Industriemetalle

Zinnpreis könnte kurzfristig weiter steigen

07. März 2007 Recht ruhig ist es rund um die Industriemetalle in den vergangenen Monaten geworden. Das lag nicht zuletzt daran, dass ihre Preisentwicklungen für Kapitalanleger nicht gerade berauschend verlief. Nach einem kurzen Anziehen der Notierungen, die auf die Rückkehr der Investmentfonds zurückgeführt wurde, schlossen sie sich der Konsolidierung an den Aktienmärkten an.

Das führte auch zu einer Unterbrechung des guten Laufes von Zinn, dessen Markt indes recht eng ist. Von rund 8.000 Dollar für die Tonne im Juli vergangenen Jahres war der Preis für 3-Monats-Kontrakte Ende Februar auf knapp unter 14.000 Dollar geklettert. Zur Zeit notiert der Preis knapp darunter bei 13.400 Dollar.

Exportquoten geplant

Indes stehen die Zeichen für ein weiteres Anziehen des Preises nicht schlecht. Dazu trägt nach Ansicht von Analysten auch ein gewachsener Optimismus insbesondere unter den Investmentfonds bei.

Vor allem aber ist es eine unklare Angebotslage wird als preistreibender Faktor ausgemacht. David Moore von der Commonwealth Bank of Australia sieht auf der Angebotsseite gewisse generelle Zeitverzögerungen auf die hohen Preise.

Vor allem aber sorgen Wirren in der indonesischen Politik für Unsicherheit und Preisausftrieb. Das Land ist der zweitgrößte Produzenten der Welt und steht für rund ein Drittel der weltweiten Zinnproduktion. Nun plant man nach Medienberichten die Einführung einer Quote für Zinnexporte. Ziel sei es, den internationalen Preis des Metalls über 12.000 Dollar je Tonne zu halten. Die Zeitung „Bisnis Indonesia“ berichtete in ihrer Ausgabe vom Mittwoch, eine solche Quote werden von den Ministerien für Handel sowie Energie und mineralische Ressourcen festgelegt werden. Bestätigt wurde ein solches Vorhaben vom Direktor für Kohle und geothermische Entwicklung im Energieministerium, Mangantar Marpaung. Dieser sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, eine solche Maßnahme werde einem Überangebot vorbeugen.

Preisziel: angemessen oder historisch hoch?

Eigentliches Ziel der Maßnahmen sind indes die illegalen Zinnexporte. Im vergangenen Jahr, so „Bisnis Indonesia“, hätten die indonesischen Zinnausfuhren 120.000 Tonnen betragen, von denen aber nur 40.000 Tonnen als legal eingestuft würden. Bereits im vergangenen Monat hatte das Land eine Registrierungspflicht für Exporteure eingeführt.

Marpaung nennt einen Preis von 12.000 Dollar angemessen. Bei einem Preis von 8.000 Dollar stünden nicht genügend Mittel für die Arbeitssicherheit und die Landsanierung zur Verfügung.

Neil Buxton vom Reserach-Unternehmen GFMS Metals Consulting glaubt allerdings nicht an einen langfristigen Effekt. Ahmad Solihin, Analyst bei Mandiri Sekuritas, nennt den Preis von 12.000 Dollar historisch sehr hoch. Er könne die Produktion in anderen Teilen der Welt stimulieren.

Bald 20.000 Dollar je Tonne?

Optimistischer ist der Branchenverband ITRI. Dies er sieht den Preis um 50 Prozent anziehen, wenn das Fördervolumen im wichtigen Produktionsland Indonesien niedriger ausfalle als bislang erwartet. Liege die Zinnproduktion des Inselstaats in diesem Jahr unter 90.000 Tonnen, drohe sich das Metall auf 20.000 Dollar je Tonne zu verteuern.

Bereits im Februar hatten der Verband und das Rohstoff-Beratungsunternehmen CRU in einem gemeinsamen Bericht prognostiziert, dass die Zinnproduktion Indonesiens in diesem Jahr um etwa 30 Prozent zurückgehen werde. Damit werde die Nachfrage nach Zinn in diesem Jahr das Angebot voraussichtlich um etwa 30.000 Tonnen überschreiten. Die Differenz zwischen Produktion und Verbrauch werde nur zu etwa einem Viertel aus Beständen der amerikanischen Defense Logistics Agency gedeckt werden können.

Derzeit verfügt nur die staatsnahe PT Timah über eine Exportberechtigung und dieses Unternehmen wird nur etwa 50.000 Tonnen Zinn produzieren. Die zweitgrößte Schmelze Koba Tin hingegen, steht unter Druck. Nachdem drei Direktoren wegen des Vorwurfs der Verwendung illegal abgebauten Erzes verhaftet wurden, hat das Ministerium noch nicht über die Erteilung einer Exportlizenz entschieden.

„Der Welt wird das Zinn nicht ausgehen“

Kleinere Steigerungen an anderen Produktionsorten als Indonesien könnten zwar einen teilweisen Ausgleich schaffen, allerdings werde die globale Nachfrage weiter wachsen, wenn auch etwas langsamer als in den vergangenen Jahren. 2006 hatte sich der globale Zinnverbrauch um neun Prozent auf schätzungsweise 360.000 Tonnen erhöht, verursacht hauptsächlich durch ein starkes Wachstum im Elektroniksektor und den Ausbau des bleifreien Lötens. Die weltweite Nachfrage nach Zinn sieht ITRI in diesem Jahr derweil nur noch um vier Prozent zulegen.

Indes sieht Peter Kettle, Manager für Statistik und Marktstudien bei ITRI, das Problem als vorübergehend an. „Der Welt wird das Zinn nicht ausgehen“, meint er. Mit Beginn des Jahres 2007 hätten die Zinnbestände in Relation zum Verbrauch höher als bei allen anderen LME-Metallen gelegen und würden ausreichen, um das erwartete Defizit zu decken.

Während der kommenden Monate würden allerdings die ersichtlichen Vorräte stetig abgeschmolzen werden. Sollte es keinen realen Fortschritt bei der Lösung der Versorgungsfrage in Indonesien geben, sieht Kettle reichlich Potenzial für einen Anstieg der Preise im zweiten Quartal und darüber hinaus. Seit Anfang 2007 sind die Zinnbestände jedenfalls um über 20 Prozent gesunken.

Kurzfristig scheinen sich daher Chancen auf einen weiteren Preisanstieg bei Zinn zu ergeben, die aber nicht bis zum Jahresende überdauern dürften.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg

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