16. Mai 2008 Die EU-Kommission hat der Slowakei am 7. Mai grünes Licht für den Beitritt des Landes zur Euro-Zone gegeben. Damit kann das Land, wenn alles glatt geht, voraussichtlich am 1. Januar 2009 den Euro einführen.
Von den Akteuren am Devisenmarkt wurde dieser Vertrauensbeweis als Signal verstanden, die slowakische Krone noch weiter nach oben zu treiben. Am Freitag werden für einen Euro nur noch 31.513 Kronen gezahlt. Das ist so wenig wie nie zuvor und bei diesem Stand hat die slowakische Landeswährung in diesem Jahr schon um 6,2 Prozent gegenüber dem Euro zugelegt.
Strammes Wirtschaftswachstum - steigende Inflationsrate
Doch die Krone demonstriert nicht erst seit diesem Jahr Stärke. Der Aufwertungstrend ist vielmehr schon seit einigen Jahren zu beobachten. Und verglichen mit der am 13. Juni 2002 gültigen Notiz von 44,927 Kronen errechnet sich sogar ein Plus von fast 30 Prozent. Den slowakischen Exporteuren dürfte diese Entwicklung zwar weniger gefallen, aber insgesamt scheint das Land mit der Stärke der Krone sehr gut zurechtzukommen.
Premierminister Robert Fico hat eben erst verlauten lassen, dass die Wirtschaft aus seiner Sicht den hohen Devisenkurs verkraften kann und die neuesten Zahlen geben ihm Recht. Denn im ersten Quartal kletterte das Bruttoinlandsprodukt unbeirrt davon um 8,7 Prozent. Das ist zwar weniger als die gut zehn Prozent, mit denen die Wirtschaft im Vorjahr gewachsen ist, liegt aber über dem von Analysten im Schnitt erwarteten Wert von 7,6 Prozent.
Das stramme Wachstum spricht für die Krone ebenso wie die Teuerung. Denn angesichts eines beschränkten geldpolitischen Instrumentariums dürfte der slowakischen Notenbank eine weitere Aufwertung nicht ganz ungelegen kommen. Wie die Statistikbehörde am Donnerstag mitteilte, stiegen die Verbraucherpreise auf Jahressicht im April von 3,6 Prozent auf 3,7 Prozent. Weil Volkswirte mit einem Rückgang der Inflationsrate auf 3,5 Prozent gerechnet hatte, spräche dies eigentlich tendenziell für steigende Zinsen. Doch wegen der bevorstehenden Euro-Einführung und der damit verbundenen Angleichung der Leitzinsen, sind der Notenbank die Zinsen gebunden. Vielmehr wird im Zuge der Währungsumstellung der Leitzins von derzeit 4,25 Prozent noch auf das Euro-Leitzinsniveau von vier Prozent gesenkt werden müssen - natürlich vorausgesetzt, die Europäischen Zentralbank verändert bis dahin ihre Leitzinsen nicht.
Intakter Aufwärtstrend spricht für weitere Kursgewinne
Die jüngsten Inflationszahlen dürften auch die Bedenken der Europäischen Zentralbank verstärkt haben. Diese hat in ihrem Konvergenzbericht erhebliche Bedenken gegen einen Beitritt des osteuropäischen Landes zum Euro angemeldet. Wie es darin hieß, gebe es sowohl Zweifel an einer nachhaltigen Inflationskonvergenz als auch an einer glaubwürdigen und nachhaltigen Konsolidierung der Staatsfinanzen.
Nach dem erneuten Aufwertungsschub der vergangenen Tage hat die Krone zwar bereits ein historisch hohes Niveau erreicht und beispielsweise das Kursziel von 31,50 Kronen der Analysten bei der Unicredit praktisch erreicht. Aber wegen der genannten vorteilhaften Rahmendaten sind weiter steigende Notierungen wahrscheinlicher als eine plötzliche Trendumkehr. Dafür spricht auch die Charttechnik, die mit einem völlig intakten langfristigen Aufwärtstrend zugunsten der slowakischen Krone aufwartet.
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Text: @JüB
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