11. November 2008 Russland und seine Finanzmärkte zählten noch bis Mai zu den Stars des kreditgetriebenen Energie- und Rohstoffbooms. Beinahe unbeirrt von allen Wirren lief der Aktienmarkt zusammen mit dem Ölpreis immer weiter nach oben.
Dann allerdings kam der Rückschlag. Spätestens nach der militärischen Intervention in Georgien wurden den Anlegern die politischen Risiken wieder klar. Zusammen mit dem fallenden Ölpreis und den von der Kreditkrise ausgelösten Liquidationswelle führte das an der russischen Börse zu einem raschen, massiven Ausverkauf. Der RTS liegt inzwischen 70 Prozent unter dem noch Mitte Mai erreichten Rekordhoch.
Der Rubel wertet deutlich gegen den Dollar ab
Längst verliert auch der russische Rubel an Wert. Zumindest gegen den amerikanischen Dollar hat er inzwischen den Aufwertungstrend der Jahre 2003 bis 2008 durchbrochen. Inzwischen liegt der Kurs bei 27,33 Rubel je Dollar, das sind 18 Prozent mehr als noch Mitte Juli. Gegen den Euro konnte die russische Währung zwar von April bis Ende Oktober aufwerten. Seitdem gibt sie allerdings nach.
Dafür sorgen der Verfall des Ölpreises, das sich verlangsamende Wirtschaftswachstum sowie der skeptische Blick der internationalen Anleger auf die Schwellenländern im Allgemeinen. Zusammen genommen führen diese Faktoren zum Abfluss ausländischen Kapitals. Da nützt es auch wenig, dass das Land über hohe Devisenreserven verfügt.
Um die Landeswährung in einem Kursband zu Euro und Dollar zu halten, interveniert die russische Notenbank traditionell am Devisenmarkt, wo sie Fremdwährungsbestände kauft und verkauft. In den vergangenen Wochen musste sie den Rubel stützen. Aus diesem Grund sind die Devisenreserven, die im Rahmen des Rohstoffbooms der vergangenen Jahre aufgelaufen waren, um 19 Prozent gesunken auf zuletzt noch 484,6 Milliarden Dollar.
Notenbank und Regierung uneins
Ein Wirtschaftsberater von Präsident Dmitrij Medwedjew kündigte vor dem Wochenende an, dass das Kursband für den Rubel schrittweise geweitet werden dürfte, falls die Leistungsbilanz Russlands im nächsten Jahr ein Defizit aufweisen sollte. Bei einem länger anhaltenden Defizit seien auch Änderungen beim Wechselkursregime insgesamt möglich, sagte Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch.
Noch im Oktober erklärte Finanzminister Alexej Kudrin, Russland verfüge über ausreichende Devisenreserven, um den Rubel stabil zu halten. Spekulanten, die auf eine Abwertung wetteten, würden heftig enttäuscht werden. Goldman Sachs-Volkswirt Rory MacFarquhar in New York deutet Dworkowitschs Äußerungen als Abkehr von der bisherigen Haltung der russischen Regierung. MacFarquhar sieht auch einen Konflikt zwischen Regierung und Notenbank: die Äußerungen Dworkowitschs bestätigen unsere Vermutung, dass es eine deutliche politischer Präferenz für eine gleitende Erosion des Rubels gibt - obwohl die Notenbank eine steile Abwertung bevorzugen würde.
Preisverfall trifft die russische Wirtschaft
Für die russische Volkswirtschaft ist der Verfall der Öl- und Gaspreise ein schwerer Schlag, da sie besonders stark von der Ausfuhr fossiler Energieträger abhängt - kein Land exportiert mehr davon als Russland. Wenn der Ölpreis fällt, geht Russland das Kapital aus und der Rubel gibt nach, sagt Anleihenexperte Anas El Maizi vom Vermögensverwalter Axa Investment Managers. Wenn sich der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau stabilisiere, werde Russland Probleme bekommen.
Die Moskauer Investmentbank Troika Dialog verweist darauf, dass sich der Überschuss von 91,2 Milliarden Dollar (70,9 Milliarden Euro) der russischen Leistungsbilanz in ein Defizit zu verwandeln drohe. Wenn der Ölpreis nicht wieder anzieht oder sich die Zahlungsbilanz Russlands nicht verbessert, wird die Zentralbank den Rubel letztendlich abwerten müssen'', sagt Troika-Chefökonom Jewgeni Gawrilenkow. Ein mittlerer Preis für Ural-Öl von 60 Dollar je Barrel könnte dazu führen, dass der Rubel gegenüber dem Währungskorb aus Euro und Dollar um 25 bis 30 Prozent abgewertet werden müsse. Im Haushalt für 2009 unterstellt die russische Regierung einen mittleren Ural-Ölpreis von 70 Dollar je Barrel. Am Montag notierte die Ölsorte knapp über 57 Dollar.
Druck auf die russische Leistungsbilanz bringen neben den Mindereinnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft auch Abflüsse vom Kapitalmarkt. Im Zuge der internationalen Finanzmarktkrise sind viele Investoren aus den Schwellenmärkten geflohen. Nach einer Schätzung der französischen Großbank BNP Paribas wurden in den vergangenen drei Monaten mindestens 140 Milliarden Dollar aus Russland abgezogen. Unter welch starkem Verkaufsdruck die russische Börse steht, zeigt ein Blick auf den Leitindex RTS. Er hat in diesem Zeitraum um 61 Prozent nachgegeben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: FAZ.NET
| Name | Kurs | in % |
| Gold | 1.084,00 $ | −1,94% |
| Silber | 16,93 $ | −1,86% |
| Platin | 1.421,00 $ | −0,63% |
| Palladium | 362,00 $ | −1,09% |
| Rohöl Brent Crude | 73,67 $ | +0,30% |
| Gas | 0,32 £ | +0,62% |
| Kaffee | 1,42 $ | −2,00% |
| Zucker | 0,27 $ | --% |
| Orangensaft | 1,33 $ | −1,88% |
| AMEX GOLD BUGS | 423,04 | +0,31% |
| AMEX OIL | 1.065,43 | +0,52% |
| Rogers International | 21,89 | +0,27% |
|
|
||||||||
|
Berechnen
|
|||||||||
| Gesamt- Index |
Durchschnitt 90 Tage |
Durchschnitt 200 Tage |
|
|---|---|---|---|
Aktien-Index22.12.2009 13:00 |
1400,97 | 1349,16 | 1295,46 |
Performance-Index22.12.2009 17:35 |
308,96 | 298,10 | 283,62 |
Euro-Aktien-Index22.12.2009 17:35 |
145,16 | 141,26 | 130,27 |
Einige Aktien sind noch günstig zu haben
Schwierige Bedingungen für die Staatsfinanzierung
Aktien 2010: Berg- und Talfahrten
Aktive oder passive Fonds?