17. April 2007 Wollte den Euro in den ersten Jahren nach seiner Einführung im Jahr 1999 niemand haben, so hat sich das inzwischen deutlich geändert. Immerhin liegt er inzwischen 64 Prozent über seinem Kurstief von 82,55 amerikanischen Cents vom 25. Oktober des Jahres 2000.
Nach einer Zwischenerholung des Dollars im Jahr 2005 ging es mit dem Kurs in denn vergangenen Monaten wieder im Trend nach oben und mit 1,3561 Dollar liegt der Euro am Dienstag nur noch knapp unter dem im Dezember des Jahres 2004 erreichten Rekordhoch von 1,3637 Dollar.
Wechselkursmodelle erklären nicht alles
Diese Entwicklung dürfte höchsten mit Blick auf die fundamentale Bewertung verwundern. Immerhin ist die europäische Einheitswährung gemessen an Modellen wie der Zins- oder der Kaufkraftparität gegenüber dem amerikanischen Dollar überbewertet. Allerdings nützen solche Modelle wenig, da sie einerseits die Dynamik des Marktes nicht erfassen können und da andererseits Verzerrungen, die einerseits durch künstlich tief gehaltene Währungen und andererseits durch Diversifikationsüberlegungen ausgelöst werden, nicht erfassen.
Aus diesem Grund besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass der Euro weiter nach oben laufen und neue Rekordkurse gegen den Dollar erreichen wird. Immerhin schwächelt die amerikanische Wirtschaft bedenklich und lässt zumindest kurzfristig zusammen mit entsprechend interpretierten Inflationsdaten die Vermutung aufkommen, die amerikanische Zentralbank könnte trotz der weiterhin rasch wachsenden Geldmenge im Lande zu Zinssenkungen gezwungen werden.
Da die europäische Zentralbank gleichzeitig in den kommenden Monaten zu weiteren Zinserhöhungen neigen dürfte, schwindet immer mehr das Pfund, mit dem die amerikanische Währung wenigstens vorübergehend trotz aller strukturellen Defizite wuchern konnte: der Zinsvorteil. Gleichzeitig scheint auch die Gewinnentwicklung der amerikanischen Unternehmen ihren Höhepunkt überschritten zu haben. So verliert die amerikanische Währung nicht nur über die Zinsseite an Reiz, sondern auch über die Renditeerwartung. Kein Wunder, dass die internationalen Anleger - abgesehen von den Zentralbanken - nur noch zögerlich dazu bereit sind, das riesige amerikanische Leistungsbilanzdefizit zu decken, während amerikanische Anleger immer mehr im Ausland anlegen.
Amerikanische Staatsanleihen schon lange nicht mehr gefragt
Darauf deuten zumindest die so genannten Tic-Daten hin, die die Nettokäufe amerikanischer Wertpapiere durch ausländische Anleger ausweisen. Die amerikanischen Staatsanleihen sind schon seit dem Jahr 2004 nicht mehr gefragt, die Attraktivität der amerikanischen Aktien hat in den vergangenen Monaten wieder nachgelassen, während die Unternehmensanleihen bisher noch ausländisches Kapital anziehen können. Allerdings dürfte sich angesichts der amerikanischen Wachstumsschwäche die Frage stellen, wie lange die so genannten Spreads auf dem rekordtiefen Niveau bleiben werden. Kurzfristig wurde die Leistungsbilanz auch vom Zufluss kurzfristiger Mittel gestützt.
Auf dieser Basis dürften neue Rekordkurse des Euro gegen den Dollar grundsätzlich kaum überraschen, zumal das britische Pfund die Marke von zwei Dollar überwunden hat. Gewisse Bedenken gibt es jedoch aus technischer Sicht. So ist das Momentum des Euro relativ groß und die Long-Positionen sind relativ ausgeprägt. Aus diesem Grund ist zumindest aus technischer Sicht eine Gegenbewegung nie auszuschließen, auch wenn einmal etablierte Trends länger halten können, als vielfach vermutet.
Eine Dollarerholung scheint jedoch grundsätzlich dann denkbar zu sein, wenn sich die schwache amerikanische Konjunktur beim Konsum und insbesondere in Form einer nachlassenden Nachfrage nach Importgütern bemerkbar machen sollte. Noch scheint der Markt jedoch nicht daran zu glauben.
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Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, Shadow Government Statistics, Federal Reserve Board