit Basiseffekten den Preisauftrieb dämpfen und der Europäischen Zentralbank Zinssenkungsspielraum verschaffen können. Abnehmendes Wachstum dürfte zusammen mit aufwertenden Währungen in Asien zudem dazu beitragen, dass die Währungsreserven künftig nicht mehr so schnell zunehmen werden, wie in der Vergangenheit. Auch aus diesem Grund sollte der Aufwertungsdruck auf den Euro früher oder später nachlassen.

Insgesamt mag der Euro kurzfristig noch weiter nach oben laufen. Allerdings nehmen die Argumente gegen diese Bewegung zu. In diesem Sinne dürfte es für Anleger ratsam sein, entsprechende Positionen im Blick zu halten oder abzusichern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Goldman Sachs Commodity Research

Tops & FlopsKursProzent
EUR/TRY 1,9170 +0,57
EUR/AUD 1,6489 +0,46
EUR/SEK 9,4461 +0,28
EUR/ZAR 12,0093 -0,84
EUR/HUF 230,2800 -0,20
EUR/CAD 1,5941 -0,17
Rohstoffe
NamePunkteProzent
Gold 918,70 +0,19
Silber 17,78 +0,45
Platin 1959,00 +0,88
Palladium 440,00 +0,57
Öl 142,31 -0,93
von  Betrag 
nach  Ergebnis 
Berechnen
FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.