FAZ.NET-Spezial

Devisenmärkte im Wandel

Das Auf und Ab der Wechselkurse hat sich grundlegend verändert

Das Auf und Ab der Wechselkurse hat sich grundlegend verändert

26. September 2007 Die Finanzmärkte haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Am allerwenigsten mag dies noch auf die Aktienmärkte zutreffen, während an den Rentenmärkten klassische Renten an Bedeutung verloren haben und vor allem der Handel mit strukturierten Produkten und anderen Derivaten in den Vordergrund gerückt ist.

Aber auch die Devisenmärkte sind nicht mehr das, was sie einmal waren. Es geht dabei weniger darum, dass das Handelsvolumen so stark gewachsen ist wie noch nie. Vielmehr sind Devisen mittlerweile nicht mehr bloß mittelbares, sondern ein unmittelbares Investmentobjekt geworden (Globaler Devisenhandel: Seit 2004 um 71 Prozent gewachsen).

Wechselkurse: Von der Reflektion zur Unabhängigkeit

Das Verhältnis von Wechselkursen und Kapital- und Warentransaktionen hat sich dadurch gleichfalls verändert. Waren erstere einst lediglich die abhängige Variable letzterer, so sind sie unabhängiger voneinander geworden. Das liegt nicht zuletzt an den „Carry Trades“, mit denen Zinsdifferenzen in unterschiedlichen Währungsräumen ausgenutzt werden, aber auch an der Leistungsfähigkeit des Computerhandels, der es ermöglicht minimale Marktunvollkommenheiten auszunutzen und als institutioneller Investor mit Arbitragegeschäften Geld zu verdienen (Carry Trades wird es auch weiterhin geben).

Aber auch an anderer Stelle zeichnen sich Veränderungen ab. Mit der Einführung des Euro erwuchs dem amerikanischen Dollar erstmals Konkurrenz durch die gemeinsame Währung eines mindestens ebenso starken und hoch entwickelten Wirtschaftsraumes, eine Devise, die mit ihrem schieren Volumen das Potential hat, auf den Weltdevisenmärkten eine tragende Rolle zu spielen.

Euro greift den Dollar an

Nach einigen wechselhaften Jahren (Chronik: Der Euro seit seiner Einführung) zeichnet sich auch immer stärker ab, dass die Funktion des Dollar als Weltleitwährung, die dieser spätestens mit der Einführung des Währungssystems von Bretton Woods im Jahr 1944 einnahm, zwar noch nicht verloren hat, aber mittlerweile gegen den Euro verteidigen muss („Der Euro kann bis auf 1,50 Dollar überschießen“).

Noch werden zwar alle wichtigen Rohstoffe in Dollar notiert, selbst wenn sie hauptsächlich in London oder China gehandelt werden. Noch läuft der Handel zwischen zwei Nicht-Dollar-Währungen in aller Regel über diesen als Mittler.

Doch mittlerweile hat dieses System nicht mehr für alle beteiligten Vorteile. Das liegt nicht zuletzt am mittlerweile dramatischen Verfall des Wertes des Dollar (Euro erreicht neues Rekordhoch: Erstmals teurer als 1,39 Dollar; Starker Loonie - schwacher Greenback), der eine Reflektion der inflationären Niedrigzinspolitik der amerikanischen Zentralbank ist. Immer mehr Staaten haben damit begonnen, ihre Währungsreserven umzuschichten und vorwiegend ihren Euro-Bestand zu erhöhen. Und auch die Umstellung von Rohstoffpreisen auf Euro ist kein Tabuthema mehr (Der Devisenmarktbericht: Ein Gefecht um den Euro).

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @mho
Bildmaterial: Bloomberg, REUTERS, UBS FX Strategy

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