10. Januar 2006 Der Zinkpreis ist am Montag an der London Metal Exchange bis zu 1,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 1.968 Dollar je Tonne geklettert. Angetrieben wurde er von Spekulationen, Chinas größter Zinkproduzent könnte die Produktion drosseln müssen, nachdem eine giftige Masse aus einer Anlage in einen Nebenfluß des Jangtse gelangt ist.
Kadmium, ein hochgiftiges Nebenprodukt bei der Zinkherstellung, gelangte aus einer Anlage der Zhuzhou Smelter Group in den Fluß Xiangjiang, gab die Umweltschutzbehörde der Provinz Hunan bekannt. Erst im vergangenen Monat hatte ein Unfall in der drittgrößten Schmelzhütte des Landes zu ihrer Schließung geführt.
Sorgen über Produktionsengpässe gehen um
Um Zink herrscht zurzeit große Aufregung, sagte Nick Moore, Analyst bei ABN Amro Holding NV in London. Die Meldung über einen weiteren Unfall potenziert das alles noch. Sollte die Produktion in Zhouzhou eingeschränkt werden, wird der Engpaß bei Zink weiter zunehmen. Bereits Mitte Dezember hatte James Gutman, Analyst bei Goldman Sachs Group, prognostiziert, die Zinknachfrage im Jahr 2006 werde um 3,2 Prozent anziehen auf elf Millionen Tonnen. Damit würde die Produktion um 330.000 Tonnen übertroffen werden. Auch Moore von ABN Amro hat für dieses Jahr einen Engpaß vorausgesagt. In der Zhuzhou-Schmelzhütte wurden 2004 etwa 301.800 Tonnen Zink produziert.
Das Schwermetall Kadmium kann beim Menschen Schäden am Zentralnervensystem und Krebs verursachen. Es ist bei einer Reinigungsaktion, die ohne offizielle Genehmigung durchgeführt wurde, in den Fluß gelangt, gab die Behörde bekannt. Am 5. Januar schnellte der Kadmium-Gehalt des Flusses auf das 26fache des als unbedenklich geltenden Niveaus hoch und fiel bis zum 7. Januar wieder auf das 0,14fache zurück. Als Gegenmaßnahmen waren neutralisierende Chemikalien eingesetzt und der Zustrom aus Wassertanks flußaufwärts erhöht worden.
Die Produktionsanlage von Zhuzhou Smelter dürfte aufgrund des Vorfalls nicht geschlossen werden, erklärte Yu Feng, ein Sprecher von Hunan Zhuye Torch Metals, dem Besitzer der Schmelzhütte, der an der Börse Schanghai notiert ist.
Grupo Mexico gab am sechsten Januar bekannt, daß aufgrund eines Stromausfalls die Zinkraffinerie der Tochtergesellschaft Industrial Minera Mexico ausgefallen sei. Das Unternehmen sei noch dabei den Schaden zu prüfen, hieß es. Wann die Produktion wieder aufgenommen werde, wurde nicht angegeben.
Korrosionsschutz für Stahl durch Verzinken
Im vergangenen Jahr legte der Zinkpreis gemessen am generischen Kontrakt an der London Metal Exchange um bis zu 40 Prozent zu und übertraf damit den Anstieg der sechs anderen Metalle, die an der LME gehandelt werden. Der Preis dürfte im Jahr 2006 bei durchschnittlich 2000 Dollar je Tonne liegen, und damit 45 Prozent höher als im Vorjahr, führte Ingrid Sternby, Analystin bei Barclays Capital in London, aus. Das Fehlen neuer Abbaukapazitäten wird auch in den nächsten Jahren den Markt bestimmen, so Sternby.
Weltweit werden jährlich über zehn Millionen Tonnen Zink gewonnen. Etwa die Hälfte dieser Menge wird als Korrosionsschutz für Stahl durch Verzinken eingesetzt. Circa 13 Prozent der Zinkerzeugung wird zu Legierungen beispielsweise für den Druckguß verarbeitet während etwa 18 Prozent in die Messingproduktion gehen. Wichtige Zinkprodukte sind außerdem sogenannte Halbzeuge, aus denen Dacheindeckungen und Dachentwässerungssysteme gefertigt werden sowie Zinkverbindungen wie Zinkoxid oder Zinksulfat.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: Bloomberg/@cri
Bildmaterial: Bloomberg, Perubar S.A., Volcan Compañia Minera S.A.A
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